Allgemein

Obstbauern: Kampf noch nicht verloren

13.04.2021 • 11:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Mit 25 Prozent bestäubten Blüen ist ein normaler Ertrag noch möglich.<span class="copyright"> Dietmar Stiplovsek</span>
Mit 25 Prozent bestäubten Blüen ist ein normaler Ertrag noch möglich. Dietmar Stiplovsek

Bei Obstbauer Jens Blum ist ein Großteil der Apfelblüten braun.

wischen 60 und 80 Prozent der Blüten sind braun. So lautet die Zwischenbilanz von Jens Blum, Apfelbauer in Höchst und Obmann der Vorarl­berger Obstbauern, nach dem erneuten Wintereinbruch dieser Tage. Doch es klingt dramatischer als es ist – zumindest aktuell. „Wenn 20 bis 25 Prozent der Blüten optimal befruchtet werden, sollte es am Ende einen normalen Ertrag geben“, erläutert Blum. Es müssen also grundsätzlich nicht alle Blüten stets befruchtet sein, um eine befriedigende Ausbeute zu verbuchen.

Bei Boskop sieht es ziemlich schlecht aus.

Jens Blum, Apfelbauer in Höchst und Obmann der Vorarlberger Obstbauern.

Die Schäden seien sortenabhängig, sagt Blum. Bos­kop ist ärger betroffen als Els­tar. „Bei Boskop sieht es ziemlich schlecht aus. Aber der Krieg ist noch nicht verloren, wir sind ja Optimisten“, sagt er mit einer gewissen Portion Galgenhumor. Allerdings sind für diese Woche erneut Frostnächte prognostiziert. Das Bangen nimmt vorerst kein Ende.

<span class="copyright">Dietmar Stiplovsek</span>
Dietmar Stiplovsek

Schnee, Frost und Wind

Wie berichtet, konnte Blum aufgrund der Witterung von Ostermontag auf Dienstag nicht beregnen. Das lag am Wind. Schaltet man die Anlage trotzdem an, steigert die Luftbewegung die Verdunstung und damit den Wärmeentzug. Als der Wind nachließ, startete er umgehend die Frostberegnungsmaschinen – leider zu spät für den gewünschten Effekt.

Dazu kam der Schnee. Der mag vielleicht den Blüten an sich nichts anhaben. „Aber der Schnee auf den Wiesen hat die Bodenwärme isoliert. Der war bereits relativ warm und strahlt im Normalfall in der Nacht Wärme an die Bäume ab. Durch den Schnee wurde diese im Boden isoliert“, erzählt Blum. Dass sich der Schnee gleich so stark auf die Bäume auswirkt, damit hätte Blum nicht gerechnet. „Der viele Schnee auf einmal plus Wind, das war keine gute Mischung.“ Die Schäden sind da, das lässt sich nicht beschönigen. Ganz so schlimm wie im Totalausfall-Jahr 2017 sieht es derzeit jedenfalls nicht aus.

Jens Blum, Apfelbauer in Höchst und Obmann der Vorarlberger Obstbauern. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Jens Blum, Apfelbauer in Höchst und Obmann der Vorarlberger Obstbauern. Klaus Hartinger

Nachblühte

Die Apfelbäume stehen noch nicht in voller Blüte, aber über das Wochenende haben sie einen Schub gemacht. Jetzt befinden sie sich am Anfang des Rotknospenstadiums. Einige Kirsch- und Birnbäume sind am Wochenende gar völlig aufgeblüht. Und außerdem: Bäume blühen immer noch ein bisschen nach. Darauf hofft Blum. Die gefährlichsten Nächte dürften Dienstag auf Mittwoch und Mittwoch auf Donnerstag sein, so Blums Prognose. „Jetzt müssen wir die Woche überleben und danach sollte es Blühwetter geben“, hofft er.

Laut Experten des Wetterrings Vorarl­berg bleibt es diese Woche bedingt durch eine zügige Brise auf allen Höhen weiterhin stark unterkühlt.
Aus heutiger Sicht ändern sich die Temperaturen bis Samstag erst mal nicht.

Du hast einen Tipp für die NEUE Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@neue.at.