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Keine Vergewaltigung durch Krankenpfleger

03.05.2021 • 21:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Im Zweifel Freispruch für 52-Jährigen, der von einvernehmlichem Sex sprach. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Im Zweifel Freispruch für 52-Jährigen, der von einvernehmlichem Sex sprach. Klaus Hartinger

Patientin konnte nicht mehr ausführlich einvernommen werden.

Vom Vorwurf der Vergewaltigung der bettlägerigen Frau wurde ihr unbescholtener Krankenpfleger am Montag am Landesgericht Feldkirch im Zweifel freigesprochen. Das Urteil des Schöffensenats unter dem Vorsitz von Richter Thomas Wallnöfer ist nicht rechtskräftig, denn Staatsanwältin Julia Berchtold nahm drei Tage Bedenkzeit in Anspruch. Unmittelbar nach der Gerichtsverhandlung wurde der angeklagte Untersuchungshäftling aus der Justizanstalt Feldkirch entlassen, in der er sich seit 13. April befunden hat. „Die Beweisergebnisse reichen nicht für einen Schuldspruch“, sagte Richter Wallnöfer in seiner Urteilsbegründung. Zumal das mutmaßliche Opfer kurz vor dem Tod keine ausführlichen Angaben mehr vor der Polizei machen konnte.

Die polizeiliche Befragung am 20. September 2018 musste im Krankenhaus abgebrochen werden, bevor die 60-jährige Patientin die angebliche Tat konkret schildern konnte. Denn eine andere Patientin wurde ins Spitalszimmer gebracht. Fünf Tage später, am 25. September 2018, starb die an einer schweren Lungenkrankheit leidende Belastungszeugin aus dem Bezirk Feldkirch.

Angaben aus Ambulanzblatt

So konnte sich die Staatsanwältin in ihrer Anklageschrift lediglich auf die Angaben der Patientin im Ambulanzblatt stützen. Vor einer Spitalsärztin hatte die Frau ausgesagt, ihr rumänischer Krankenpfleger habe sie am 4. August 2018 in ihrem Pflegebett in ihrer Wohnung vergewaltigt. Der 52-Jährige habe gegen ihren Willen mit ihr Sex gehabt.

Der Beschuldigte machte vor der Polizei keine Angaben. Vor Gericht gab er zu Protokoll, er habe einvernehmlich mit der von ihm gepflegten Frau Geschlechtsverkehr gehabt. Er fühle sich nur deshalb schuldig, weil er die Einladung der Todkranken zum Sex angenommen habe. Ihre belastenden Angaben bezeichnete der verheiratete Rumäne als Racheakt. Weil er ihrem Wunsch nicht nachgekommen sei, mit ihm eine Liebesbeziehung zu führen. Außerdem habe sie sich dafür gerächt, dass ihre Mutter ihn und nicht ihren Ziehsohn als deren Erben einsetzen wollte.

Im Zweifel für den Angeklagten

Im Zweifel für den Angeklagten. Die Version des Angeklagten sei nicht völlig auszuschließen, sagte der Vorsitzende des Schöffensenats. Unabhängig davon, ob man von seiner Aussage überzeugt sei oder nicht, sei mangels ausreichender belastender Angaben im Zweifel zu seinen Gunsten zu entscheiden gewesen.