Kommentar

Erfolgskriterien einer Modellregion

01.05.2021 • 21:01 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Die Modellregion Vorarlberg lässt derzeit die Wogen in ganz Österreich hochgehen. Das Experiment sei gescheitert, Vorarlberg würde spätestens am 19. Mai in den Lockdown müssen, wenn der Rest Österreichs aufsperren würde. Diese Stimmen kommen hauptsächlich von außen und weniger von innen. Sprich, die Analysen werden aus der Distanz getätigt, die Experten im Land beurteilen die Situation anders.

Was bei der Außenansicht oft vergessen wird, ist die hohe Durchimpfungsrate der über 65-Jährigen. Da war Vorarlberg seit Anbeginn der Impfungen den anderen Bundesländern voraus. Aus diesem Grund sind auch nur zehn Prozent der aktiv Positiven älter als 65 Jahre. Das hat zur Folge, dass die Auslastung der Intensivstationen nach wie vor auf niedrigem Niveau liegt. Obwohl die Inzidenzen steigen und immer mehr Menschen erkranken, sind die Spitäler nicht überlastet. Ein gutes Zeichen nach fast sieben Wochen Modellregion. Somit besteht durchaus die Chance, dass die Modellregion in Bezug auf die intensivmedizinische Auslastung funktioniert und Vorarlberg ohne Lockdown durch die dritte Welle kommt. Darauf beziehen sich auch die Verantwortlichen im Land. Immerhin wird der Bevölkerung mit Veranstaltungen und Gastronomie ein Stück Lebensfreude zurückgegeben. Die gebeutelte Gastronomie darf wieder gastgeben, die Menschen ein Stück Normalität genießen.

Ausgeklammert werden hingegen die steigenden Infektionszahlen bei jüngeren Bevölkerungsgruppen. Immerhin 60 Prozent der Infizierten in Vorarlberg sind jünger als 40 Jahre. Diese haben zwar seltener schwere Verläufe, vor einer Langzeitfolge sind sie aber auch nicht gefeit: Long Covid – die Bezeichnung anhaltender Symp­tome weit über den Zeitpunkt der Infektion hinaus. Rund zehn Prozent der Erkrankten spüren die weitreichenden Folgen einer Covid-Erkrankung. Eine Behandlungsmethode sowie einen Zeitrahmen, wie lange die Beeinträchtigungen zu spüren sind, gibt es derzeit noch nicht. Die Menschen leiden unter Müdigkeit, Konzentrationsmangel, Taubheitsgefühlen oder Lärmempfindlichkeit. Um nur einige Symptome zu nennen. Teilweise so schwer, dass ein normaler Arbeitstag unmöglich ist. Es wird Zeit, dass diese Spätfolgen thematisiert und diskutiert werden. Zusätzlich zu Hospitalisierungen und Inzidenzzahlen. Denn auch daran wird der Erfolg der Modellregion zu messen sein.