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Ausreisetestpflicht für Bregenzerwald

19.04.2021 • 21:52 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
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Klaus Hartinger

Land und Gemeinden ziehen Notbremse nach Anstieg bei Neuinfektionen.

Zum zweiten Mal seit Beginn der Corona-Pandemie vor einem Jahr wird über eine Talschaft eine Ausreisetestpflicht verhängt. Nachdem Ende März das Leiblachtal für eine Woche lang nur mit einem negativen Corona-Test verlassen werden durfte, ist dieses Mal der Bregenzerwald betroffen. Wer aus der Talschaft in andere Regionen des Landes gelangen möchte, muss ein entsprechendes Testergebnis vorweisen. Die Regelung tritt in der Nacht auf morgen um Mitternacht in Kraft und ist mindes­tens eine Woche lang gültig. Grund dafür ist ein rasanter Anstieg bei den Infektionszahlen im Bregenzerwald.

Bisheriger Kurs wird beibehalten

Für Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) sind die Zahlen „kein Grund zur Beunruhigung“. Trotz der Lockerungen, die vor einem Monat eingeführt wurden, liege Vorarlberg mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 172,7 (Stand: Montag 14 Uhr) unter dem Österreich-Schnitt von 194, erläuterte Landessanitätsdirektor Wolfgang Grabher. Nur drei Bundesländer hätten noch bessere Zahlen als das Ländle, wobei zwei davon direkt aus einem Lockdown kämen, ergänzte Landesrätin Martina Rüscher (ÖVP). Für den Landeshauptmann steht daher fest, dass der eingeschlagene Kurs nicht verlassen und konsequent fortgesetzt werden soll.

Umso wichtiger sei es daher, rasch zu reagieren, wenn es in einer Region verstärkt zu Neuinfektionen komme. Leider sei im Bregenzerwald eine derartige Entwicklung feststellbar, sagte Wallner. Vor allem private Treffen und Feste, an denen mehrere Familien aus unterschiedlichen Haushalten teilgenommen hätten, seien die Ursache für die hohe Anzahl an Neuansteckungen. Betroffen sei vor allem der mittlere Bregenzerwald, aber auch in den anderen Teilen der Talschaft gebe es hohe Inzidenzen.

Bei einer Pressekonferenz wurde am Montag über die Maßnahme informiert. <span class="copyright">VLK</span>
Bei einer Pressekonferenz wurde am Montag über die Maßnahme informiert. VLK

Am Montag sei die hochgerechnete Sieben-Tage-Inzidenz im Mittelwald beispielsweise bei etwa 575 gelegen, berichtete der Landessanitätsdirektor. Das liege deutlich über dem Wert anderer Regionen wie etwa dem Bezirk Bludenz, wo die Inzidenz bei 76 lag. Doch nicht nur die Inzidenz, die auf 100.000 Einwohner hochgerechnet wird, ist nach Angaben von Grabher ein Indiz für die problematische Entwicklung. Auch in absoluten Zahlen zeige sich ein rasanter Anstieg an Neuinfektionen. So habe es im mittleren Bregenzerwald in den vergangenen sieben Tagen 65 Neuinfektionen unter den etwa 10.000 Einwohnern gegeben. In der Stadt Dornbirn mit 50.000 Einwohnern seien es im selben Zeitraum 77 neue Fälle gewesen.

Blick zurück auf Ende März

Am 25. März ist um 0 Uhr erstmals eine Verordnung mit einer Ausreisetestpflicht für eine bestimmte Region in Vorarlberg in Kraft getreten. Damals durfte das Leiblachtal nur noch mit einem negativen Corona-Testergebnis verlassen werden. Grund für die Maßnahme war damals ebenfalls ein sprunghafter Anstieg an Neuinfektionen. Besonders betroffen waren im Leiblachtal Kindergärten und Kinderbetreuungseinrichtungen sowie eine Volksschule. Die Kontrollen hatten vor allem zum Start zu massiven Verkehrsbehinderungen und Staus geführt. Als Reaktion wurde die Zugverbindung nach Lochau, die zuvor eingestellt worden war, wieder aufgenommen. Ebenso wurde auch Ende März an die Bürger appelliert, ihre Testergebnisse bei der Kontrolle griffbereit zu haben.

Wie jetzt im Bregenzerwald war auch im Leiblachtal die Ausreisetestpflicht für eine Woche angesetzt. Nachdem sich das Infektionsgeschehen wieder stabilisiert hatte, lief die entsprechende Verordnung planmäßig aus und wurde nicht verlängert. In acht Tagen wurden im Leiblachtal insgesamt über 25.200 Corona-Tests und knapp 85.000 Kontrollen durchgeführt. Bei den Testungen wurden insgesamt 18 Corona-Infektionen festgestellt.

Um das Infektionsgeschehen einzudämmen, wurde daher in Abstimmung mit den Bregenzerwälder Bürgermeistern die Ausreisetestpflicht beschlossen. Immerhin pendeln täglich rund 7000 Menschen aus dem Bregenzerwald in andere Landesteile. Etwa 1500 Menschen pendeln in die Talschaft. Wer also ab morgen aus dem Bregenzerwald heraus möchte, muss also bis zumindest kommende Woche einen negativen Corona-Test vorweisen. Gültig sind ein negativer PCR-Test (nicht älter als 72 Stunden) und ein negativer Antigentest (nicht älter als 48 Stunden). Die Wohnzimmertests werden nur akzeptiert, wenn diese nicht älter als 24 Stunden und im Landessystem registriert sind. Ausgenommen sind von der Regelung unter anderem Schülerinnen und Schüler sowie Kinder bis zehn Jahre. Wallner betonte, dass dies kein Lockdown sei und auch im Bregenzerwald die bestehenden Lockerungen weiter gültig seien.

Im Leiblachtal wurden Ende März knapp 85.000 Kontrollen durchgeführt.<span class="copyright"> Hartinger</span>
Im Leiblachtal wurden Ende März knapp 85.000 Kontrollen durchgeführt. Hartinger

Insgesamt neun Straßenverbindungen gibt es vom Bregenzerwald in die anderen Regionen. An drei davon werden 24-Stunden-Kontrollstellen eingerichtet: beim Achraintunnel, auf der Bödelestraße sowie in Langen bei Bregenz. Die Faschinastraße L 193 wird jeweils von 20 bis 6 Uhr gesperrt. Von 6 bis 20 Uhr wird bei der Ausreise kontrolliert. Komplett für den Verkehr gesperrt werden die L 14 bei Buch und die L 15 bei Farnach. Die Verbindung zwischen Alberschwende und Dornbirn-Knie ist nur für den öffentlichen Verkehr geöffnet.

Testergebnis bereithalten

Rund 40 Mitarbeiter von Polizei, Bezirkshauptmannschaften und Bundesheer werden an den Kontrollstellen im Einsatz sein, erklärte Sicherheitslandesrat Christian Gantner (ÖVP). Keine zusätzlichen Kontrollen wird es bei der Aus- und Einreise nach Deutschland oder ins Lechtal geben. Dort seien bereits Einschränkungen durch andere Regelungen, wie etwa die Einreiseverordnung, in Kraft. Gantner und seine Regierungskollegen riefen die Bevölkerung dazu auf, an den Kontrollstellen das negative Testergebnis griffbereit zu haben, um Verzögerungen und Staus zu vermeiden.

Zusätzliches Testangebot

Wie im Leiblachtal wird auch im Bregenzerwald das Testangebot deutlich ausgebaut. Bereits jetzt gebe es in 16 Gemeinden eigene Teststationen, die schon jetzt 10.000 Tests in der Woche durchführen könnten. Hier würden die Kapazitäten erweitert. Auch das Land wird eine zweite Testeinrichtung eröffnen. Diese wird sich im Angelika-Kauffmann-Saal in Schwarzenberg befinden. Bereits heute sollen dort von 8 bis 22 Uhr Tests durchgeführt werden. Danach sind die Öffnungszeiten von 6 bis 22 Uhr. Insgesamt können 10.000 Tests an zwei Tagen durchgeführt werden.

Der Dorener Bürgermeister und Obmann der Regio Bregenzerwald Guido Flatz. <span class="copyright">VLK</span>
Der Dorener Bürgermeister und Obmann der Regio Bregenzerwald Guido Flatz. VLK

Guido Flatz, Bürgermeister von Doren und Obmann der Regio Bregenzerwald, versicherte, dass die Gemeindechefs hinter den Maßnahmen stehen. Es gehe nun darum, zusammenzuhalten und gemeinsam die schwierige Situation zu meistern.