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Lebender Innenraum: Ran an die Wand!

08.05.2021 • 20:45 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Wer braucht noch Tapeten? Innenwandbegrünung liegt voll im Trend. <span class="copyright">Hartinger</span>
Wer braucht noch Tapeten? Innenwandbegrünung liegt voll im Trend. Hartinger

Vertikalbegrünungen liegen im Trend. Ein Einblick mit Markus Müller.

Wer keinen Garten oder Balkon hat, sondern vielleicht nur eine Wohnung oder ein Büro, der muss nicht auf frisches Grün verzichten. Im Gegenteil, er hat sogar die Möglichkeit, sich besonders arbeitsunaufwendig mit besonders viel Grün zu umgeben. Die Rede ist von Vertikalbegrünungen, die selbstverständlich auch auf einem Balkon installiert werden können.

Markus Müller von der Ideengärtnerei in Thüringen zeigt das Vorführmodell des Betriebes. <span class="copyright">Hartinger</span>
Markus Müller von der Ideengärtnerei in Thüringen zeigt das Vorführmodell des Betriebes. Hartinger

Grundgerüst

Alles, was man braucht, ist eine Wand, die auf irgendeine Weise mit Tageslicht versorgt wird. Auf diese wird am besten ein Holzbrett montiert, da die Kästen mit den Pflanzen darin ein ordentliches Gewicht haben, besonders, wenn sie frisch gewässert sind. Wichtig ist dann, dass das Kastensystem gerade aufgehängt wird, da die einzelnen Behälter bis obenhin mit Wasser gefüllt werden.

Ein Vorführmodell in der Ideengärtnerei Thüringen. <span class="copyright">Hartinger</span>
Ein Vorführmodell in der Ideengärtnerei Thüringen. Hartinger

Die Wand darf man sich so vorstellen, dass das Plastik der Kästen im Regelfall unsichtbar unter dem Grün der Pflanzen verschwindet: Von diesen werden so viele nebeneinander und in Reihen angeordnet, dass tatsächlich eine durchgehende Pflanzenwand entsteht. Wie breit und hoch diese ist, hängt vom Einzelfall ab und lässt sich variieren.

Erklärung des Vorführmodells

Markus Müller von der Ideengärtnerei in Thüringen zeigt das Vorführmodell des Betriebes. „Es lässt sich fast jede Pflanze dafür verwenden. Wir haben hier immergrüne Pflanzen, damit sie untereinander harmonieren: Grünlilie, eine Pilea-Art, Scindapsus, Peperomie, also Dickblattgewächse.“

„Das System bedeutet, einmal installiert, sehr wenig Arbeit. Wir bewässern etwa einmal alle sechs Wochen, das ist ausreichend und ermöglicht außerdem, dass man zwischendurch sorgenfrei in Urlaub fahren kann.“

In der Regel wird unter die Blumenrinnen, in denen die Pflanzen schräg nach vorn gekippt stehen, ein Wasseranschluss montiert. <span class="copyright">Hartinger</span>
In der Regel wird unter die Blumenrinnen, in denen die Pflanzen schräg nach vorn gekippt stehen, ein Wasseranschluss montiert. Hartinger

Möglich gemacht wird das seltene Wässern durch ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem. In der Regel wird unter die Blumenrinnen, in denen die Pflanzen schräg nach vorn gekippt stehen, ein Wasseranschluss montiert. Ideal ist, wenn am Boden eine Abflussrinne oder ein Abfluss eingelassen ist, das ist aber kein Muss.

Bewässerungssystem

Für den Betrachter unsichtbar, werden hinter den Pflanzen schmale Schläuche installiert. Das Wasser fließt erst in den obersten Pflanzbehälter, in dem die Pflanzen nebeneinander in ihren Töpfen stehen, dann läuft der Behälter über und das Wasser in den darunterhängenden Pflanzbehältern und so weiter.

In zwei der Löcher, die jeder Pflanzentopf unten aufweist, wird ein sogenannter Bewässerungsdocht eingeführt. <span class="copyright">Hartinger</span>
In zwei der Löcher, die jeder Pflanzentopf unten aufweist, wird ein sogenannter Bewässerungsdocht eingeführt. Hartinger

In zwei der Löcher, die jeder Pflanzentopf unten aufweist, wird ein sogenannter Bewässerungsdocht eingeführt. Das ist ein Material, das Wasser gut weitertransportiert. Dieser Bewässerungsdocht sorgt dafür, dass, auch wenn nur noch wenig Wasser im Behälter ist, dieses zu den Wurzeln kommt.

Trend zur Einfachheit

Die Wand der Ideengärtnerei ist vielleicht drei mal vier Meter groß und veranschaulicht gut, was möglich ist. Müller erzählt, dass Vertikalbegrünungen voll im Trend liegen. „Diese Art der Bepflanzung ist denkbar unkompliziert. Hier und da mal ein Blatt abzwicken. Ab und zu etwas Dünger in die Töpfe geben, das war’s. Auch die Bewässerungsdochte halten problemlos einige Jahre.“

„Diese Art der Bepflanzung ist denkbar unkompliziert. Hier und da mal ein Blatt abzwicken. Ab und zu etwas Dünger in die Töpfe geben, das war’s. Auch die Bewässerungsdochte halten problemlos einige Jahre", erklärt Müller.<span class="copyright"> Hartinger</span>
„Diese Art der Bepflanzung ist denkbar unkompliziert. Hier und da mal ein Blatt abzwicken. Ab und zu etwas Dünger in die Töpfe geben, das war’s. Auch die Bewässerungsdochte halten problemlos einige Jahre", erklärt Müller. Hartinger

Immergrün muss es nicht sein, es lassen sich auf diese Weise auch Erdbeeren oder Tomaten auf dem Balkon oder innen im Wohnraum ziehen. „Die Bewässerungssysteme veralgen nicht, und gleichzeitig bekommen die Menschen, die sich im Raum aufhalten, ein bedeutend gesünderes Raumklima“, sagt Müller.
Den Trend erklärt er sich so: „Die Entwicklung geht hin zu mehr Einfachheit. Parallel dazu gibt es viele kahle Wände, aber gleichzeitig, gerade in Büros, immer weniger Platz. Für so eine Vertikalbegrünung brauchen wir 15 Zentimeter, das war’s.“

Ein abschließender Tipp von Müller: Nicht nur für die Optik, sondern auch für eine gleichmäßige Wasseraufnahme empfiehlt es sich, ähnlich große Pflanzen nebeneinanderzureihen. <span class="copyright">Hartinger</span>
Ein abschließender Tipp von Müller: Nicht nur für die Optik, sondern auch für eine gleichmäßige Wasseraufnahme empfiehlt es sich, ähnlich große Pflanzen nebeneinanderzureihen. Hartinger

Tipps vom Profi

Und wie steht es mit den Kosten? Das kleinste Kastensystem zum Aufhängen kostet knapp 200 Euro. Ansonsten muss man pro Quadratmeter mit rund 850 Euro rechnen – fixfertig bepflanzt.

Ein abschließender Tipp von Müller: Nicht nur für die Optik, sondern auch für eine gleichmäßige Wasseraufnahme empfiehlt es sich, ähnlich große Pflanzen nebeneinanderzureihen. Sie werden es einem durch einheitliches Wachstum danken.