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„Sag’ niemals nie“ – ein Abschied mit Wehmut

02.05.2021 • 11:00 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
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Hartinger

Mario Leiter hat die Geschicke der Alpenstadt Bludenz mitgeprägt.

Warum haben Sie sich dazu entschieden, aus der Politik auszutreten? Soviel ich weiß hätten Sie das nicht machen müssen?
Mario Leiter:
Es waren sechs schöne und intensive Jahre. Ich war wahnsinnig gern Vizebürgermeister. Und es wäre für mich auch nach wie vor der Traumjob, wenn man ihn hauptberuflich machen könnte. Du brauchst Zeit für die Menschen, du brauchst Zeit für Projektentwicklungen. Das habe ich auch mit aller Kraft versucht. Aber durch meine neue Aufgabe als Postenkommandant der Stadtpolizei ändern sich die Vorzeichen. Gesetzlich gäbe es da aber keine Bedenken.

Mit welchem Gefühl verlassen Sie die Politik?
Leiter:
Das ist ein gemischtes Gefühl. Denn ich mochte die Politik sehr. Und das tue ich immer noch. Ich habe das in den letzten Jahren schätzen und lieben gelernt. Denn man kann etwas für die Menschen und die Stadt bewegen. Und das gibt einem ein gutes Gefühl. Und die Macht zu haben, gestalten zu können, ist schon etwas Einzigartiges. Das Mitgestalten werde ich sehr vermissen.

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Aber es wird sicher auch Dinge geben, die Sie gar nicht vermissen werden?
Leiter:
Natürlich gibt es die. Ich war jetzt sechs Jahre lang in der Oppositionspolitik. Und da sind mir vom politischen Mitbewerber, der ÖVP, oft Prügel vor die Füße geworfen worden. Nach der Wahl haben sie mir auch deshalb andere Ressorts gegeben. Damit ich ihnen nicht zu erfolgreich und mächtig werden kann. Wirtschaft, Raumordnung und Betriebsansiedlung waren meine Kernkompetenzen. Die sind nun alle weg. Und das war natürlich eine reine polittaktische Überlegung. Da habe ich in den letzten Jahren viel weitergebracht. 70 neue Betriebe haben sich angesiedelt, mit rund 1000 neuen Arbeitsplätzen. Allein das neue Hauptquartier von Jäger-Bau bringt eine Investitionssumme von 20 Millionen Euro. Auch für die neue ÖBB-Lehrwerkstätte habe ich mich massiv eingesetzt.

Selbst in der Teeküche gibt es Blaulicht. <span class="copyright">Hartinger</span>
Selbst in der Teeküche gibt es Blaulicht. Hartinger

Inwieweit hat Ihre Entscheidung auch mit dem Ausgang der letzten Wahl zu tun?
Leiter:
Am Ende haben mehrere Faktoren zusammengespielt. Natürlich habe ich die Wahl verloren. 2015 hätte ich sie gewonnen. Aber da ist es leider nicht mit rechten Dingen zugegangen, wie man weiß. Ich erinnere an die Wahlkartengeschichte. Und ja, es war natürlich immer mein Anliegen und Wunsch, Bürgermeister zu werden. Und dann bin ich wieder Vize geworden und wurde zudem mit neuen Ressorts bedacht. Alles in allem ist mir nach reiflicher Überlegung der Stadtkommandanten-Posten näher als die Politik. Ich bin unheimlich gern Polizist.

Wenn Sie Bürgermeister geworden wären, dann wäre das anders gekommen?
Leiter:
Dann wäre natürlich alles obsolet. Dann wäre ich hauptberuflich Bürgermeister. Und ich würde Schwerpunkte bei der wirtschaftlichen Entwicklung und der sozialen Verträglichkeit setzen.

Die Politik ist ja nicht unbedingt dafür bekannt, ein sauberes Geschäft zu sein. Haben Sie persönlich politische Fouls erlebt. Wenn ja, welche?
Leiter:
Ja natürlich. Wenn man im Teich der anderen fischt, kann es durchaus mal geschehen, dass auch die harte Klinge eingesetzt wird. Und Politik ist ein hartes Geschäft. Das weiß jeder, der sich irgendwann mal genauer damit befasst hat. Der vorherige Bürgermeister hat ja nicht nur den angenehmen Umgang mit mir gepflegt. Ich bin dann auch kontrolliert worden, als Mitarbeiter der Polizei und des Rathauses. Mit Stundenaufzeichnungen und Ähnlichem. Aber es hat immer alles gepasst. Da hat man massiv versucht, mich zu beschränken. Ich habe bis zu sechsmal am Tag zwischen Zivilkleidung und Uniform wechseln müssen, um politische Termine unter dem Tag wahrzunehmen. Sechsmal aus- und einstempeln und umziehen, mitunter für einen Zehn-Minuten-Termin. Da habe ich aber Durchhaltevermögen bewiesen.

Mario Leiter ist der neue Pos­tenkom­man­dant der Stadtpolizei. <span class="copyright">Hartinger</span>
Mario Leiter ist der neue Pos­tenkom­man­dant der Stadtpolizei. Hartinger

Die letzte Wahl war denkbar knapp. Und es war auch für viele Beobachter überraschend, dass der Newcomer Simon Tschann gegen den Profi Mario Leiter gesiegt hat. Wie sehr hat Sie das gekränkt?
Leiter:
Das war ganz und gar nicht angenehm. Wir haben ja im Vorfeld einen sauberen Wahlkampf geführt. Was man von der Gegenseite nicht immer behaupten konnte. Ich erinnere da auch an das Gesundheitszentrum und die Untergriffe der ÖVP in Sachen Zwei-Klassen-Medizin. Im Nachhinein haben sich die Akteure auch bei mir entschuldigt. Aber die Wahl ist geschlagen. Und das Ergebnis habe ich zur Kenntnis genommen. Das sind nun mal die Spielregeln der Demokratie. Und das ist gut so. Es kann nicht jeder gewinnen. Und ja, das hat mich enttäuscht. Keine Frage.

Die Dienstkleidung passt. <span class="copyright">Hartinger</span>
Die Dienstkleidung passt. Hartinger

Kommen wir zur möglichen Nachfolge. Kann man schon Namen nennen?
Leiter:
Wir haben einige, die bereit wären, dieses Amt zu übernehmen. Die sich das auch zutrauen würden und die auch die Kompetenz hätten. Wir sind mitten in einem Entscheidungsfindungsprozess. Aber es ist kein Geheimnis, dass ich eine Frau bevorzugen würde. Das würde Bludenz gut zu Gesicht stehen, eine Vizebürgermeisterin. Aber entschieden ist noch nichts.

Wenn Sie sagen, eine Frau würden sie präferieren, dann denke ich spontan an Eva Peter, die ja bereits Stadträtin ist.
Leiter:
Ja, Eva Peter wäre eine gute Wahl. Aber sie hat sich noch nicht entschieden.

Ist eine Rückkehr in die Politik eine Möglichkeit für Sie, oder ist das komplett ausgeschlossen?
Leiter:
Ich werde immer ein höchst politischer Mensch bleiben. Egal, ob ich aktiv in der Politik bin oder nicht. Sag’ niemals nie. Ich weiß nicht, was in vier Jahren ist. Und ich mache sicher keinen Hehl daraus, dass ich mit Wehmut gehe, denn ich habe den Job als Politiker und Vizebürgermeister sehr geliebt.

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