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Ist die Modellregion in Gefahr?

27.04.2021 • 06:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Vorarlberger Gastronomie setzt weiter auf die Öffnung.<span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Die Vorarlberger Gastronomie setzt weiter auf die Öffnung.Klaus Hartinger

Trotz der höchsten Sieben-Tages-Inzidenz hält das Land am Projekt fest.

Vor der für 19. Mai angekündigten Lockerung der Corona-Maßnahmen sind vor allem zwei Bundesländer unter besonderer Beobachtung: Wien entscheidet Dienstag, ob es den seit 1. April laufenden harten Lockdown als einziges Bundesland verlängert. Vorarl­berg – seit Mitte März die Modellregion für großflächige Öffnungen – kämpft dagegen mit stark steigenden Infektionszahlen. Zurück in den Lockdown will man im Land nicht und verweist auf nach wie vor freie Plätze auf den Intensivstationen. Die Zahl der Corona-Erkrankten auf den Vorarlberger Intensivstationen ist am Montag um einen Fall auf acht Patienten angestiegen und hat sich damit weiter moderat gezeigt. Das Infektionsgeschehen blieb unterdessen unvermindert hoch.

Gesundheitssystem

„Das Ziel der Modellregion ist und war, zu zeigen, dass man erste vorsichtige Öffnungsschritte machen kann, ohne das Gesundheitssystem zum Kippen zu bringen. Und das haben wir bis jetzt geschafft, trotz der hohen Inzidenz, die wir haben“, so Landesrätin Martina Rüscher. Wichtig sei, so schnell als möglich zu reagieren. So wie es jetzt im Bregenzerwald und in Lustenau der Fall sei. „Wenn wir erst dann reagieren würden, wenn die Intensivbettenbelegung steigt, dann wären wir zu spät dran“, ergänzt Rüscher.

Zahl der Neuinfektionen verdreifacht

Seit der Öffnung von Gastronomie, Kultur- und Sportveranstaltungen hat sich die Zahl der Neuinfektionen in Vorarlberg mehr als verdreifacht: von 16 am 15. März auf 116 am Montag. Seit dem Wochenende ist Vorarlberg mit einer Sieben-Tages-Inzidenz von 240 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern auch das österreichische Bundesland mit den am stärksten steigenden Fallzahlen. In Österreich sind es durchschnittlich 180.

Ist die Modellregion in Gefahr?

Zum Start der Öffnung waren es in Vorarlberg 67 und deutlich weniger als in allen anderen Bundesländern. Dass Vorarlberg trotz der stark steigenden Infektionszahlen seine Öffnungen weitgehend beibehält, begründet der Corona-Berater der Landesregierung, Armin Fidler, mit der anhaltend geringen Auslastung der Intensivstationen. Die steigenden Infektionszahlen führt Fidler auf die Ausbreitung der „britischen Variante“ des Virus zurück, die in Vorarlberg vor der Öffnung kaum präsent war, sowie auf regionale Cluster.

Modellregion bleibt

Noch sieht man vonseiten des Landes die Modellregion nicht gefährdet. Im Gegenteil: Generell bereite man sich auf weitere Öffnungen vor. Und da ist die Modellregion hilfreich, weil neue Zielgruppen erreicht wurden, die sich testen lassen. „Wenn wir irgendwann gezwungen wären, zu reagieren, dann stehen zuerst nicht die Öffnungsschritte zur Diskussion, sondern eine massive Einschränkung der Mobilität.“ Zudem ist laut Rüscher die Inzidenz nur ein Wert von mehreren, die man im Auge behalten müsse. „Die Inzidenz wird an Bedeutung verlieren, weil wir es hoffentlich mit dem schnellen Impffortschritt schaffen, schwere Verläufe zu verhindern.“

Gesamtsituation

Wichtig bleiben die Zahlen auf den Intensivstationen. Und auch die Covid-Patienten auf der Normalstation müsse man im Auge behalten. „Wir werden das alles genau verfolgen. Und wenn sich die Gesamtsituation zuspitzt, dann ist es natürlich auch möglich, dass wir für Gesamt-Vorarlberg sehr weitreichende Schritte setzen. Dann wird es nicht reichen, nur die Modellregion zurückzunehmen. Im Gegensatz zu Rest­österreich heißt es dann: Sie sperren auf und wir sperren zu. Noch sind wir im dunkelgrünen Bereich. Wir müssen aber wachsam und vorsichtig bleiben.“