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Neue Perspektiven für Arbeitslose

04.05.2021 • 19:45 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
<span class="copyright">SAMS</span>Reingard Feßler, Leiterin der connexia Implacementstiftung.
SAMSReingard Feßler, Leiterin der connexia Implacementstiftung.

In den letzten zehn Jahren sind rund 840 Arbeitslose zu Pflegekräften ausgebildet worden.

Der Bedarf an qualifiziertem Betreuungs- und Pflegepersonal wird aufgrund des zu erwartenden Anstiegs der älteren Bevölkerung in den nächsten zehn Jahren kontinuierlich ansteigen und höher sein als das Angebot. Die Spitze dieses Trends wird gemäß der 2017 erstellten Pflegebedarfsprognose in sieben Jahren erreicht sein. Demnach fehlen in Vorarlberg im Jahr 2028 rund 400 Pflegekräfte in allen Berufsgruppen.

Einen nicht unwichtigen Beitrag zur Deckung des steigenden Personalbedarfs leistet die „connexia Implacementstiftung Betreuung und Pflege“. Die im Jahr 2011 von AMS und Land ins Leben gerufene Stiftung agiert quasi als Schnittstelle zwischen jenen Menschen, die sich für eine Ausbildung interessieren, und künftigen Ausbildungsstätten bzw. Arbeitgebern. Im Fokus stehen arbeitslose Menschen und Personen, die sich beruflich neu orientieren wollen. Während der ein-, zwei oder dreijährigen Ausbildung gibt es ein monatliches Arbeitslosengeld plus 200 Euro Zuschuss.

80.000

Menschen in Voralberg werden im Jahr 2025 65 Jahre und älter sein. Das sind um 15 Prozent mehr als derzeit. Die Zahl der Über-80-Jährigen steigt bis 2025 um 20 Prozent auf 23.300.

Jahresbilanz 2020

Im Rahmen des gestrigen Pressefoyers nach der Regierungssitzung legte die Stiftung ihren Jahresbericht für das Jahr 2020 vor. Demnach haben 204 Personen eine Ausbildung im Pflege- und Betreuungsbereich begonnen, davon schlossen 136 Personen ihre Ausbildung erfolgreich ab. Insgesamt brachte die Stiftung zum Jahresende knapp 400 Personen in eine Ausbildung. Zuvor werden die Menschen umfassend beraten. Das sei sehr wichtig, betont Stiftungsleiterin Reingard Feßler. Denn so könne man die Zahl der Ausbildungsabbrüche minimieren und jene herausfischen, die den Beruf längerfristig ausüben wollen
Wie eine Befragung unter Absolventen ergab, macht sich die umfassende Beratung und umsichtige Auswahl der Stiftungsteilnehmer bezahlt. Demnach arbeiten mehr als zwei Drittel jener, die 2019 ihre Ausbildung abgeschlossen und an der Befragung teilgenommen haben (insgesamt 109 Personen), noch immer bei ihrem ersten Arbeitgeber.

<span class="copyright">Shutterstock</span>Der Personalbedarf im Pflege- und Betreuungsbereich ist groß.
ShutterstockDer Personalbedarf im Pflege- und Betreuungsbereich ist groß.

Das Arbeitsmarktservice (AMS) hat das Projekt kürzlich für drei weitere Jahre genehmigt. „Der Gesundheitsbereich als Jobmotor wird vielen Menschen neue Beschäftigungsmöglichkeiten bieten“, ist sich AMS-Landesgeschäftsführer Bernhard Bereuter sicher. Deshalb habe das AMS Vorarlberg auch im Rahmen der Qualifizierungsoffensive der Bundesregierung einen Schwerpunkt auf Ausbildungen im Betreuungs- und Pflegebereich gelegt.

Wie groß das Potenzial in diesem Bereich ist, zeigt sich schon allein anhand der Zahlen. So gab es im Jahr 2015 rund 10.700 Beschäftigte im Gesundheits- und Sozialwesen. 2020 stieg die Beschäftigtenzahl um 11,6 Prozent auf 11.900. Bereuter betonte einmal mehr, wie wichtig eine fundierte Ausbildung ist. „Personen ohne Ausbildung haben ein dreifach höheres Arbeitslosigkeitsrisiko.“ Eine Strategie des AMS sei daher die Sicherstellung der beruflichen Ausbildung. „Wir leisten damit auch einen wichtigen Beitrag zur Abdeckung des Fachkräftebedarfs für die Vorarlberger Unternehmen“, unterstrich Bereuter.

„Bis 2025 wird die Zahl der Über-80-Jährigen in Voralberg um 20 Prozent auf 23.300 steigen. “

Katharina Wiesflecker, Soziallandesrätin
<span class="copyright">Hartinger</span>Katharina Wiesflecker, Soziallandesrätin
HartingerKatharina Wiesflecker, Soziallandesrätin

„Ein Erfolgsmodell und unentbehrliches Instrument“

Für Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) und Soziallandesrätin Katharina Wiesflecker (Grüne) ist die Implacementstiftung „ein Erfolgsmodell und unentbehrliches Instrument“ um dringend gebrauchte Betreuungs- und Pflegefachkräfte für die Hauskrankenpflege sowie für Heime und Spitäler zu gewinnen. Das Modell bringe Vorteile für alle Beteiligten, betonte Wiesflecker. „Arbeitgeber können gesuchte Betreuungs- und Pflegefachkräfte gezielt für ihr Unternehmen ausbilden. Personalrekrutierung und -entwicklung werden dadurch erleichtert. Zugleich können die Arbeitsuchenden davon ausgehen, unmittelbar nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildung in ein Beschäftigungsverhältnis übernommen zu werden.“

Auch dieses Jahr werden über das Ausbildungsmodell 200 Personen mit einer Ausbildung beginnen, um später einmal als diplomierte Pflegefachkraft, Pflegehelfer oder als Fachsozialbetreuer in der Altenpflege zu arbeiten.

zahlen und Fakten

-802 Personen haben im Jahr 2020 einen Erstkontakt mit der connexia Implacementstiftung aufgenommen.

-204 Personen wurden im Jahr 2020 neu in die Stiftung aufgenommen.

-393 Personen befinden sich über die Stiftung in einer Ausbildung für einen Sozialbetreuungs- oder Pflegeberuf (Stand 31.12.2020)

-136 Personen haben 2020 ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen.

-Seit Bestehen der Stiftung Betreuung und Pflege haben 838 Frauen und Männer ihre Ausbildung absolviert.