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Hohentwiel erstrahlt in altem Glanz

07.04.2021 • 09:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Hohentwiel wurde in der Werft wieder auf Vordermann gebracht.<span class="copyright"> Michael Häfner</span>
Die Hohentwiel wurde in der Werft wieder auf Vordermann gebracht. Michael Häfner

Revision in Romanshorn wurde nach knapp fünf Wochen abgeschlossen.

Wieder zurück in heimatlichen Gewässern ist die Hohentwiel. Der letzte Schaufelraddampfer auf dem Bodensee war in den vergangenen fünf Wochen für Revisionsarbeiten in der Schiffswerft in Romanshorn. Am Dienstag wurde das Schiff wieder zu Wasser gelassen und dann vom Motorschiff Oesterreich wieder nach Hard geschleppt. Doch nicht nur die Hohentwiel wurde wieder auf Hochglanz gebracht. Die historische Schifffahrt mit dem Dampfschiff sowie dem MS Oesterreich wurde organisatorisch auf neue Beine gestellt. Die Neuerungen wurden gestern auf einer Pressekonferenz vor der Wasserung vorgestellt.

Nicht wirtschaftlich

Am 25. Februar war die Hohentwiel vom MS Oesterreich nach Romanshorn in die Werft der Schweizerischen Bodensee-Schifffahrtsgesellschaft AG geschleppt worden. Die Unterstützung durch das Schwesterschiff war sowohl bei der Hin- als auch der Rückfahrt notwendig, da sich der Saisonstart des Schaufelraddampfers aufgrund der Corona-Pandemie und der damit zusammenhängenden Beschränkungen verzögert. Die Dampfmaschine einmalig in Betrieb zu nehmen, ist nach Angaben der Verantwortlichen wirtschaftlich nicht rentabel. Der Kessel muss – wenn er einmal befeuert wurde – ständig unter Dampf gehalten werden. Daher wurde die Hohentwiel zur Revision geschleppt.

Vom MS Österreich wurde die Hohentwiel wieder nach Hard gebracht. <span class="copyright">Michael Häfner</span>
Vom MS Österreich wurde die Hohentwiel wieder nach Hard gebracht. Michael Häfner

Die Arbeiten seien in den vergangenen fast fünf Wochen reibungslos verlaufen. Allerdings mussten zu Beginn erst einmal rund drei Tonnen Quagga-Muscheln vom Rumpf des Schiffs entfernt werden, ehe mit den eigentlichen Arbeiten begonnen werden konnte. Im Anschluss wurden der Schiffsrumpf, der Schornstein und die Schaufelräder abgeschliffen und neu lackiert. Die Wappen samt Schriftzügen wurde abgenommen, optisch aufbereitet und gebürs­tet. Dann wurden diese wieder auf dem frisch lackierten purpurroten Hintergrund montiert. Die Farbe war früher exklusiv dem Königshaus vorbehalten. Im Zuge der Revision wurden auch alle Decks überarbeitet. Über 150.000 Euro wurden seitens des Eigners der Hohentwiel, der Verein Internationales Bodensee-Schifffahrtsmuseum, investiert. Die Summe wurde aus Rücklagen finanziert.

Technische Daten

Schaufelraddampfer Hohentwiel

Länge: 58,84 Meter

Breite: 13 Meter

Maximaler Tiefgang: 1,6 Meter

Verdrängung: 365 Tonnen

Höchstgeschwindigkeit: 16,7 Knoten (31 Stundenkilometer)

Antrieb: Zwei-Zylinder-Verbund-Dampfmaschine

Leistung: 950 PSi bei 62 UpM

Der Präsident des Vereins, Josef Büchelmeier, zeigte sich sehr zufrieden mit der professionellen Arbeit der Werft. Er dankte deren Mitarbeitern sowie der nautischen Mannschaft des Dampfschiffs Hohentwiel für die „ausgezeichnete Leistung“ in den zurückliegenden Wochen. „Nun sind sowohl die Technik als auch das Outfit unseres his­torischen Schiffes bereit für die kommende Saison“, sagte er. Obwohl mehrere Fahrten abgesagt werden mussten, soll das MS Oesterreich heuer am 11. April erstmals in See stechen, die erste Ausfahrt der Hohentwiel ist am 1. Mai geplant. Eine Übersicht über das Programm und Informationen zur Buchung sind auf www.hs-bodensee.eu/fahrten/fahrplan ersichtlich.

Gemeinsame Betriebsgesellschaft

Neben der Revision des Schaufelraddampfers wurde in den vergangenen Wochen auch ein komplexer organisatorischer Prozess angestoßen. Wurden die Hohentwiel und das MS Oesterreich bisher gemeinsam unter dem Dach der Hohentwiel-Schifffahrt (HSG) betrieben, firmierten beide unter eigenen Gesellschaften. Nun soll die Historische Schifffahrt Bodensee (HSB) als gemeinsame Betriebsgesellschaft entstehen, die auch die Gastronomie miteinbezieht. Die Verantwortlichen hoffen dadurch auf Synergien in verschiedenen Bereichen wie etwa im Marketing, im Vertrieb oder in der Lohnverrechnung und Buchhaltung. An der Gesellschaft ist auch die Gemeinde Hard beteiligt.