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Was ist schon “normal” in der Schule?

06.05.2021 • 16:15 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Folgen der Maske: „Man sieht kein Kinderlachen mehr!“
Die Folgen der Maske: „Man sieht kein Kinderlachen mehr!“ Helmuth Weichselbraun

Maske schafft Abstand, Chorleben steht still und Skikurs bleibt abgesagt.

Am Montag der übernächsten Woche ist es so weit: Ab 17. Mai geht die Schule wieder in den „Normalbetrieb“. „Normal“ heißt: Die ganze Klasse trifft sich im selben Raum, der Schichtbetrieb ist zu Ende, wie an den Volksschulen schon zuvor. Die Rückkehr zum alten Leben in der Schule ist das noch lange nicht: Maske, Abstand, Sing- und Turnunterricht nur im Freien, dabei bleibt es, und dreimal pro Woche wird getestet.

Die bayrische Kabarettistin Monika Gruber verlieh den Kindern per Wut-Video eine Stimme: „Sechs bis acht Stunden hocken sie mit Maske im Unterricht, und die Herren Fußballer am Platz dürfen sich umarmen! Sechsjährige stehen an der Busstation mit der Windel vorm Gesicht, du siehst kein Kinderlachen mehr. Das ist traurig!“

Bildungswissenschaftler Stefan Hopmann von der Uni Wien drückte es zurückhaltender aus: „Wir zwingen alle dazu, Normalität zu simulieren, anstatt anzuerkennen, dass die Jugend in der schwersten Krise der Zweiten Republik aufwächst. Das ist pädagogisches und politisches Versagen.“ Die Versicherung der Politik, dass alles gut sei, entspreche nicht den Erfahrungen der Kinder und Eltern.

Wie normal also kann Schule spätestens im Herbst wieder sein?

Durchimpfungsrate

Alles hänge von der Durchimpfungsrate ab, heißt es im Bildungsministerium. Alle Hoffnung gründet sich darauf, dass in Kürze genügend Impfstoff zur Verfügung stehen werde, dass die Impfskeptiker nach Ende der AstraZeneca-Debatte hoffentlich ins Lager der Impfwilligen wechseln, dass sich auch die über 16-Jährigen möglichst rasch impfen lassen und dass die EMA den Impfstoff für die Jüngeren genehmigt.

Eine Impfpflicht wird nicht angestrebt. „Das große Ziel muss es sein, möglichst viele zu impfen, da braucht es noch viel Aufklärung“, sagt auch Neos-Bildungssprecherin Martina Künsberg Sarre.

Von der Maske wird erst dann Abstand genommen werden können, wenn die Durchimpfungsrate eine wirklich hohe ist – oder innerhalb einer kleineren Einheit, einer Klasse zum Beispiel, alle durchgeimpft sind.

Prinzip Hoffnung

Weite Teile des Sports sowie das Chorleben stehen still. Da hofft man, mit dem Nachweis für Impfungen, Genesung oder Tests eine Tür aufzumachen. Schulveranstaltungen sind tot – der Schulball, der Schulskikurs kann auch nicht nachgeholt werden. Noch ist es auch hier nur das Prinzip Hoffnung, das den Glauben an eine baldige Wiederkehr des gesellschaftlichen Lebens an den Schulen nährt. Der Fonds, der bei Ausfall den Kostenrückersatz sichert, läuft Ende Juni aus.

Luftfilter – und was sie bringen

Der Einbau von Luftfiltern wird geprüft. Sie kosten 5000 bis 7000 Euro pro Klasse – 50.000 Schulklassen gibt es in Österreich. Tröpfcheninfektion wird nicht vermieden und Lüften könnte effizienter sein, besagt eine Studie aus Hessen. Für Künsberg Sarre dennoch eine Alternative – zumindest für jene Räume, die man nicht gut lüften kann.

Können Luftfilter Aerosole beseitigen?

Wo sich Menschen in geschlossenen Räumen aufhalten, schweben mit der Zeit immer mehr Aerosole durch die Luft. Ist jemand infiziert, können so auch Viren übertragen werden. „Alles, was dazu führt, dass die Luft verdünnt wird, ist gut, um die Belastung niedrig zu halten“, sagt Aerosolforscherin Bernadett Weinzierl. Auch Luftfilter können helfen.

Entscheidend sei hierbei die Luftwechselrate. Laut einer WHO-Empfehlung ist das Ziel, die Luft im Raum innerhalb einer Stunde 12 Mal vollständig auszutauschen. Denn dann bestehe kaum noch ein Ansteckungsrisiko. Durchschnittliche Luftfiltergeräte kommen hingegen oft nur auf eine Luftwechselrate von vier bis sechs.

Laut Experten stellen diese Geräte eine gute Ergänzung dar, um die Ansteckungsrate in geschlossenen Räumen zusätzlich zu minimieren. Lüften und Masken werden aber dennoch notwendig bleiben.