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Coworking alternativ zu Homeoffice?

02.05.2021 • 22:00 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Schon vor der Pandemie galt Coworking als Alternative zu Home Office, weiß Coworking Campus V Standortmanager Christoph Drexel. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Schon vor der Pandemie galt Coworking als Alternative zu Home Office, weiß Coworking Campus V Standortmanager Christoph Drexel. Klaus Hartinger

Ist der Coworking-Space die bessere Alternative?

Die Art, wie wir arbeiten, hat sich verändert. Die Pandemie hat viele Arbeitnehmer quasi über Nacht ins Homeoffice geschickt. Bei einer im Januar 2021 in Österreich durchgeführten Umfrage (Statistik Austria) zur Arbeit im Homeoffice während der Corona-Krise waren insgesamt 41 Prozent der Befragten zumindest teilweise von zu Hause aus tätig.

Für Unternehmen mag das eine zukunftsträchtige Erfahrung sein, für viele Angestellte eine herausfordernde Situation. Arbeiten von zu Hause bremst die Infektionszahlen, so viel steht fest. Aber zum Arbeiten gehört nun einmal mehr als ein Tisch und ein Stuhl. Das Homeoffice ist oft nicht optimal ausgestattet, die Netzverbindung zu langsam, produktivitätsfördernde Gespräche mit den Kollegen fallen aus.

Arbeiten im Home Office wird weiter zunehmen.<span class="copyright">APA</span>
Arbeiten im Home Office wird weiter zunehmen.APA

Möglichkeit zu entkommen

Coworking-Spaces können eine Möglichkeit sein, der Heimarbeit zu entkommen. Im Regelfall ist das aber mit dem Arbeitgeber abzustimmen, denn dieser alternative Arbeitsplatz zählt rein rechtlich nicht als Homeoffice. Und auch in Coworking-Spaces muss ein geschütztes Arbeitsumfeld geschaffen werden, diverse Corona-Maßnahmen sind sowieso einzuhalten.

Workfwd Coworking in Feldkirch. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Workfwd Coworking in Feldkirch. Klaus Hartinger

Marjan Ratkovic hat als Selbstständiger im Bereich der Website-Umsetzung gut 13 Jahre im Homeoffice verbracht, bevor er sich für die Alternative Coworking entschied. „Der Wechsel ins WorkFwd Coworking in Feldkirch hat trotz vorheriger Disziplin zu einem besser geregeltem Tagesablauf geführt“, berichtet Ratkovic von seinen Erfahrungen.

Während also die einen zu Hause ungestört und hochkonzentriert arbeiten können, ist es für andere schwierig, nach einem Arbeitstag abzuschalten oder ein Ende zu finden, da es keine klare Linie zwischen Beginn und Feierabend gibt. Viele Pausen und Ablenkungen können die Produktivität behindern. Dafür spart man Zeit, weil das Pendeln ins Büro wegfällt. Die Pro-und-Kontra-Liste ist lang.

Workfwd-Coworking in Feldkirch ist derzeit zu 80 Prozent an Fixdesks gefüllt, Dornbirn zu 50 Prozent, Widnau und Verbania (I) zu 100 Prozent. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Workfwd-Coworking in Feldkirch ist derzeit zu 80 Prozent an Fixdesks gefüllt, Dornbirn zu 50 Prozent, Widnau und Verbania (I) zu 100 Prozent. Klaus Hartinger

Umsatzrückgäng im Coworking-Space

In jedem Fall ging die Pandemie – gerade zu Beginn – auch an den Coworking-Spaces nicht spurlos vorbei. „Im März 2020 hatten wir eine Umsatzrückgang von 60 Prozent. Und zwar wegen Absagen von Seminaren und Veranstaltungen sowie längerfristig laufenden Projekten mit großen Kunden“, berichtet Dietmar Walser, Geschäftsführer von WorkFwd Coworking mit Standorten in Feldkirch, Dornbirn, Lustenau, Widnau und Verbania (I).

Der Abgang habe sich aber durch die Homeworker rasch wieder ausgeglichen. Auch habe man von Unternehmen profitiert, die sich auf mehrere Standorte aufteilen mussten. „Außerdem zählen einige Schweizer Unternehmen zu unseren ­Klienten, die wegen der Bestimmungen an den Grenzen Pendler auf temporäre Arbeitsplätze bei uns gesetzt haben“, sagt Walser.

Dietmar Walser, Geschäftsführer von WorkFwd Coworking. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Dietmar Walser, Geschäftsführer von WorkFwd Coworking. Klaus Hartinger

Coworking am Campus V

Die Räumlichkeiten des Coworking am Campus V in Dornbirn sind seit Beginn der Pandemie permanent geöffnet. „Während der Lockdown-Phasen waren teilweise weniger Leute vor Ort. Mietverhältnisse wurden dadurch aber nicht aufgelöst, die Auslastung der Fläche war durchgehend auf einem sehr guten Niveau“, weiß Standortmanager Christoph Drexel.

Der Coworking-Space am Campus V zeichnet sich durch eine große Anzahl von Einzel- und Kleinbüros aus. Seit Beginn der Pandemie gab es mehr Anfragen von Unternehmen, zusätzliche Büros konnten vermietet werden. Derzeit sind alle Büros vergeben, dafür sind weniger Personen im Open-Space-Bereich anzutreffen, was wohl in erster Linie den größeren Abständen und dadurch weniger verfügbaren Plätzen geschuldet ist.

Schon vor der Pandemie galt Coworking als Alternative zu Home Office, weiß Coworking Campus V Standortmanager Christoph Drexel. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Schon vor der Pandemie galt Coworking als Alternative zu Home Office, weiß Coworking Campus V Standortmanager Christoph Drexel. Klaus Hartinger

Wenn überhaupt, war das Homeoffice Drexel zufolge nur kurzfristig Konkurrenz zum Coworking.

Zukunftspronosen

Walser ist überzeugt, dass sich das Arbeitsverhalten nachhaltig verändert hat. „Die Zeitersparnis – vorausgesetzt, der Arbeitsplatz ist weiter entfernt – bringt Vorteile, ohne die soziale Arbeitskomponente zu vernachlässigen“, sagt er. Walser geht davon aus, dass Unternehmen wie WeWork „mit ihren überkandidelten Angeboten wesentlich weniger werden“. Mehr normale, seriöse Umgebungen seien gefragt.

Standortmanager Coworking Campus V Christoph Drexel. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Standortmanager Coworking Campus V Christoph Drexel. Klaus Hartinger


Auch Drexel geht davon aus, dass Kleinbüros und Open Spaces aufgrund der Flexibilität weiterhin gefragt sein werden. „Egal, ob als temporäre Lösung für Einzelpersonen oder als Dauerlösung für KMU oder Zweigstellen von großen Konzernen“, sagt er. Als Unterschied zum Homeoffice sieht auch er den Auge-in-Auge-Austausch mit Kollegen.

Ländlicher Raum

Zu Beginn der Krise im März 2020 verfügte WorkFwd Coworking über rund 2000 Quadratmeter. Mittlerweile stehen mit dem Gless Hub in Lustenau insgesamt 10.000 Quadratmeter zum gemeinsamen Arbeiten zur Verfügung. Ein weiterer Standort im Walgau ist geplant.

<span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Klaus Hartinger

Für die Prisma – die hinter Coworking Campus V steht – ist eine Expansion an neuen Standorten jedenfalls denkbar.

Drei Fragen an …

… Steuerrechts-Expertin Eva-Maria Düringer und Arbeitsrechtsexperte Christian Maier (AK).

1. Ist ein Coworking-Space gleichzusetzen mit Home Office?
Eva Maria Düringer: Beim Coworking arbeitet man zusammen mit anderen Personen in Großraumbüros oder ähnlichen Flächen – meist öffentlich. Und somit handelt es sich nicht um eine Wohnung. Coworking-Spaces, Parks oder Kaffeehäuser gelten rechtlich nicht als Homeoffice.

Arbeiterkammer-Steuerrechts-Expertin Eva Maria Düringer. <span class="copyright">Dietmar Stiplovsek</span>
Arbeiterkammer-Steuerrechts-Expertin Eva Maria Düringer. Dietmar Stiplovsek

2. Welche Fragen zum Thema Home Office hat die Arbeiterkammer beschäftigt?
Christian Maier: In Anfragen ging es vor allem darum, ob Arbeitnehmer nun einen Rechtsanspruch auf Home­office haben oder ob der ­Chef verlangen kann, dass daheim gearbeitet wird. Bei Letzterem ging es primär um die Problemkreise der fehlenden Arbeitsmittel, wer diese zu bezahlen hat, dass kein Platz für Homeoffice vorhanden ist oder dass man einfach eine strikte Trennung von Arbeit und Privat haben wollte.

Christian Maier, Abteilungsleiter Arbeitsrecht AK Vorarlberg. <span class="copyright">Arbeiterkammer</span>
Christian Maier, Abteilungsleiter Arbeitsrecht AK Vorarlberg. Arbeiterkammer

3. Ist Ihnen bekannt, dass Arbeitnehmer Coworking dem Home Office vorziehen?
Christian Maier: Rahmenbedingungen zum Coworking-Space wurde bislang noch nicht angefragt. Es wird aber wie auch das Homeoffice zu vereinbaren sein. Es gilt, Fragen zu klären wie: Wer trägt die diesbezüglichen Kosten von Platz- oder Raummiete und wer hat welche Arbeitsmittel dem Arbeitnehmer zu stellen?