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Von der Notlösung zum ­permanenten Angebot

06.04.2021 • 06:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Brigitte Winder kommissioniert jeden Donnerstag die Pakete. Am Freitag wird ausgeliefert. <span class="copyright">Stiplovsek</span>
Brigitte Winder kommissioniert jeden Donnerstag die Pakete. Am Freitag wird ausgeliefert. Stiplovsek

Die Initiative „Guats vo do…bis vor’d Hustür“ startete vor einem Jahr.

Was vor einem Jahr aus der Not geboren wurde, ist mittlerweile zu einem fixen Angebot geworden. Bei „Guats vo do…bis vor’d Hustür“ können Konsumenten Produkte heimischer Landwirte online bestellen. Jeden Freitag werden die Warenpakete dann im ganzen Land zugestellt. Im Schnitt 100 Bestellungen gibt es pro Woche. „Manchmal sind es aber auch bis zu 200“, sagt Brigitte Winder aus Dornbirn, die seit vergangenem November die Geschicke bei „Guats vo do“ lenkt. Das Potenzial schätzt sie aber noch viel höher ein. Gestartet wurde die Initiative im vergangenen Jahr, als auch zahlreiche Landwirte die Auswirkungen des ersten Lockdowns zu spüren bekamen. Denn einerseits wurde die Gastronomie geschlossen. Damit verloren die Lebensmittelproduzenten über Nacht einen wichtigen Abnehmer für ihre Erzeugnisse. Andererseits wurden auch die Märkte im Land abgesagt. Eine weitere Absatzmöglichkeit fiel so für die Direktvermarkter aus.

Vorbilder andernorts

Die Verantwortlichen des Regionalmarkt Vorderland Walgau Bludenz, des Vereins vom Ländle Bur und der Landwirtschaftskammer Vorarlberg taten sich zusammen, um eine Lösung zu finden. Vorbild waren dabei Initiativen zur Lebensmittelbestellung und -zustellung, die andernorts bereits etabliert waren. „In Tirol gibt es ein solches Angebot schon seit über 20 Jahren“, erzählt Brigitte Winder. Und das Angebot fand Anklang. Insgesamt haben sich seit dem Start etwa 2000 Kunden im Onlineshop registriert.

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Stiplovsek

Zu Beginn wurden sechs unterschiedliche Themenpakete mit Produkten verschiedener Landwirte zusammengestellt, die von den Konsumenten bestellt werden konnten. Seit Dezember gibt es einen Onlineshop, in welchem die Artikel einzeln angeboten werden, sodass die Kunden ihre Bestellung individuell zusammenstellen können. Doch auch noch verschiedene Themenpakete – auch vegetarische – sind im Angebot.

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Stiplovsek (3)

Bestellt werden kann jeweils zwischen Donnerstag, 20 Uhr, und Dienstag, 13 Uhr. Dann informiert Brigitte Winder die Lieferanten darüber, wie viel Ware benötigt wird. Am Donnerstagabend werden die Pakete in Dornbirn kommissioniert, ehe diese am Freitag im ganzen Land zugestellt werden. Einen Teil davon bringen die Verantwortlichen von „Guats vo do“ zu den Kunden. Doch auch Spediteure kommen bei der Auslieferung zum Einsatz. „Anders wäre das nicht zu bewerkstelligen“, erklärt Brigitte Winder.

Regionale Vielfalt

Über 100 verschiedene Produkte aus Vorarl­berg enthält das Sortiment. Von Gemüse über Fleisch bis hin zu Milchprodukten wie etwa Joghurt. Das Angebot wechselt saisonal. So wie die Kunden kommen auch die Produzenten aus dem ganzen Land. Besteller profitieren dabei davon, dass sie auch Lebensmittel kaufen können, die es in ihrer Gegend nicht gibt. Denn obwohl Vorarlberg flächenmäßig nicht unbedingt groß ist, gibt es regional sehr unterschiedliche Spezialitäten. „Zum Beispiel ist der Sura Kees aus dem Montafon im Bregenzerwald sehr beliebt. Auch Äpfel werden dort gerne bestellt“, erzählt die Geschäftsführerin von „Guats vo do“. Die Renner sind vor allem Milchprodukte und Fleisch. Auch Gemüse ist sehr gefragt. Viele Kunden würden das Angebot auch nutzen, um Neues auszuprobieren. Und selbst Brigitte Winder kommt auf diesem Weg zu neuen Erfahrungen. So war kürzlich auch Grünkohl im Shop erhältlich. „Den kannte ich vorher noch nicht“, erzählt die Geschäftsführerin. Von einem Kunden, der ursprünglich aus Deutschland stammt, hat sie dann aber Tipps erhalten, wie sie den Grünkohl am besten zubereiten kann und das Ergebnis konnte sich sehen lassen.

Interesse steigt

Die Initiatoren des Projekts haben sich mittlerweile aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen und die Führung in die Hände von Brigitte Winder übergeben. Doch sie sind weiterhin als Partner mit an Bord und nutzen den Vertriebsweg. Gerade für klein strukturierte bäuerliche Betriebe sei „Guats vo do“ ein wichtiger Absatzkanal, um in ganz Vorarlberg bekannt zu werden, erläutert Martin Winder, Obmann des Vereins vom Ländle Bur. Dazu kommt nach seiner Ansicht, dass die Bedeutung des Internethandels und auch das Interesse der Konsumenten an regionalen Produkten stetig zunehmen. Umso wichtiger sei es, den Kunden eine Online-Bestellmöglichkeit zu bieten. Das Ziel der Geschäftsführerin ist es, den Shop weiter auszubauen. Ziel sei es, dass es für Stammkunden irgendwann die Möglichkeit gibt, Abos abzuschließen und sich etwa jede Woche die gleichen Produkte liefern zu lassen. Vorerst sind alle Beteiligten froh, dass sich die am Beginn der Pandemie schnell in die Tat umgesetzte Idee so gut etabliert hat.
Info: https://www.guatsvodo.at

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