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Aus welchem Holz bist du geschnitzt?

01.05.2021 • 19:30 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Um die 300 Gitarren hat Adrian Baldauf in seinem Laden. <span class="copyright">Hartinger</span>
Um die 300 Gitarren hat Adrian Baldauf in seinem Laden. Hartinger

Mit „Adi’s Guitar“ hat sich Adrian Baldauf einen Traum erfüllt.

Es riecht nach Holz und Lötzinn. Nein: es duftet. Adrian Baldauf steht in seiner Werkstatt, zu der man sich erst zwischen Gitarrentaschen den Weg bahnen muss. Er mag seine Werkstatt, steht gerne vor einem E-Gitarren-Korpus und lötet an der elektrischen Schaltung.

„Wenn die Leute eine andere Schaltung für einen anderen Sound möchten, sind sie bei mir gut aufgehoben. Aber auch, wenn sie die Saitenlage verändern möchten, also wollen, dass die Saiten ihrer Akustik-Gitarre näher am Bund und dadurch besser zu greifen sind, oder sie einen Riss in der Akustik-Gitarre haben, kommen sie zu mir. Alles, was man im Gitarren-Bereich reparieren kann, repariere ich.“

Um das sagen zu können, hat der 36-Jährige Erfahrungen in unterschiedlichsten Berufen gesammelt. „Ich war schon in einer Kommunikationsfirma, in den Bereichen PR und Verkauf, habe in einer Bootswerft Boote repariert, meinem Vater in der Bäckerei ausgeholfen und war in einer Elektronikfirma. Meine Berufung habe ich aber am Ende in einem Musikgeschäft gefunden. Schließlich war mir klar: Wenn ich mich in diesem Bereich selbständig mache, kann ich all das einfließen lassen, was ich gelernt habe. Mich reizen diese vielen Facetten.“

Baldauf ist immer mit Freude und Leidenschaft bei der Arbeit.<br><span class="copyright">HartingeR</span>
Baldauf ist immer mit Freude und Leidenschaft bei der Arbeit.
HartingeR

Mit jeder Gitarre vertraut

Er geht in den Verkaufsraum, der vorne schmal ist und sich nach hinten öffnet, immer das Holz von neuen Gitarren links und rechts. Um die 300 Stück hat er in seinem Laden, schätzt Baldauf. Er kennt jede einzelne von ihnen. Aus welchem Holz ist sie gearbeitet? Woher kommt sie? Vor allem aber, wie ist ihr Klang? Baldauf arbeitet sorgfältig. Als klar war, er darf seine Gitarren in die Moosmahdstraße 1a in Dornbirn hängen, machte er sich mit seinem Vater und seiner Frau daran, die Räume darauf vorzubereiten.

Kommt ein Gitarrenprofi oder ein Musikschüler, der seine erste Gitarre spielen will, achtet Baldauf zunächst darauf, wie der Kunde zur Tür hereinkommt? Wie läuft er, wie tickt er? Dann holt er eine Gitarre herunter, der Musikinteressierte setzt sie aufs Knie und beginnt zu spielen. Und vielleicht ist er das schon, der magische Moment, in dem jeder im Raum merkt: Hier passen Gitarre und Spieler perfekt zusammen. Dann beginnt eine Liebesbeziehung, die Baldauf begleiten darf. Neue Saiten? Ein Workshop für Anfänger? Ein fehlender Akkord oder eine Unstimmigkeit? Jemand möchte ein Aufnahmegerät ausleihen oder sucht einen Mitspieler? Die Palette könnte gar nicht so breit sein, dass der 36-Jährige sie nicht abdecken würde.

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HArtinger

Die Idee entwickeln, die genau zum Fragenden passt, ihm die Antwort liefern, die beide glücklich macht. Den Fragenden, weil er weitergekommen ist, und den Gitarrenshop-Inhaber, weil er jemanden weitergebracht und ein Geschäft gemacht hat.

Unkomplizierte Kunden

Ein Mann kommt herein, den Baldauf kennt. „Ich bräuchte eine Mundharmonika, habe aber gerade kein Geld dabei.“ „Probier die mal.“ Der Mann spielt zwei, drei Töne, dann sagt er: „Passt!“, und Baldauf erwidert: „Ich schreib’ dir eine Rechnung.“ Die meisten Kunden sind unkompliziert, etwas, das ihm gut gefällt. Baldauf setzt sich hin, schaut die Gitarre an und spielt. Kantig, rau, metallig, ein altes „Pre-War“-Instrument aus dem Jahr 1938.

„Ich selbst spiele viel Jazz und Fingerstyle-Gitarre. Ich habe die Technik weiterentwickelt und bin viel am Probieren. Ohne das kannst du so einen Laden nicht führen. Die Leute müssen deiner Sachkenntnis vertrauen, das Gefühl haben, dass du weißt, wovon du redest“, erklärt der Virtuose.

Teilen einer Leidenschaft

Es geht um die Lust am Spielen, das Stecken von Zielen, um Zusammenklang, gemeinsames Fachsimpeln. Es geht um mehr Freude und Leichtigkeit im Leben, die jetzt zu Corona-Zeiten nicht immer gegeben ist und gleichzeitig so sehr gebraucht wird.

„Ermöglicht wird das durch die Überschaubarkeit meines Ladens, durch die Wohnzimmeratmosphäre. Mit Neonröhren und Fliesenboden wäre es nicht dasselbe.“ Da hat er recht, aber der Hutträger tut natürlich auch selbst das seinige dazu. „Ich habe ein Gespür für meine Kunden entwickelt. Letztendlich geht es um den Austausch mit Gleichgesinnten.“ In „Adi’s Guitar“ ist jeder willkommen, dem Klänge behagen. Auch Angehörige anderer Kulturen. „Ich habe auch die Saz hier, eine Langhalslaute, die im Türkischen, Armenischen oder Afghanischen verbreitet ist. Vier von ihnen habe ich bereits verkauft, an Menschen, die überrascht waren, dass ich sie auch etwas spielen kann.“

Im Geschäft von Adrian Baldauf gibt es nicht nur Gitarren. Der 36-Jährige bietet auch andere Saiteninstrumente an.<br><span class="copyright">Hartinger</span>
Im Geschäft von Adrian Baldauf gibt es nicht nur Gitarren. Der 36-Jährige bietet auch andere Saiteninstrumente an.
Hartinger

Außerdem gibt es weitere Saiteninstrumente wie Ukulelen und Mandolinen. Und im Zweifelsfall gibt es einen Tipp, an wen man sich mit einer speziellen Frage wenden kann. Baldauf freut sich schon auf die Zeit, in der er mit Mitstreitern wieder Workshops im Raum unter dem Laden anbieten kann. Und, in der die Musik wieder aufleben darf. Lustvoll, öffentlich und mit einem Publikum, das spürt: Musik bewegt uns alle.

Adi’s Guitar – Fachhandel, Service, Workshops

Adrian Baldauf

Moosmahdstraße 1a, Dornbirn

Tel. 0660-3492411

E-Mail: office@adis-guitar.at

www.adis-guitar.at

https://www.facebook.com/adis.guitar/

Instagram : adis_guitar

Weitere Infos unter: www.epu.wko.at

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