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Leiterin des Heims für Flüchtlinge gestalkt

03.05.2021 • 20:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
40 Stunden gemeinnützige Gratisarbeit  und 50 Euro an Verfahrenskosten damit das Strafverfahren eingestellt wird. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
40 Stunden gemeinnützige Gratisarbeit und 50 Euro an Verfahrenskosten damit das Strafverfahren eingestellt wird. Klaus Hartinger

Diversion mit 40 Arbeitsstunden für 73-Jährige.

Im Strafantrag wurde der 73-jährigen Pensionistin vorgeworfen, sie habe die Leiterin eines Flüchtlingsheims aus dem Bezirk Bregenz gegen deren erklärten Willen ein Jahr lang mit unzähligen und inhaltlich kränkenden Briefen und SMS gestalkt. Richter Martin Mitteregger gewährte der unbescholtenen und letztlich doch einsichtigen Angeklagten am Montag bei der zweiten Verhandlung am Landesgericht Feldkirch eine Diversion.

Wenn sie innerhalb von vier Monaten 40 Stunden an gemeinnütziger Gratisarbeit verrichtet und dem Gericht 50 Euro an Verfahrenskosten bezahlt, wird das Strafverfahren eingestellt werden. Dann würde der deutschen Staatsbürgerin eine drohende Verurteilung und damit eine Vorstrafe erspart bleiben. Die Staatsanwaltschaft und die Angeklagte waren mit der diversionellen Erledigung einverstanden.

Reaktion auf Hausverbot

Die Rentnerin hatte mit ihren vielen Schreiben auf das Hausverbot reagiert, das über sie nach verschiedenen Vorfällen für das Flüchtlingsheim verhängt worden war. Die 73-Jährige hatte sich zuvor nach eigenen Angaben für zwei Frauen aus Syrien und der Ukraine eingesetzt, die in dem Flüchtlingsheim der Caritas wohnten. Bei der ersten Gerichtsverhandlung im März bekannte sich die Angeklagte für nicht schuldig. Weil sie verfolgt worden sei. Denn am Flüchtlingsheim sei zum Hausverbot ein Plakat mit ihrem Namen und Foto aufgehängt worden. Das sei für sie schockierend gewesen.

Mediation war gescheitert

Im März bot Richter Mitter­egger der Angeklagten eine Diversion mit einer Geldbuße von 500 Euro an. Aber die Beschuldigte lehnte ab. Daraufhin vertagte der Richter das Verfahren, um der Angeklagten einen Verteidiger zur Seite zu stellen. Danach schrieb sie dem Richter, sie sei einsichtig und stimme einer Diversion zu. Vor dem Strafverfahren waren Mediationsgespräche des örtlichen Pfarrers und des Caritas-Direktors mit der Pensionistin erfolglos geblieben.