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Zehn Jahre Haft nach Mordversuch an Gattin

22.04.2021 • 20:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
<span class="copyright">APA</span>Prozess wegen versuchten Mordes an der Ehefrau.
APAProzess wegen versuchten Mordes an der Ehefrau.

76-jähriger Mann schlug mit stumpfem Beil vier Mal auf Kopf seiner Ehefrau.

Fünf der acht Geschworenen schlossen sich der Ansicht von Staatsanwältin Julia Berchtold an und werteten die Tat als versuchten Mord. Dafür wurde der unbescholtene 76-Jährige am Donnerstag in einem Schwurgerichtsprozess am Landesgericht Feldkirch zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, denn der Angeklagte und die Staatsanwältin nahmen drei Tage Bedenkzeit in Anspruch.

Der Strafrahmen betrug 10 bis 20 Jahre oder lebenslängliche Haft.Der Mann hat nach den gerichtlichen Feststellungen am 30. Juli 2020 in seinem Lustenauer Haus mit dem stumpfen Teil eines Beils zumindest vier Mal wuchtig auf den Kopf seiner Gattin geschlagen und sie dabei vorübergehend lebensgefährlich verletzt.

Mit Küchenmesser gestochen

Unmittelbar davor hat die 78-Jährige laut Urteil ihrem Ehemann drei Mal mit einem Küchenmesser in den Oberkörper gestochen und ihm danach vier Schläge mit dem stumpfen Beil gegen den Kopf versetzt. Daraufhin hat er nach eigenen Angaben seinen Sohn telefonisch zu Hilfe gerufen und hernach mit dem Beil seine Frau attackiert. Das wegen versuchten Mordes gegen die 78-Jährige geführte Ermittlungsverfahren hat die Staatsanwaltschaft eingestellt. Denn die Pensionistin war nach Überzeugung des psychiatrischen Gutachters Reinhard Haller schon derart dement, dass sie zurechnungsunfähig war und nicht mehr wusste, was sie tat.

Nach Ansicht des Sachverständigen geht von ihr nunmehr keine Gefahr mehr aus. Die Seniorin lebt inzwischen in einem Pflegeheim und konnte wegen ihrer Demenz zum Tatgeschehen keine Angaben machen. Der Angeklagte wurde vom Landesgericht dazu verpflichtet, ihr als Schadenersatz 17.000 Euro zu bezahlen.

Demenz und Depression

Der Angeklagte war, so Haller, zur Tatzeit eingeschränkt zurechnungsfähig. Der Psychiater erklärte die Eskalation des Ehestreits ums Essen mit der Depressivität des Angeklagten und der Demenz der 78-Jährigen. Strafmildernd waren die Unbescholtenheit des Angeklagten, seine verminderte Zurechnungsfähigkeit, die Provokation durch das Opfer und die Umstände, dass die Tat beim Versuch geblieben und auch er verletzt worden ist. Verteidiger Daniel Wolff plädierte auf absichtlich schwere Körperverletzung mit maximal zehn Jahren Haft. Der Anwalt rügte, dass der Schwurgerichtshof unter dem Vorsitz von Richterin Claudia Hagen die Geschworenen nicht darüber entscheiden ließ, ob die Tat auch als versuchter Totschlag einzustufen ist.

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