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Lieferstopp Johnson & Johnson: keine Gefahr

14.04.2021 • 13:31 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Es seien Alternativen vorhanden, sagt Experte Herwig Kollaritsch
Es seien Alternativen vorhanden, sagt Experte Herwig Kollaritsch (c) Frank Hoermann / dpa Picture Alliance / picturedesk.com (Frank Hoermann)

Der Lieferstopp bringt Österreichs Impfplan nicht weiter in Bedrängnis.

Der vorläufige Impfstoff-Lieferstopp des US-Herstellers Johnson & Johnson nach Europa dürfte sich im Kampf gegen das Coronavirus vorerst nicht auf den österreichischen Impfplan niederschlagen. Es gebe „Alternativen“, mit denen sich das Impfprogramm auffüllen lasse, sagte der Infektiologe Herwig Kollaritsch, der auch dem Nationalen Impfgremium angehört, im „Ö1 Mittagsjournal“ .

Das Vakzin des US-Herstellers, von dem eine Dosis zur Vollimmunisierung ausreicht, sei kein „dominanter Teil des österreichischen Impfplans“, sagte Kollaritsch. Die in den USA beobachteten Nebenwirkungen nach einer Impfung seien äußerst selten aufgetreten, betonte der Experte. Es handle sich um „sechs Fälle von außergewöhnlichen thromboembolischen Ereignissen auf 6,8 Millionen verimpfte Dosen“.

Kollaritsch: „Sehr genaue Kosten-Nutzen-Bewertung notwendig“

Am Abend werden in Wien weitere, detailliertere Informationen aus den USA zu den möglichen Impffolgen erwartet. Ob danach das Nationale Impfgremium zusammentreten wird, um über das weitere Vorgehen hinsichtlich der Dosen von Johnson & Johnson zu beraten – 16.800 wurden bereits an Österreich geliefert, die Lieferung von weiteren 31.200 Dosen wäre bevorgestanden –, ist unklar. Kollaritsch merkte an, die dokumentierten Nebenwirkungen seien derart selten, dass man sich „sehr genau wird überlegen müssen, wie man die Kosten-Nutzen-Bewertung dieses Impfstoffes macht“.

Die seltenen schweren Nebenwirkungen nach der Impfung mit den Präparaten von AstraZeneca und Johnson & Johnson hängen deutschen Experten zufolge vermutlich mit dem speziellen Typ dieser Impfstoffe zusammen. „Die Tatsache, dass beide Impfstoffe auf dem gleichen Prinzip beruhen und die gleichen Probleme verursachen, spricht meines Erachtens eher dafür, dass der Vektor selbst die Ursache ist“, sagte Johannes Oldenburg vom Universitätsklinikum Bonn. Allerdings sei das zum gegenwärtigen Zeitpunkt Spekulation.

Johnson & Johnson auch in den USA unter Beobachtung

In den USA sind seit der Zulassung des „Johnson & Johnson“-Vakzins Ende Februar bei mehr als 6,8 Millionen Verimpfungen im Anschluss sechs Fälle von Hirnvenenthrombosen erfasst worden. In drei Fällen kam es zusätzlich zu einer Thrombozytopenie, also einem Mangel an Blutplättchen. In den Präparaten von Johnson & Johnson und AstraZeneca wird ein an sich harmloses Adenovirus als sogenannter Vektor genutzt, um Erbinformationen des Coronavirus in den Körper zu schleusen. Es sei theoretisch auch denkbar, dass das Spike-Protein des Virus, das in allen verfügbaren Impfstoffen dem Immunsystem zur Bildung von Abwehrstoffen präsentiert wird, die Nebenwirkungen verursacht, erklärte Oldenburg. Ebenso sei es grundsätzlich möglich, dass die Nebenwirkungen unspezifisch im Rahmen der allgemeinen Immunantwort ausgelöst würden.

AstraZeneca: Dänemark stoppt dauerhaft

Nach einem temporären Impfstopp hat Dänemark nun die Impfungen mit AstraZeneca dauerhaft eingestellt, wie das Gesundheitsministerium bestätigte. Das werfe die Impfkampagne um einige Wochen zurück, hieß es weiter. Dänemark schloss aber nicht aus, das Vakzin zu einem späteren Zeitpunkt wieder einzusetzen. Auch das Mittel von Johnson & Johnson soll der Zeitung „Politiken“ zufolge in Dänemark vorübergehend nicht verabreicht werden.

Damit handelt Dänemark klar gegen die Empfehlung der Europäischen Arzneimittelbehörde, die das Vakzin von AstraZeneca weiterhin als sicher ansieht.