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Warteschlangen vor dem Hofladen

06.05.2021 • 19:39 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
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Weissengruber

Heimische Lebensmittel sind seit Corona gefragter denn je.

Das letzte Jahr war alles andere als planbar. Das gilt natürlich auch für die landwirtschaftlichen Lebensmittelproduzenten. Die Pandemie hat gelernte Prozesse im Betrieb gehörig durcheinandergewirbelt. Aber es haben sich auch neue Trends ergeben und Türen eröffnet. „2020 war für uns und unsere Partner stark von Corona geprägt. Es war wie in fast allen Bereichen das omnipräsente Thema“, betont Marcel Strauß, Geschäftsführer der Ländle Marketing GmbH. Eine der großen Herausforderungen war der komplette Wegfall der Gastronomie und Hotellerie von heute auf morgen. Das hat zu Beginn des letzten Jahres alles durcheinandergebracht. „Vorarl­berg hat etwa neun Millionen touristische Nächtigungen im Jahr. Und das hat auch die Landwirtschaft stark getroffen.“

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Hartinger

„Wir mussten die Menschen oft beruhigen, weil sie Angst hatten, dass die Lebensmittel ausgehen.“

Josef Rosenzopf, Landwirt und Hofladenbetreiber

Direktvermarktung

Auf der anderen Seite gab es eine massive Zunahme in Sachen Direktvermarktung. Ab-Hofläden und Selbstbedienungsautomaten waren gefragter denn je. „Das hat gut funktioniert. Wir merken zwar, dass es derzeit auch wieder etwas nachlässt. Aber der Trend zur Regionalität ist ungebrochen“, resümiert Strauß. Auch der Begriff Eigenversorgungsgrad ist im vergangenen Jahr immer wieder thematisiert worden. „Da hat sich was verändert. Das Bewusstsein für regionale Kreisläufe ist stärker im Fokus der Öffentlichkeit. Das spüren wir auch sehr.“

Josef Rosenzopf, Zangerlhof, Federvieh am Zangerlhof. <span class="copyright">Hartinger</span>
Josef Rosenzopf, Zangerlhof, Federvieh am Zangerlhof. Hartinger

Aus landwirtschaftlicher Sicht gab es immer wieder schwierige Situationen zu bewältigen. Die Bauern wussten im Frühjahr 2020 nicht, ob und wann das Saatgut kommt. Zudem war lange Zeit ungewiss, ob Saisonarbeiter die Möglichkeit haben, anzureisen. „Für uns hat das einen Großteil der Planung über den Haufen geworfen. Und dennoch: Es war ein erfolgreiches Jahr. Wir haben 43 neue Partnerbetriebe gewinnen können“, ergänzt der Geschäftsführer.

Qualitätssicherung

Qualitätssicherung ist ein unerlässliches Werkzeug, um das Niveau hochzuhalten. Es gab an die 100 Vorortkontrollen und 35 Labor­untersuchungen. „Zudem gab es eine Überprüfung durch den Landesrechnungshof. Und der Abschlussbericht ist für das Ländlemarketing sehr erfreulich und das Feedback war durchwegs positiv“, freut sich Strauß.

„Dass wir bereits vor der Krise beschlossen haben, den Jahresschwerpunkt Digitales & Social Media zu setzen, kam uns im vergangenen Jahr sehr zugute“, betont Martin Wagner, Leiter der Kommunikationsabteilung bei Ländle Qualitätsprodukte Marketing. Trotz Corona, oder vielleicht auch gerade deswegen, konnten viele Programme erfolgreich weitergeführt werden. „Herauszuheben ist da vor allem das Ländle-Rind, mit 66 Betrieben. Davon sind 38 im Bio­bereich. Das Thema Tierwohl ist uns da ein besonderes Anliegen“, ergänzt Wagner. Vor allem die Ländle-Kalbsbratwurst ist nach wie vor ein Renner. Seit 2018 wurden insgesamt über zwei Millionen Würste mit dem Ländle-Gütesiegel verkauft. „Die ist und bleibt bei den Vorarlbergern sehr beliebt.“ Generell geht der Trend auch Richtung Bio. Das sehe man beim Bio-Ei. Dort konnte eine Absatzsteigerung von über 30 Prozent verbucht werden.

Marcel Strauß, Ländle-Marketing. <span class="copyright">Hartinger</span>
Marcel Strauß, Ländle-Marketing. Hartinger

Hamsterkäufe im Hofladen

Einer der Produzenten mit Hofladen ist Josef Rosenzopf vom Zangerlhof in Rankweil. „Wir spüren massiv, dass die Nachfrage gestiegen ist. Kurz nach Beginn des ersten Lockdowns haben sich bei unserem Hofladen Schlangen gebildet. Wir waren überwältigt von dem Ansturm. Das hat es davor noch nie gegeben.“ Es gab viele Menschen, die vor allem zu Beginn der Pandemie nicht mehr in den Supermarkt gegangen sind, weil sie Angst hatten. „Wir mussten die Menschen oft beruhigen, weil sie Angst hatten, dass die Lebensmittel ausgehen. Auch bei uns im Hofladen gab es Hams­terkäufe.“ Rosenzopf hat den Betrieb vor zwei Jahren umgestellt, weil er auf mehrere Standbeine setzen will. Neben einem Milchbetrieb ist der Zangerlhof nun auch Mastbetrieb. „Zudem haben wir Kartoffeln. Und Äpfel. Daraus machen wir Saft und Most. Die Produktvielfalt ist für mich wesentlich.“ Generell ist die Wertschätzung gegenüber den Bauern und den Produkten, die produziert und direkt vermarktet werden, gestiegen. „Und das freut uns und tut auch gut.“

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