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„Wer braucht schon Likes?“

03.05.2021 • 11:00 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Immer wieder wird eine Debatte über das Abschaffen der „Like“-Funktion auf Instagram laut.<span class="copyright"> Reuters</span>
Immer wieder wird eine Debatte über das Abschaffen der „Like“-Funktion auf Instagram laut. Reuters

Vorarlberger Influencer über mögliche Abschaffung der “Like”-Funktion.

Immer wieder wird eine Debatte über das Abschaffen der Like-Funktion auf Instagram laut. Die NEUE am Sonntag hat sich bei Vorarlberger Influencern und Social-­Media-Bekanntheiten nach den Vor- und Nachteilen einer solchen Entscheidung umgehört.

Weg vom kompetitiven Wettbewerbsgedanken

Daria Schuricht, Model und Ex-Miss Vorarlberg: „Eigentlich finde ich die Idee und das Grundprinzip hinter der Like-Funktion ja ganz praktisch. Jedoch sind wir heutzutage an einem Punkt angekommen, an dem die Sache schon beinahe ausgeartet zu sein scheint. Man definiert seine eigene Person und vor allem seinen Selbstwert nur noch über die Anzahl von Likes. Es ist zu einer regelrechten Sucht geworden, so viele Follower wie möglich zu erreichen.

Daria Schuricht. <span class="copyright">Handout/Privat</span>
Daria Schuricht. Handout/Privat

Aus diesem Grund vertrete ich die klare Meinung, dass wir auch allgemein dringend einen Schritt weg vom kompetitiven Wettbewerbsdenken und hin zur Selbstakzeptanz machen müssen. Denn nur irgendwelche Zahlen sollten niemals den Wert eines Menschen bestimmen können.“

„Machen unseren Wert an Dingen wie Likes fest“

Patrik Walder, Model und Ex-Mister Vorarlberg: „Ich persönlich bin der Meinung, dass eine Abschaffung der Like-Funktion einiges auf Instagram verändern würde. Allerdings glaube ich durchaus, dass eine solche Entscheidung auch so manche positive Auswirkungen nach sich ziehen würde. Immerhin könnte man sich dadurch nicht mehr ständig mit anderen Usern vergleichen, was sich bestimmt positiv auf das eigene Selbstwertgefühl auswirken würde. Viel zu oft machen wir unseren eigenen Wert an unsinnigen Dingen wie etwa der Anzahl unserer Likes fest.“

Patrik Walder.<span class="copyright"> Handout/Privat</span>
Patrik Walder. Handout/Privat

Ohne Likes gibt es auch kein Feedback mehr

Lisa Aberer, Sängerin: „Ich sehe die Abschaffung der Likes aus zwei verschiedenen Perspektiven. Einerseits finde ich es überhaupt nicht schlimm, wenn es die Funktion nicht mehr gäbe, da es ja immerhin kein Wettkampf sein sollte, wer am meisten Likes bekommt. Was gerade für Content-Creators aber durch eine solche Entscheidung wegfallen würde, wäre sozusagen das Feedback ihrer Follower auf die jeweiligen Posts. Denn, meiner Meinung nach, lässt sich mit den Likes auch feststellen, was bei der Community gut oder nicht so gut ankommt und so auch seinen Content entsprechend anpassen.“

Lisa Aberer. <span class="copyright">Handout/Privat</span>
Lisa Aberer. Handout/Privat

„Wichtig ist doch, dass man sich selbst und sein Leben ‚liked‘“

Maria Maksimovic, Model und Ex-Vize Miss-Vorarlberg: „Eine Abschaffung der Like-Funktion halte ich persönlich für eine super gute Idee und hätte es mir schon viel eher gewünscht.Es ist erschreckend, wenn man hört, wie wichtig manchen diese Likes sind, wie viel Wert sie auf diese virtuelle Bestätigung legen und wie niedergeschmettert manche auch deswegen sind. Deshalb ist meine Meinung auch ganz klar: Weg mit den Likes! Wer braucht die schon? Viel wichtiger ist doch, dass man sich selbst und sein Leben „liked“.

Maria Maksimovic. <span class="copyright">Handout/Privat</span>
Maria Maksimovic. Handout/Privat

Und ich glaube auch nicht, dass eine Abschaffung der Likes schwerwiegende Folgen für die Influencer-Branche haben dürfte. Immerhin interessieren sich die Kooperationspartner ohnehin nicht dafür, wie viele dem Beitrag einen Daumen nach oben geben, sondern viel mehr für die Kontaktberührungen in Form von Impressionen oder auch der Zahl an Story-Views.“

Kraft der Digitalisierung in Zeiten der Pandemie besonders deutlich

Lukas Wagner, Slam-Poet, Autor und Kulturveranstalter:„In unserem heutigen digitalen Like-Zeitalter scheint das Abschalten der Funktion gesellschaftlich positiv zu sein. Tatsächlich weiß unser Smartphone aber auch ohne die aktive Befürwortung von Inhalten, welcher Content uns persönlich bereichert oder nicht.

Lukas Wagner. <span class="copyright">Handout/Privat</span>
Lukas Wagner. Handout/Privat

Ich denke dahingehend nicht, dass sich mit der Deaktivierung von Like-Symbolen etwas ändern wird. Denn vor allem die Pandemie hat uns spüren lassen, welche Kraft die Digitalisierung tatsächlich hat. Das gezielte Posten von Meinungen führt innerhalb kürzester Zeit dazu, dass aus Gerüchten – bei ausreichend Zuspruch – das Gefühl aufkommt, es müsse sich um Fakten handeln. Und eine Auseinandersetzung mit der Quelle findet heutzutage ohnehin kaum mehr statt.“

„Likes sind für mich Fluch und auch Segen zugleich“

Linda Peterlunger, Jungunternehmerin:„Schon länger wird die Nicht-Like-Funktion nun schon in einigen Ländern testweise ausprobiert. Das Konzept besteht darin, die Likes unter unseren Postings vor anderen zu verbergen. Das Ganze soll positive Auswirkungen auf unsere Psyche haben. Da ist meiner Meinung nach auch definitiv etwas Wahres dran. Vielleicht hören wir dann endlich damit auf, uns zu vergleichen und zu wetteifern. Ich könnte mir außerdem vorstellen, dass durch die Deaktivierung der Like-Funktion die Selbstmordrate bei Jugendlichen weltweit um einiges zurückgehen könnte, immerhin soll diese ja laut einer Statistik enorm angestiegen sein, seit Facebook, Instagram und Co. die Likes und Dislikes erfunden haben.

Linda Peterlunger. <span class="copyright">Handout/Privat</span>
Linda Peterlunger. Handout/Privat

Doch ich muss das Thema auch von einer anderen Seite beleuchten: Mir persönlich sind auf meinem Privat-Account die Likes weniger wichtig als auf meinem ­Business-Account. Denn irgendwo geht auch mein beruflicher Erfolg mit Social Media einher: Ohne meine Community hätte ich mir nie ein solches Unternehmens-Fundament aufbauen können. Meine Fanbase teilt, liked, kommentiert und teilt mir so mit, was sie mögen, was sie lieben, was sie wollen. Die Likes, die Kommentare und jede Nachricht von meiner Community sind mir enorm wichtig – nur so kann ich agieren und reagieren für mein Business. Ich beantworte jede einzelne Nachricht selbst – und das bei knapp 9000 Followern. Meine Community ist somit ein Teil meiner einzigartigen Geschichte der Selbstständigkeit.
Ihr merkt schon, Likes sind für mich Fluch und Segen zugleich. Dennoch sollten wir nie vergessen, wer wir selbst sind, völlig egal, wie viele oder ob wir überhaupt noch Likes bekommen. Wir sind alle einzigartig, individuell und inspierierend. Und jeder von uns kann auch im realen Leben ein Like an andere verschenken, nämlich in Form eines Lächelns.“

„Mehr Raum für die eigene Meinung“

Malcolm Kessler, Abnehmcoach und Fitness-Influencer: „Mir ist das ehrlich gesprochen eigentlich ziemlich egal, ob man nun sieht, wie viele Likes ein Bild bekommen hat oder eben nicht. Meiner Meinung nach gibt es da wesentlich wichtigere Dinge im Leben und auf diese Art kann man sich immerhin zunehmend mehr auf die eigene persönliche Meinung konzentrieren.“

Malcolm Kessler.<span class="copyright"> Handout/Privat</span>
Malcolm Kessler. Handout/Privat