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Im Herbst macht’s zum ersten Mal „bumm“

11.04.2021 • 16:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Projektleiter Bernhard Braza vom Landesstraßenbauamt. <span class="copyright">Stiplovsek</span>
Projektleiter Bernhard Braza vom Landesstraßenbauamt. Stiplovsek

Erkundungsstollen für den Stadttunnel Feldkirch wird in Angriff genommen.

“Hier kommt das Portal Felsenau einmal hin. Aber sozusagen einen Stock tiefer, weil wir ja auf das Niveau der Straße kommen müssen.“ Projektleiter Bernhard Braza vom Landesstraßenbauamt kennt die Stadttunnel-Pläne mittlerweile wie seine eigene Westentasche. Seit vielen Jahren arbeitet er nahezu ausschließlich an dem Mammutprojekt. Umso mehr fiebert er dem offiziellen Baustart entgegen. Ab 2023, so der Plan, soll hier auf dem Gelände des Bauhofs Frastanz-Felsenau der Haupttunnel in den Berg getrieben werden. Das Ausbruchmaterial – Braza rechnet mit bis zu 950 Tonnen pro Tag – wird dann über ein eingehaustes Förderband auf die andere Seite der Schlucht transportiert und auf der alten Westbahntrasse automatisch in Waggons entladen (siehe Foto oben). „Die Weiche für den Anschluss ans Hauptgleis wurde von der ÖBB kürzlich eingebaut“, erklärt Braza. Zum ersten Mal gesprengt wird aber auf der anderen Seite des Berges. Ab Oktober soll hinter der Pädagogischen Hochschule in Feldkirch ein 270 Meter langer Erkundungsstollen in den Berg getrieben werden, der später als Flucht- und Wartungsstollen dienen wird. Die Vergabe der Bauarbeiten wurde europaweit ausgeschrieben. „Ein heimisches Unternehmen konnte das Bestbieterverfahren für sich entscheiden“, teilt Braza im NEUE-Gespräch mit.

Derzeit wird eine Lärmschutzwand im Bereich Frastanz-Fellengatter errichtet.<span class="copyright"> Stiplovsek</span>
Derzeit wird eine Lärmschutzwand im Bereich Frastanz-Fellengatter errichtet. Stiplovsek

Lärmschutz

Aktuell finden bereits kleinere Bauarbeiten statt, die Teil des mit 260 bis 275 Millionen Euro veranschlagten Mammutprojekts sind. So entsteht an der L 190 im Bereich Frastanz-Fellengatter derzeit eine 460 Meter lange und vier Meter hohe Lärmschutzwand. Im Sommer wird dann eine weitere Lärmschutzwand beim Schulzentrum in Feldkirch-Tisis in Angriff genommen. Ebenfalls diesen Sommer wird beim Schulbrüderareal ein Besucherzentrum errichtet, wo sich interessierte Bürger über das Projekt generell und den jeweils aktuellen Baufortschritt und die Begleitmaßnahmen im städtischen Straßennetz informieren können.

Auf dem Gelände des Bauhofs Felsenau wirddas künftige Tunnelportal Felsenau befinden. <span class="copyright">Stiplovsek</span>
Auf dem Gelände des Bauhofs Felsenau wirddas künftige Tunnelportal Felsenau befinden. Stiplovsek

Radweg

Auch für den neuen Radweg zwischen Feldkirch und Frastanz, der im Zuge des Stadttunnel-Projekts von der stark befahrenen L 190 an die Ill verlegt wird, sind bereits die ersten Bauarbeiten in Sicht. Laut Braza wird im Herbst eine Radbrücke über den in die Ill mündenden Blödlebach errichtet. Im Bereich des Tunnelportals verschwindet der Radweg übrigens unter der Erde. Geplant ist eine lichtdurchflutete Unterführung. Für deren Planung zeichnen die Feldkircher Architekten Marte.Marte verantwortlich. Auch der Entwurf für die skulptural anmutenden Tunnelportale stammt von Marte.Marte.

Grafik. <span class="copyright">NEUE</span>
Grafik. NEUE

Der Stadttunnel Feldkirch besteht aus vier Ästen (Felsenau, Tisis, Tosters und Altstadt), welche über einen zentralen unterirdischen Kreisverkehr (70 Meter Durchmesser) im Bereich des Schulzentrums in Feldkirch miteinander verbunden sind. Die Kosten für das Straßenbauprojekt werden aktuell mit 260 bis 275 Millionen Euro beziffert. Die Fertigstellung des Gesamtprojekts ist für das Jahr 2030 anvisiert. Solange gilt auch der UVP-Bescheid.

Gerichtsverfahren

Dass sich der Verwaltungsgerichtshof (VwGH) derzeit noch mit einer Beschwerde der Tunnelgegner auseinandersetzt, juckt Braza wenig. „Dem Antrag auf aufschiebende Wirkung wurde bekanntermaßen nicht stattgegeben. Damit dürfen wir mit dem Bau beginnen“ Er ist zuversichtlich, dass die Sache letztlich positiv ausgehen wird. Falls nicht, hätte das Land immer noch das Recht, die Bauarbeiten ein Jahr lang fortzuführen. In dieser Zeit könnten allfällige Formal- und Verfahrensfehler saniert werden, meint Braza.

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