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Das Hobby zum Beruf gemacht

02.05.2021 • 11:00 Uhr / 9 Minuten Lesezeit
<span class="copyright">Klaus Hartinger</span>Herbert Österle ist seit 1. April Landesfeuerwehrinspektor.
Klaus HartingerHerbert Österle ist seit 1. April Landesfeuerwehrinspektor.

Landesfeuerwehrinspektor hat sich für seine Amtszeit viel vorgenommen.

Am 1. April hat der Dorener Herbert Österle sein Hobby zum Beruf gemacht. Denn an diesem Tag hat er das Amt als Landesfeuerwehrinspektor übernommen. Die Entscheidung, sich im vergangenen Jahr um die Stelle zu bewerben, ist ihm nicht schwer gefallen. Schließlich ist der 54-Jährige mittlerweile seit 36 Jahren leidenschaftlicher Feuerwehrmann. Mit 18 ist er der örtlichen Wehr beigetreten, weil auch sein Vater und Bruder schon Florianijünger waren. Damals hätte sich der Dorener noch nicht gedacht, dass er in der Blaulichtorganisation die Karriereleiter erklimmen würde. Er engagierte sich einfach gerne in der Wehr und übernahm Verantwortung in verschiedenen Funktionen. Der damalige Feuerwehrkommandant im Ort erkannte jedoch, dass der junge Mann Führungsqualitäten hat und förderte ihn entsprechend.

Österle stammt aus Doren und war dort auch zwölf Jahre Kommandant der Feuerwehr. <span class="copyright">Hartinger</span>
Österle stammt aus Doren und war dort auch zwölf Jahre Kommandant der Feuerwehr. Hartinger

So kam es, dass Österle sechs Jahre lang als Kommandant-Stellvertreter fungierte und dann von 2001 bis 2013 auch Kommandant der Feuerwehr Doren war. Elf Jahre lang war er zudem als Bezirksfeuerwehrinspektor im Bezirk Bregenz Ansprechpartner für die Feuerwehr-Verantwortlichen sowie Behörden in der Region und auch Bindeglied zum Landesfeuerwehrverband. Neben all diesen Funktionen in der Blaulichtorganisation war der 54-Jährige jedoch auch noch berufstätig. Im väterlichen Betrieb hat er ursprünglich das Zimmerer-Handwerk erlernt und später die Meisterprüfung absolviert. Danach war Österle im Amt der Vorarlberger Landesregierung beschäftigt. In der Abteilung Landwirtschaft und ländlicher Raum war er für die Planung von landwirtschaftlichen Gebäuden zuständig.

Ähnliche Aufgabe

Seit Anfang April ist Österle nun hauptberuflicher Feuerwehrler. Die Entscheidung zur Bewerbung hat er nicht alleine gefällt. „Ich habe das natürlich mit meiner Familie besprochen. Danach ging es aber vor allem um die Frage, ob ich wirklich mein Hobby zum Beruf machen möchte“, erzählt der 54-Jährige. Schlussendlich beantwortete er diese Frage für sich mit einem deutlichen Ja. Immerhin hatte er bereits als Bezirksfeuerwehrinspektor eine ähnliche Aufgabe, wenn auch in einem deutlich kleineren Maßstab. Doch auch in dieser Rolle war er rund um die Uhr für die Verantwortlichen in den örtlichen Wehren im Bezirk erreichbar. Dazu kamen noch zahlreiche Termine an den Abenden und Wochenenden. Nicht zu vergessen ist auch, dass Österle außerdem noch einen Beruf hatte, in dem er ebenfalls viel Verantwortung trug. Es war durchaus herausfordernd, die beiden Aufgaben und auch noch das Privatleben unter einen Hut zu bekommen. „Das geht nicht ohne die Unterstützung der Familie“, ist Österle überzeugt. Und seine Frau sowie die beiden mittlerweile erwachsenen Kinder stehen voll hinter ihm. Sein Sohn ist zudem ebenfalls begeisterter Feuerwehrler.

Zur Person

Herbert Österle wurde 1966 geboren und stammt aus Doren. Er hat eine Zimmererlehre absolviert und die Bauhandwerkerschule an der HTL Rankweil abgeschlossen. Zudem hat er die Meisterprüfung abgelegt. Seit 1985 ist er Mitglied der Feuerwehr Doren. Von 1995 bis 2001 war er Kommandant-Stellvertreter und von 2001 bis 2013 Kommandant. Seit 2010 war er zudem Bezirksfeuerwehrinspektor im Bezirk Bregenz. Beruflich war er seit 1993 beim Amt der Vorarlberger Landesregierung in der Abteilung Landwirtschaft und ländlicher Raum beschäftigt. Österle ist verheiratet und Vater zweier erwachsener Kinder.

Als Landesfeuerwehrinspektor ist der Dorener nun dafür zuständig, den Verband zu führen. Dazu vertritt er diesen nach außen. Insgesamt 143 Orts- und Betriebsfeuerwehren gibt es derzeit in Vorarlberg. Für diese gibt es beim Verband zahlreiche Unterstützungsangebote – von Beratungen in den unterschiedlichsten Bereichen wie etwa bei der Anschaffung neuer Fahrzeuge über verschiedene Dienstleistungen bis hin zur Ausbildung. Das Ziel des 54-Jährigen ist, den Verband noch mehr als Dienstleister für die Feuerwehren zu positionieren. In der Ausbildung soll das hohe Niveau beibehalten werden.

Gut aufgestellt

Von seinem Vorgänger Hubert Vetter hat Österle eine gut aufgestellte Organisation übernommen. Immerhin gibt es bei den über 140 Feuerwehren im Ländle mehr als 8000 Feuerwehrmänner und -frauen. Nachwuchssorgen gibt es angesichts von fast 1000 Mädchen und Burschen in der Feuerwehrjugend auch keine akuten. Herausforderungen gibt es dennoch. So wie in vielen Vereinen wird es auch in den Feuerwehren, die Körperschaften des öffentlichen Rechts sind, immer schwieriger, Männer und Frauen zu finden, die Verantwortung in Führungspositionen wie etwa als Kommandant übernehmen möchten. Eine Rolle spielen dabei aus Sicht des 54-Jährigen auch die neuen Medien. „Man ist in solchen Positionen immer unter Beobachtung, und es sind keine Fehler erlaubt. Das schreckt viele ab“, glaubt der Landesfeuerwehrinspektor. Dennoch ist er zuversichtlich, dass der derzeitige Mitgliederstand auch in Zukunft gehalten werden kann. Dazu wird nicht nur auf Jugendarbeit gesetzt. Mit der Initiative 60plus gibt es schon seit mehreren Jahren Bemühungen, ältere Feuerwehrleute in der Wehr zu halten.

Herbert Österle sieht die heimischen Feuerwehren gut aufgestellt.<span class="copyright"> Hartinger</span>
Herbert Österle sieht die heimischen Feuerwehren gut aufgestellt. Hartinger

Ebenso sollen noch mehr Frauen gewonnen werden. Während in der Jugend beinahe schon die Hälfte der Mitglieder Mädchen sind, sieht die Situation im Aktivstand anders aus. Dort ist der Frauenanteil deutlich geringer, wobei dieser langsam aber doch steigt. Dabei helfen auch Vorbilder wie etwa Tamara Fink aus Sulzberg-Thal, die seit zwei Jahren Vorarlbergs erste Feuerwehrkommandantin ist. „Es gibt aber auch noch viele andere Frauen, die in ihren Feuerwehren wichtige Aufgaben etwa als Zugskommandantin übernehmen“, sagt Österle.

„Die Ausbildung soll auf dem hohen Niveau gehalten werden.“

Herbert Österle nennt eines seiner Ziele.

Für ihn und die anderen Verbandsverantwortlichen ist es zudem wichtig, immer auf der Höhe der Zeit zu sein. Sei es in der Ausbildung, wenn es etwa um neue Technologien wie Elektrofahrzeuge geht. Sei es bei der Nutzung neuer Möglichkeiten zum Beispiel im Zuge der Digitalisierung. In der Corona-Pandemie wurde letzteres wie in anderen Lebensbereichen beschleunigt. So wurde eine E-Learning-Plattform eingerichtet, auf der unterschiedliche Themenbereiche aufgearbeitet werden. Auch verschiedenste Webinare können mit dem entsprechenden Zugang zur Plattform abgerufen werden. Besonders gut ist gerade bei den Jugendlichen ein Quiz angekommen, das an den alljährlichen Wissenstest angelehnt ist. Denn aufgrund der Pandemie musste in den Jugendgruppen auf Aktivitäten verzichtet werden. Das Quiz war für die Verantwortlichen ein gutes Mittel, um die Mädchen und Buben bei der Stange zu halten.

In Feldkirch ist Herbert Österles neuer Arbeitsplatz im Landesfeuerwehrverband. <span class="copyright">Hartinger</span>
In Feldkirch ist Herbert Österles neuer Arbeitsplatz im Landesfeuerwehrverband. Hartinger

Die von der Pandemie geprägten Monate waren aber auch für die aktiven Feuerwehrleute nicht einfach. Denn hier ruhte anfangs das Probe-Geschehen. Lediglich zu Einsätzen rückten die Feuerwehrleute wie immer aus. „Bald hat sich aber gezeigt, dass auch auf das Proben nicht verzichtet werden kann“, berichtet Österle. Seither wird wieder regelmäßig geübt, allerdings in kleineren Gruppen und mit den entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen. Verzichtet werden muss jedoch auf jegliche kameradschaftlichen Aktivitäten wie etwa das Zusammensitzen im Feuerwehrhaus nach absolvierter Probe. Es gilt die Regel, dass dort nur ein Aufenthalt erlaubt ist, wenn eine Tätigkeit wie etwa die Wartung von Geräten dies erfordert. Der Landesfeuerwehrinspektor hofft, dass sich dies bald wieder ändern wird. Schließlich gehört zu den Aufgaben des Verbands auch die Förderung der Kameradschaft. Gerade beim ehrenamtlichen Engagement spielt diese keine unwesentliche Rolle.

Freiwilligensystem

Genauso wie sein Vorgänger ist auch Österle ein Verfechter des Freiwilligensystems. Tendenzen, dass Feuerwehrleuten Aufwandsentschädigungen bezahlt werden, sieht er kritisch. Es dürfe beim Engagement in der Feuerwehr nicht ums Geld gehen, sondern um den ehrenamtlichen Einsatz für andere. Er will daher das Freiwilligensystem weiter stärken. Die Ziele für seine Amtszeit sind für den Dorener klar: „Die Ausbildung soll auf dem hohen Niveau gehalten werden. Dazu soll die technische Ausstattung den Anforderungen gerecht werden. Außerdem soll die Feuerwehr nach wie vor in jeder Gemeinde vertreten sein, und die Kameradschaft soll erhalten bleiben.“