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Hohe Haftstrafen in Leoben

28.04.2021 • 14:37 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Am Dienstag ging der Prozess ins Finale
Am Dienstag ging der Prozess ins Finale Franz Pototschnig

Baumaterial und Diesel im Wert von zwei Millionen Euro abgezweigt.

Es geht um Baumaterial und Diesel im Wert von zwei Millionen Euro, die beim Zwischenangriff Grautschenhof am Semmering-Basistunnel abgezweigt worden sein sollen. Sechs Angeklagte – allesamt Österreicher im Alter zwischen 35 und 68 Jahren – sollen in unterschiedlicher Intensität und an verschiedenen Positionen daran beteiligt gewesen sein. Das reicht vom Verkauf von 207.000 Litern Diesel an die Bauern der Region über das Vorlegen fingierter Rechnungen bis zum Abzweigen ganzer Lkw-Ladungen voll Baustahl.

Anderthalb Jahre dauerten die Ermittlungen, in den letzten zwei Wochen wurde am Landesgericht Leoben unter dem Vorsitz von Richterin Barbara Grundbichler verhandelt. In diesen zwei Wochen wurden die sechs Angeklagten sowie ein gutes Dutzend Zeugen eingehend befragt, um Licht in die vielfältig verwobenen Handlungsstränge zu bringen, die nur teilweise durch Belege nachvollziehbar sind. Am Dienstag wurden die Urteile verkündet.

Hohe Haftstrafen und ein Freispruch

Die höchste Strafe wurde über den Zweitangeklagten, einen 35-jährigen Baukaufmann, verhängt, er wurde zu sechseinhalb Jahren unbedingter Haft verurteilt. Ihm wurde vorgeworfen, die führende Rolle gespielt zu haben und die Drehscheibe aller Machenschaften gewesen zu sein. “Bei dieser Schadenssumme erübrigt sich die Frage, ob bedingt oder unbedingt”, so Richterin Grundbichler.

Der Erstangeklagte, ein Frächter und Vermittler für Kran-Dienstleistungen auf dem Baulos Grautschenhof, wurde wegen der Diesel-Abzweigungen zu 18 Monaten verurteilt, davon sechs unbedingt, Er war geständig und hat erheblich dazu beigetragen, Licht in die Sache zu bringen.

Dienstagmittag wurden die Urteile gesprochen
Dienstagmittag wurden die Urteile gesprochenKleine Zeitung

Der Drittangeklagte, ein Unternehmer aus Niederösterreich, soll für ein Containerdorf für Tunnelarbeiter und andere Leistungen beachtliche Zahlungen bekommen haben, das Containerdorf gibt es aber bis heute nicht. Er wurde zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt, ebenfalls unbedingt.

Der Viertangeklagte, der “Lagerverwalter” auf der Baustelle Grautschenhof, bekam zehn Monate bedingt, er muss also nicht ins Gefängnis. Der Fünftangeklagte, der gemeinsam mit anderen Beteiligten in Summe eine Million Euro Schaden verursacht haben soll, wurde zu drei Jahren Haft verurteilt, davon ein Jahr unbedingt.

Ein Tiroler Elektrogroßhändler, der laut Anklage Material um mehrere 100.000 Euro verrechnet haben soll, das nicht geliefert worden sei, wurde freigesprochen.

Die Richterin führte aus, dass bei allen fünf Verurteilten die Unbescholtenheit als mildernder Umstand berücksichtigt worden sei. Beim Hauptangeklagten seien die “hohe kriminelle Energie” und die lange Zeit, über die sich die Straftaten hinzogen, als erschwerend gewertet wurden.

Der Erstangeklagte nahm die Strafe an, ebenso der Fünftangeklagte, der ein Jahr ins Gefängnis muss. Beide waren geständig und hatten laut Richterin wesentlich zur Aufklärung beigetragen. Die beiden Angeklagten, die sechseinhalb und dreieinhalb Jahre ins Gefängnis müssen (Zweit- und Drittangeklagter), meldeten Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung an, der Lagerverwalter von der Baustelle Grautschenhof (Viertangeklagter) erbat sich drei Tage Bedenkzeit. Die Staatsanwaltschaft gab keine Stellungnahme ab.

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