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Was Urknall und mein Wäschekorb gemeinsam haben

17.04.2021 • 17:50 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Heidi Salmhofer mit ihrer Sonntags-Kolumne in der Neue am Sonntag.

Es gibt Dinge, die begreife ich nicht. Die Idee des Urknalls zum Beispiel. Wie kann etwas aus dem Nichts heraus plötzlich eine solche Kraft entwickeln, dass diese sich in einer gewaltigen Explosion aus ihrer Anspannung befreit und einfach so ein paar Millionen Planeten und Sterne ausspuckt? Da setzt bei mir der Verstand aus.

Ähnlich wie mit dem Urknall-Dilemma geht es mir mit meinem Wäschekorb. Ich ver­stehe es nicht. Gerade leergewaschen und erfreut darüber, dass endlich dieser riesen Berg an Teenie-Wäsche den Weg zurück in die Kleiderkästen gefunden hat, will ich mich emotional zurücklehnen und es genießen, dass ich jetzt eine Zeit lang Ruhe von dieser Arbeit habe. Ein Blick ins Badezimmer lehrt mich eines Besseren. Da steht er, der weiße Korb, und quillt über. Der Ärmel eines Pullovers hängt heraus, als ob er mir die Zunge herausstrecken würde. Das gibt es doch nicht! Wie um Himmelswillen ist es möglich, dass aus dem Nichts heraus ein derartiger Wäscheberg entsteht? Ich hatte doch die ganze Wohnung nach versteckter Teen-Schmutzwäsche durchfors­tet. Unter den Betten nachgesehen, das Sofa hochgehoben, alle Turnsäcke entleert. Nichts!

Da stand ich also etwas perplex und mit einem Hauch der Verzweiflung im Badezimmer und starrte auf diesen Berg von Wäsche. Schließlich hörte ich mich rufen: „Kinder! Zu mir!“ Zwei Mädchen trotteten nach einer halben Stunde und vier weiteren Aufforderungen genervt zu mir ins Badezimmer. „Wa-has?“ entfleuchte es ihrem Mund. Ich deutete auf den Haufen Kleider und erklärte ihnen mein etwas verärgertes Erstaunen. Beide zuckten nur mit den Schultern und meinten dann stolz, dass sie gerade ihre Zimmer aufgeräumt hätten. Bei näherer Betrachtung hieß das, Gewand, für das man zu faul war, es zusammen zu legen und wieder im Kasten zu verstauen, weil man es doch nicht angezogen hat, wurde einfach zusammengeknüllt, auf einen Haufen geworfen und dann via Wäschekorb in Mamas Obhut gegeben. Irgendwann würde es dann schon wieder fein säuberlich im Kasten landen. Geschickt, die zwei. Mit möglichst wenig Aufwand das bestmögliche Ergebnis erzielen.

Die erzieherische Maßnahme, die daraus folgte, war, dass sie ihre Wäsche ab sofort selbst waschen und aufhängen. Ich bin noch nicht sicher, ob ich diese Maßnahme konsequent durchhalten kann. Inzwischen haben die Mädels meinen Schrank leergeräumt, ich habe keine T-Shirts und Pullover mehr, die Socken gehen mir aus und die Kinderzimmer quellen mit Klamotten über. Ich bleibe tapfer, ich schaffe das.

Heidi Salmhofer ist freiberufliche Theatermacherin und Journalis­tin. Sie lebt als alleinerziehende Mutter mit ihren Töchtern in Hohenems.