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Ein Paket für Kinder und Jugendliche

14.04.2021 • 20:00 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
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Symbolbild/Hartinger

Unterstützung auf dem Weg durch die Krise und darüber hinaus.

Ein Chancenpaket für die Jugend möchte Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) analog zu den Konjunkturprogrammen für die Wirtschaft schnüren. Das sagte er am Mittwoch in der Aktuellen Stunde im Landtag. Die Neos waren dieses Mal an der Reihe gewesen, das Thema vorzugeben. Unter dem Titel „Mutig vorwärts – Vorarlberg als Modellregion für Kinder!“ forderten die pinken Abgeordneten eine Diskussion darüber, wie die Heranwachsenden am Besten durch die Krise und über diese hinaus geführt werden können.

Auf dem richtigen Weg

Neos-Klubobfrau Sabine Scheffknecht begann ihre Rede dabei mit etwas Positivem. Mit den Lockerungen im Sport und in der Kultur im Rahmen der Modellregion sei Vorarlberg bereits auf dem richtigen Weg. Allerdings brauche es für die junge Generation noch mehr. Studien oder Erfahrungen aus der Praxis wie etwa bei der Notrufnummer „Rat auf Draht“ würden zeigen, dass die psychologischen Belas­tungen für die Kinder und Jugendlichen enorm seien. Dabei handle es sich jedoch nur um die Spitze des Eisberges. Umso wichiger sei es daher, entgegenzusteuern. Dabei gehe es um konkrete Hilfsangebote und krea­tive Ideen.

Landtags-Splitter

Stehpartie. Leichte Schwierigkeiten hatte der ÖVP-Abgeordnete Clemens Ender, als er seinen Bericht aus dem Rechtsausschuss vortragen wollte. Als er zum Platz des Berichterstatters kam, fehlte dort ein Stuhl. „Hört man mich auch im Stehen?“, fragte der Götzner. Schlussendlich durfte er seinen Bericht dann aber doch im Sitzen vortragen. Es wurde schnell ein neuer Stuhl gefunden.

Erkenntnisse. Neues über zwei Abgeordnete hat FPÖ-Klubobmann Christof Bitschi in der gestrigen Sitzung eigenen Angaben zufolge gelernt. So beschäftige sich ÖVP-Wirtschafts- und Tourismussprecherin Monika Vonier wohl gerne mit der FPÖ, da sie diese gleich in zwei Wortmeldungen erwähnt habe. Auch Grünen-Wirtschaftssprecher Bernhard Weber bekam von Bitschi sein Fett weg: „Seine ganze Politik richtet sich momentan danach, endlich wieder Bier zu trinken und Feste zu feiern. Jeder hat so eine innere Motivation, die ihn antreibt. Die vom Kollegen Weber kennen wir jetzt“, meinte der Freiheitliche.

Außer Atem. Beinahe hätte SPÖ-Chef Martin Staudinger seine eigene Rede zu einer von den Roten dringlich namhaft gemachten Anfrage verpasst. Er musste erst noch gesucht werden. Leicht außer Atem traf er dann doch noch am Rednerpult ein und dankte für die Geduld. Er sei in ein Gespräch mit Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) vertieft gewesen, sagte er entschuldigend.

So dürfe es bei der Rückkehr zum vollständigen Präsenzunterricht an den Schulen nicht um die Frage gehen „Ja oder Nein?“. Viel mehr müsse man darüber sprechen, wie man diesen Schritt sofort umsetzen könne. In weiterer Folge brauche es noch weitere Maßnahmen wie etwa Angebote für eine leistbare Sommerbetreuung oder auch die Einführung eines Perspektivenjahrs für Jugendliche. In diesem sollen die Betroffenen die Möglichkeit haben, in verschiedene Berufe hineinzuschnuppern. Auch Ansätze wie die Einführung des Schulfachs „Glück“, das es bereits in einigen Bildungseinrichtungen gebe, könne dabei helfen, die jungen Menschen „mit positiven Gedanken zu füttern“.

Langfristige Lösungen

Unterstützung erhielt Scheffknecht von Parteikollege Johannes Gasser. Er hob positiv hervor, dass im Bereich der psychischen Gesundheit schnell und flexibel die Kapazitäten ausgebaut worden sind. Allerdings werde dies längerfristig nicht ausreichen. Es brauche einen Ausbau der präventiven und niederschwelligen Angebote. Ebenso sei zu überlegen, ob die Initiative „Frühe Hilfen“ erweitert werden soll. Das Konzept habe sich bei den Null- bis Dreijährigen bewährt.

Neos-Klubobfrau Sabine Scheffknecht und ihre Parteikollegen gaben das Thema in der Aktuellen Stunde vor. <span class="copyright">Vorarlberger Landtag/Foto-Serra</span>
Neos-Klubobfrau Sabine Scheffknecht und ihre Parteikollegen gaben das Thema in der Aktuellen Stunde vor. Vorarlberger Landtag/Foto-Serra

Weitere Ideen lieferten auch noch die Vertreter der anderen Fraktionen. So gab etwa FPÖ-Familiensprecherin Andrea Kerbleder zu bedenken, dass Kinder und Jugendliche ihr gewohntes Leben wieder zurück wollen. Dazu gehörte die Rückkehr zum vollständigen Präsenzunterricht. Genauso seien aber auch vollumfängliche sinnvolle Freizeitbeschäftigungen gefragt. Kerbleder nannte den Sport als wichtigen Bereich und beklagte etwa, dass derzeit keine Schwimmkurse durchgeführt werden können.

Diskussion um zwei Wörter

Für Debatten hat am Mittwoch ein Antrag der FPÖ gesorgt. Dieser lautete, dass der Landtag eine „rasche Rückkehr zum vollständigen Präsenzunterricht an allen Schulen in Vorarlberg“ fordert. Die Regierungsparteien verweigerten dem Antrag die Zustimmung. Nach einer Sitzungsunterbrechung brachten die Regierungsparteien jedoch einen Abänderungsantrag ein. In diesem spricht sich der Landtag für eine „möglichst rasche, verantwortungsvolle Rückkehr“ zum vollständigen Präsenzunterricht aus. Dieser Vorschlag wurde einstimmig angenommen.

Dazu wurden noch zwei weitere Beschlüsse einstimmig gefällt. So wird die psychologische Unterstützung an den Schulen optimiert. Zudem wird eine Online-Übersicht eingerichtet, auf der möglichst viele Sommerbetreuungs-Angebote zu finden sein sollen. Abgelehnt wurde ein FPÖ-Antrag, in dem die Bundesregierung zu einer Aufhebung der abendlichen Ausgangsbeschränkungen aufgefordert wird.

Eva Hammerer von den Grünen machte sich zudem für die stärkere Einbindung der jungen Menschen in Entscheidungsprozesse ein. Thomas Hopfner, Klubobmann der SPÖ, warnte vor einer „Lost Generation“. Um dies zu verhindern, müsse Chancengleichheit hergestellt werden. Ebenso müsse man dafür sorgen, dass nicht die Kinder und Jugendlichen in Zukunft die Zeche für die Pandemie bezahlen müssten.

Frühstück: Auch Stärken sehen

ÖVP-Klubobmann Roland Frühstück warnte in seiner Rede davor, ein zu düsteres Bild der Lage zu zeichnen. Man tue den Kindern und Jugendlichen keinen Gefallen, wenn man sich ständig nur auf die negativen Seiten konzentriere. Auch Psychiater Reinhard Haller habe kürzlich davor gewarnt, von einer „Lost Generation“ zu sprechen. Man dürfe sich nicht nur auf das Negative konzentrieren, sondern müsse auch Stärken und Chancen sehen. Zudem habe das Land im Verlauf der Krise zahlreiche Schritte gesetzt, um die Lage der Heranwachsenden zu verbessern. Landeshauptmann Markus Wallner nannte dabei etwa Budgetaufstockungen bei Arbeitsmarktprogrammen für Jugendlichen, die Verdoppelung der Standorte für die Sommerschule und ein günstiges Angebote an Förderunterricht in Kooperation mit den Volkshochschulen. Nichtsdestotrotz solle nun auch noch ein Chancenpaket geschnürt werden. Alle Parteien seien eingeladen, ihre Vorschläge einzubringen.