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Die Diesel-Limousinen von Wallner und Co.

01.05.2021 • 23:14 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
E-Autos in der Landhaus-Parkgarage. <span class="copyright">Hartinger</span>
E-Autos in der Landhaus-Parkgarage. Hartinger

Regierungsmitglieder ausschließlich mit Verbrennern unterwegs.


Die Vorarlberger Landesregierung wird ihrem Vorbildcharakter bei der Elektromobilität nicht gerecht. Wie aus einer parlamentarischen Anfragebeantwortung hervorgeht, werden Landeshauptmann Markus Wallner (VP) und seine Regierungsmannschaft sowie Landtagspräsident Harald Sonderegger allesamt in Diesel-Luxuslimousinen durch das Land chauffiert. Zwei der insgesamt acht zur Verfügung stehenden Dienstwagen sind Plug-in-Hybridmodelle und somit etwas umweltfreundlicher unterwegs. Als Hauptgrund dafür, dass die Regierungsmitglieder keine rein elektrisch betriebenen Kraftfahrzeuge nutzen, wird deren eingeschränkte maximale Reichweite genannt. Wörtlich heißt es in der Anfragebeantwortung: „Regierungsfahrzeuge weisen Fahrprofile auf, die wesentlich über der für Elektrofahrzeuge (ohne Nachladen) machbaren Kilometer-Leistung liegen. Daher erscheint derzeit ein Einsatz von reinen Elektrofahrzeugen für die Regierungsmitglieder bzw. den Landtagspräsidenten nicht sinnvoll.“ Ein Argument, das sowohl vonseiten des Anfragestellers LAbg. Martin Staudinger (SP) als auch vom Verkehrsclub Österreich (VCÖ) angezweifelt wird (siehe rechts). Laut Anfragebeantwortung wurde im Jahr 2019 (vor Corona) ein Dienstauto im Schnitt rund 47.500 Kilometer gefahren, sprich 130 Kilometer pro Tag bzw. 180 km pro Werktag. Laut VCÖ liegen die Reichweiten vieler E-Automodelle allerdings „schon heute deutlich darüber“.

Landeshauptmann Markus Wallner fährt einen 6er-BMW. <span class="copyright">Symbolbild BMW</span>
Landeshauptmann Markus Wallner fährt einen 6er-BMW. Symbolbild BMW

Weniger Autofahrten während Pandemie

Exakt 47.757 Kilometer war Landeshauptmann Markus Wallner bzw. sein Chauffeur im Corona-Jahr 2020 mit dem Dienstwagen (BMW 630d xDrive Gran Turismo) unterwegs, deutlich weniger als in den Jahren zuvor. Der Rückgang hänge natürlich mit der Pandemie zusammen, teilt Florian Themeßl-Huber, Leiter der Landespressestelle, auf Anfrage mit. „Es gab ganz wenige Außentermine und innerösterreichische Fahrten, da ganz viel per Videokonferenz erledigt werden musste.“

Umweltlandesrat Johannes Rauch teils sich einen Plug-in-Hybrid mit Parteikollegin Katharina Wiesflecker. <span class="copyright">Hartinger</span>
Umweltlandesrat Johannes Rauch teils sich einen Plug-in-Hybrid mit Parteikollegin Katharina Wiesflecker. Hartinger

Rauch und Wiesflecker teilen sich Auto

Auf mehr Kilometer als der 6er-BMW von Wallner brachte es laut Anfragebeantwortung nur ein Audi A6 quattro, wovon es im Fuhrpark der Landesregierung zwei gibt. Einer davon wird von Sicherheitslandesrat Christian Gantner (VP) genutzt. Ob es sich dabei um besagten „Kilometermeister“ handelt, war nicht zu eruieren. Auf deutlich weniger Kilometer, nämlich 23.879, brachte es der BMW mit Plug-in-Hybrid, den sich Umweltlandesrat Johannes Rauch und Soziallandesrätin Katharina Wiesflecker (beide Grüne) miteinander teilen. Rauch erledigt kurze Wege nach eigenen Angaben „gerne mit dem Fahrrad und Dienstreisen nach Wien ausschließlich mit dem Zug“. Wann immer möglich, nütze er auch innerhalb Vorarlbergs den ÖPNV.

Fuhrpark des LAndes

Treibstoff Anzahl

Benzin 9

Diesel 92

Gas 7

Elektrisch 57

Mild-Hybrid 2

Plug-in-Hybrid 2

Hybrid 2

Insgesamt 171

In der Landeshaus-Tiefgarage stehen einige E-Autos . <span class="copyright">HArtinger</span>
In der Landeshaus-Tiefgarage stehen einige E-Autos . HArtinger

57 E-Autos im Landesdienst-Fahrzeugpool

Anders als bei den Regierungsmitgliedern wurde der E-Anteil des Landesdienst-Fahrzeugpools in den letzten Jahren sukzessive ausgebaut. 57 von 171 Fahrzeugen werden mittlerweile rein elektrisch betrieben (siehe Factbox). Vor vier Jahren waren es nur 24 von 166. Laut Anfragebeantwortung zeige eine aktuelle Auswertung, dass im Durchschnitt weniger als 100 Kilometer pro Tag und Dienstfahrzeug gefahren werden. Somit seien viele Dienstfahrten mit einem E-Auto ohne Einschränkungen möglich, heißt es.
Der Kauf der Dienstautos wird von der Bundesbeschaffungsagentur ausgeschrieben. Das Land zahlt pro Fahrzeug und Monat eine Leasinggebühr, wobei die Autoindustrie der Politik und den Behörden bekanntermaßen deutliche Vergünstigungen gewährt.

VCÖ-EInschätzung

Die NEUE hat die Anfragebeantwortung zum Landesdienst-Fuhrpark sowie zur Dienstwagenflotte der Regierungsmitglieder samt gefahrener Kilometer und errechnetem CO2-Jahresausstoß an den Verkehrsclub Österreich (VCÖ) weitergeleitet und um eine Einschätzung gebeten.

Gelobt wird der Umstand, dass es sich bei knapp einem Drittel des 171 Pkw zählenden Fuhrparks des Landes um rein elektrisch betriebene Fahrzeuge handle. Dies sei ein vergleichsweiser hoher Anteil, teilt VCÖ-Sprecher Christian Gratzer mit.

Was die acht Dienstwagen der Landesregierung und des Landtagspräsidenten angeht, so empfielt der VCÖ eine Pool-Lösung mit einer geringeren Anzahl von Fahrzeugen. Denn laut einer aktuellen Studie des Umweltbundesamts entstehen bei der Herstellung eines Diesel- oder Benzin-Pkw rund 10 Tonnen CO2 – das sind mehr Emmissionen als ein Dienstauto der Landesregierung im Jahresschnitt durch das Fahren verursacht. Eine Pool-Lösung, habe auch den Vorteil, dass je nach Anforderung unterschiedliche Modelle gewählt werden könnten, etwa kleinere Fahrzeuge für kürzere Fahrten.

Nicht nachvollziehbar ist für den VCÖ das Argument, dass die Reichweiten von E-Autos für Dienstfahrten der Regierungsmitglieder zu gering seien. „2019 fuhren sie im Schnitt 130 km pro Tag. Die Reichweiten von vielen E-Automodellen liegen schon heute deutlich darüber“, so Gratzer.

Ebenfalls positiv bewertet der VCÖ, dass der reale Durchschnittsverbrauch der Dienstautos seit dem Jahr 2017 gesunken ist, und zwar von 7,2 auf 6 Liter pro 100 Kilometer im Jahr 2020.

SPÖ-Chef Martin Staudinger . <span class="copyright">Neue Archiv</span>
SPÖ-Chef Martin Staudinger . Neue Archiv

SPÖ-Anfrage

Die parlamentarische Anfrage zu den Dienstfahrzeugen der Landesregierung wurde vom Landtags­abgeordneten Martin Staudinger eingebracht. Der SPÖ-Chef und Bürgermeister von Hard ist laut eigenen Angaben privat seit drei Jahren mit einem Elektroauto unterwegs – zunächst mit einem VW Golf, mittlerweile fährt er einen Tesla Model 3.Dass die Regierungsmitglieder ausschließlich mit Verbrennungsmotoren unterwegs sind, sieht Staudinger kritisch, zumal das Land die E-Mobilität und den Ausbau der Ladeinfrastruktur forciere. „Ich erwarte mir von den Mitgliedern der Landesregierung das, was sich diese von allen anderen erwarten: den Umstieg auf Elektromobilität.“Das Argument, dass die Reichweite von E-Autos derzeit noch zu gering sei, lässt Staudinger nicht gelten. „Es kann mir niemand sagen, dass man die Dienstfahren nicht so organisieren kann, dass diese auch mit Elektroautos absolviert werden können. Im Land gibt es genug Ladestationen“, merkt Staudinger auf NEUE-Nachfrage an. Außerdem hätten heutzutage schon viele E-Autos Reichweiten von mehr als 400 Kilometer. „Da muss man innerhalb der Landesgrenzen viel fahren, bis man das zusammenhat.“