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Wenn der Partner mit Worten schlägt

04.05.2021 • 06:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Mit psychischer Gewalt beginnt oft eine Gewaltspirale. <span class="copyright">Shutterstock</span>
Mit psychischer Gewalt beginnt oft eine Gewaltspirale. Shutterstock

40 Prozent der Vorarlbergerinnen haben schon psychische Gewalt erfahren.


Opfer von seelischer Gewalt werden beleidigt, gedemütigt, manipuliert, bedroht und isoliert. Die Folgen sind laut Experten mindestens so verheerend wie bei körperlichen Übergriffen. Seelische Gewalt wird jedoch oft nicht als solche erkannt oder aus Scham verheimlicht. Und: Sie findet meist hinter verschlossenen Türen statt.

Trotz hoher Fallzahlen – laut europaweiter Studien sind rund 40 Prozent betroffen – wird psychische Gewalt in der Öffentlichkeit noch zu wenig als Problem wahrgenommen. Das Fraueninformationszentrum femail in Feldkirch möchte das ändern und hat nun eine Kampagne gestartet, um die Bevölkerung für das Tabuthema zu sensibilisieren.

Kampagne

In einem ersten Schritt sollen Kurzvideos zu verschiedenen Formen von psychischer Gewalt über Facebook und Instagram gestreut werden. Von Foldern und anderen gedruckten Formaten hat der Betroffenenbeirat, der das Projekt begleitet, abgeraten. „Es besteht die Gefahr, dass der Partner diese Dinge in der Handtasche finden könnte. Zudem ist der Zugang zu Informationen über das Handy leichter und kann dort ganz einfach geteilt werden“, erklärt Kampagnenleiterin Diana Panzhirsch.

Zu finden sind die Videos und weiterführende Informationen auch auf einer eigens erstellen Webseite (www.weileszeitist.com). In einem zweiten Schritt sollen in der Öffentlichkeit bekannte Fürsprecher – etwa auf Plakaten – auf das Thema aufmerksam machen. Mit dabei sind unter anderem Daniela Jonas, Kinderärztin und Impfreferentin Impfreferentin der Vorarlberger Ärztekammer sowie der Psychiater und NEUE-Gastkommentator Albert Lingg. Das Ziel der Kampagne soll sein, dass psychische Gewaltformen in der Öffentlichkeit genauso inakzeptabel werden wie körperliche Gewalt. Dafür brauche es einen öffentlichen Diskurs, sagt Panzhirsch.

Auch am Arbeitsplatz

Erste Umfrageergebnisse aus Vorarlberg, die femail im Rahmen des Projekts erhalten hat, bestätigen die europaweiten Studiennergebnisse, wonach fast jede zweite Frau schon einmal psychische Gewalt erlebt hat. „Wer also glaubt, de Zahlen treffen nicht für Vorarlberg zu, irrt“, sagt femail-Leiterin Lea Putz-Erath.

Die hohe Zahl hänge mitunter auch damit zusammen, dass sich psychische Gewalt – anders als viele andere Gewaltformen – nicht auf den Bereich der Partnergewalt beschränke. „Auch am Arbeitsplatz, in der Familie oder anderen sozialen Nahräumen kommt psychische Gewalt häufig vor“, informiert Putz-Erath.

Femizid

Seelische Gewalt sei häufig Ausgangspunkt und Türöffner für weitere Gewalt. Ein Femizid, sprich die Tötung einer Frau – wie sie sich kürzlich in Wien ereignet hat, sei die „tragische Spitze des Eisbergs“. Wie berichtet wurde eine 35-Jährige Frau von ihrem Ex-Partner erschossen. Beim festgenommenen Verdächtigen soll es sich um den „Bierwirt“ handeln, der es zu unrühmlicher Berühmtheit brachte, indem er einen Rechtsstreit mit der Grünen Klubobfrau Sigrid Maurer anzettelte.

Projekt „Wertvoll und stark“

Erste Präventionsschritte setzt femail bereits seit Mitte 2020 mit dem Projekt „Wertvoll und stark“, das vom Bundeskanzleramt und dem Landesgesundheitsförderungsfond Vorarlberg finanziert wird. Ziel sei es, die Lebensqualität von betroffenen Frauen zu verbessern, sagt Christa Bauer von der femail-Fachstelle Frauengesundheit. Zu den Maßnahmen zählen eine repräsentative Erhebung in der Vorarlberger Bevölkerung zur Wahrnehmung von psychischer Gewalt, die Entwicklung eines Sreening-Instruments für Fachkräfte sowie verschiedene Workshops, die in weiterer Folge dauerhaft im Fraueninformationszentrum angeboten werden sollen.

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