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Neue Virusvariante in Tirol

22.04.2021 • 12:35 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Neue Virusvariante in Tirol

Die neue Variante der britischen Mutation wurde in Tirol entdeckt.

Bereits seit mehreren Wochen zeigt sich in Tirol eine beunruhigende Entwicklung: Es treten verstärkt Covid-19-Infektionen mit einer Virusvariante auf, bei der die sogenannte E484K-Mutation noch zusätzlich zu jenen Veränderungen präsent ist, die die britische Variante (B1.1.7) trägt. Mittlerweile scheint es rund 1.800 derartige Fälle zu geben, von denen rund 800 aktiv sind, so Experten. Gleichzeitig nimmt der Impfwille der Tiroler ab.

Ansteckender als der Vorgänger

Die E484K-Mutation bewirkt eine Änderung, die es für das Virus leichter macht an den Zellen anzudocken und in diese einzundringen. Diese Mutation ist bereits von der südafrikanischen Virusvariante (B1.351) und der brasilianischen Variante (P.1) bekannt. Hier handelt es sich um eine sogenannte „Fluchtmutation“.

„Das heißt, dass Viren mit dieser Mutation unter Umständen schlechter von Impfseren neutralisiert werden und auch leichter zu Reinfektionen führen“, so der Virologe Andreas Bergthaler vom Forschungszentrum für Molekulare Medizin (CeMM). Er hatte schon vor Wochen vor der neuen Variante gewarnt. „Die Kombination der ursprünglichen britischen Virusvariante B1.1.7 und der Zusatzmutation E484K zeigt eine erhöhte Infektiosität und deutlich schwerere Krankheitsverläufe als die britische Variante B1.1.7. ohne E484K-Mutation“, heißt es in einem vergangene Woche von der AGES publizierten Bericht.

Kommt die Mutation aus Österreich?

In Tirol macht die Variante in der Vorwoche mit knapp 600 Fällen bereits rund 50 Prozent der auf Varianten untersuchten Fälle in Tirol aus. Mittlerweile liegen die auf Basis von PCR-Daten ermittelten Werte schon deutlich höher, nämlich bei bis zu 1.800 vermuteten Fällen. Außerhalb Tirols habe man in Österreich hingegen erst sechs Nachweise dieser Mutation. Daher muss man in Tirol sehr genau schauen, wie sich das weiterentwickelt“, sagte Bergthaler. Es spreche einiges dafür, dass die Variante tatsächlich in Österreich entstanden ist.

Man müsse aber das Varianten-Überwachungssystem insgesamt weiter ausbauen, weil vor allem auch in Richtung Herbst mit weiteren möglichen Fluchtmutationen zu rechnen ist. „Je früher man reagiert, wenn das erst regional auftritt, desto eher kann man noch versuchen das in irgendeiner Form festzuhalten“, so Bergthaler.

Warum immer in Tirol?

Dass all das wieder in Tirol abläuft, sei einerseits „auch Pech“ und hänge vermutlich mit der geografischen Lage, der hohen regionalen Mobilität, der vermutlich schon recht hohen Durchseuchungsrate, die neue Varianten begünstigt, aber andererseits offenbar auch mit einer gewissen politischen Sorglosigkeit zusammen, vermutet Ulrich Elling vom Institut für Molekulare Biotechnologie (IMBA) der ÖAW: „Wir brauchen einen Automatismus, um gleich, wenn so etwas passiert, Konsequenzen zu ziehen, solange es noch nicht schmerzt.“ Ein langes Wegschauen führe sonst weiter in die bekannte Spirale, an deren Ende immer einschneidende Maßnahmen stehen. „Testen alleine reicht nicht mehr, Zeit für verordnete Kontaktreduktion“, twitterte der Experte zuletzt.