Allgemein

OMV-Chef tritt im nächsten Jahr ab

26.04.2021 • 12:52 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
OMV-Boss Rainer Seele
OMV-Boss Rainer Seele APA/GEORG HOCHMUTH

Rainer Seele wird Vertrag beim Mineralölriesen nicht verlängern.

Überraschung bei Österreichs größtem Energiekonzern. Vorstandschef Rainer Seele, seit 2015 in Amt und Würden, wird seinen Vertrag nicht verlängern. Das teilte der gebürtige Deutsche jetzt dem OMV-Aufsichtsrat mit. Damit endet Seeles Vertrag plangemäß mit 30. Juni 2022. Der Manager hätte die Option auf eine einjährige Verlängerung ziehen können.

Zuletzt hatte Seele noch den bisher radikalsten Schwenk in der Unternehmensgeschichte der OMV angekündigt und gewissermaßen “fossile Ziele” des Konzerns begraben. “Die Welt verändert sich und die OMV wird sie mitgestalten”, ließ er im Februar wissen. Die ehrgeizigen Wachstumsziele bei der Öl- und Gasförderung, nach denen sich der Konzern bis 2025 ausgerichtet hätte, werden weitestgehend über Bord geworfen. 600.000 Barrel Tagesförderung sah die vor drei Jahren beschlossene Strategie vor. Jetzt soll es beim aktuellen Niveau von 480.000 bis 500.000 Barrel am Tag bleiben. Wachstumstreiber solle künftig die Chemiesparte werden, vor allem die vor einem Jahr mehrheitlich übernommene Borealis.

Zur Person

Rainer Seele ist seit Juli 2015 Chef der OMV. Zu 31,5 Prozent gehört die OMV der Republik Österreich.

Geboren wurde Seele am 2. September 1960 in Bremerhaven. Der Chemiker war von 1987 bis 1996 Forschungschef bei BASF, bei der BASF-Tochter Wintershall stieg er 2009 zum Vorstandschef auf. Im Juli 2015 wurde er OMV-Chef.

Zuletzt geriet der Firmenchef immer stärker in die Kritik, nach Medienberichten über angebliche Unkorrektheiten bei der mehrheitlichen Übernahme des Chemiekonzerns Borealis sowie über die Überwachung von Umweltschützern.

Vorwürfe gegen die OMV

Zuletzt stieg aber auch in anderer Sache der öffentliche Druck auf die OMV. Einerseits monierte Greenpeace, dass der Konzern Aktivisten systematisch beschatten lasse – was die OMV dementierte. Andererseits wurde bekannt, dass der Konzern die Recherche-Plattform Dossier auf “Unterlassung, Widerruf, Zahlung und Feststellung” verklagte. Der Streitwert wird mit 94.000 Euro beziffert. Es geht dabei um die Berichterstattung von “Dossier” über den Borealis-Deal.

Auf Basis dieses “Dossier”-Berichts wurden außerdem Vorwürfe – neben Greenpeace auch von Fridays for Future – laut, dass die OMV Umweltschützer in Neuseeland systematisch ausspioniert und durch Sicherheitsleute infiltriert habe. Im Zuge dessen forderten die Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne) sowie Vizekanzler Werner Kogler rasche Aufklärung in der Causa von der OMV, Greenpeace forderte sogar den Rücktritt des OMV-Chefs.

Der Vorwurf dabei lautet, dass die OMV für die Borealis-Anteile einen zu hohen Kaufpreis bezahlt und ihren Aufsichtsrat über den Deal nicht ausreichend informiert habe. Dossier hatte in den letzten Jahren immer wieder kritische Berichte zum Konzern publiziert.

Daneben machen dem Unternehmenschef auch konzerninterne Streitigkeiten rund um dem Betriebsrat zu schaffen. Mehrere Medien berichteten in den vergangenen Wochen und Monaten über harte interne Machtkämpfe zwischen Belegschaftsvertretern – insbesondere nach der Borealis-Übernahme – sowie über interne Untersuchungen von OMV-Mitarbeitern ohne vorangegangene Einbindung des Betriebsrats.

Greenpeace: Rückzug “längst überfällig”

Der heute angekündigte Rückzug Seeles sei für Greenpeace “ein längst überfälliger Schritt”. Nun müsse die OMV “zu einem zukunftsfähigen und transparenten Konzern umgebaut werden”, so Greenpeace-Geschäftsführer Alexander Egit, am Montag laut einer Aussendung. Zudem müssten die Vorwürfe der Überwachung von Umweltschützern rasch aufgeklärt und die Klage gegen “Dossier” sofort zurückgezogen werden, so Egit.