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Klein anfangen, aber Großes bewirken

13.05.2021 • 14:00 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
Bei den monatlichen Treffen wurde einiges über die UN-Kinderrechte vermittelt. <span class="copyright">Stiplovsek</span>
Bei den monatlichen Treffen wurde einiges über die UN-Kinderrechte vermittelt. Stiplovsek

Seit einem halben Jahr gibt es bei der Caritas Auslandshilfe die KIBOs, die Kinderbotschafter.

Wir möchten keine ,Revoluzzer‘ aus den engagierten Kindern machen“, sagt Nicole Kantner, Projektleiterin der Jugendbotschafter und Kinderbotschafter der Caritas Auslandshilfe in Dornbirn, und lacht. Aber die richtige Einstellung, die Bereitschaft, sich für benachteiligte Menschen und die Weltprobleme einzusetzen, sollten angehende Kinderbotschafter mitbringen. Die sogenannten KIBOs sind neu bei der Caritas Auslandshilfe, sie bilden die Vorstufe zu den bekannten Jugendbotschafterinnen.

„Mir ist es wichtig, dass Kinder nicht von der Mitsprache in der Weltgesellschaft ausgeschlossen werden, und natürlich auch für Nachwuchs für die Jugendbotschafterinnen zu sorgen, deren Zeitressourcen aufgrund von Schule und Studium eingeschränkt sind,“ sagt Kantner. Gestartet haben die Kinder im Alter zwischen acht und zwölf Jahren im Herbst. Ziel ist es, dass die Kinderbotschafter die Jugendbotschafter bei ihren Aktionen unterstützen können und auch immer mehr in eigene Projekte hineinwachsen. Bei den monatlichen Treffen haben sie bereits einiges über die UN-Kinderrechte gelernt.

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Nicole Kantner

Es geht ums Wasser

Bei diesem Treffen geht es um unser wertvollstes Gut Wasser, dass viele Menschen keinen oder erschwerten Zugang zu sauberem Trinkwasser haben.
„Wie viel Wasser verbraucht ihr jeden Tag?“, fragt Nicole Kantner in die spätnachmittägliche Runde. „117 Liter“, sagt Pia Berghammer, sie hat Wasser-Tagebuch geführt. „Wieviel Liter stehen Menschen in den trockenen Gebieten Afrikas zur Verfügung?“ „Maximal zwei Eimer.“ Wir drehen den Wasserhahn auf, viele Menschen laufen kilometerweit, sagt Kantner.

Außerdem steckt in jedem Produkt, das wir benutzen, virtuelles Wasser. Wasser, das für die Herstellung verbraucht wurde und nicht sichtbar ist. Zum Beispiel benötigt man für die Erzeugung von einem Kilogramm Rindfleisch 16.000 Liter Wasser – unter Einberechnung der Bewässerung der Futtermittel, Trinkwasser für die Tiere und Wasser für die Stallreinigung. „Mit dieser Wassermenge könnte man ein Jahr lang täglich duschen!“

Nun auf Englisch

Nicole Kantner wechselt gemeinsam mit Jugendbotschafterin Antonella Oyhenart das Thema, wechselt mit den Acht- bis Zwölfjährigen ins Englische. „Today, we are at the United Nations.“ Jedes Kind sucht sich für die Sitzung bei der UN das Land aus, das es vertreten will: Frankreich, Ägypten, Neuseeland, Mexiko.
„Das Problem, das wir in der UNO heute diskutieren, heißt Plastik. Warum ist Plastik ein Problem?“ Die Kinder wissen Bescheid, auch auf Englisch. Plastik ist überall, auch in der Umwelt, die Fische verschlucken es, wir essen Mikroplastik, die Plastikherstellung erfordert Öl und verschmutzt die Umwelt. „Was ist die Lösung?“ Sofort schnellen die Finger nach oben. „Papier statt Plastik.“ „Weniger Verpackungsmüll.“ „Politiker müssen handeln.“ Das eigentliche Problem, darauf kommen die KIBOs, ist, dass die Delegierten vom UN-Treffen heimfahren und wieder passiert zu wenig. Also braucht es mehr Kinderbotschafter, soviel ist klar! Am Ende erarbeiten diese mit Kantner die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung.

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Nicole Kantner

Ein Beispiel

Ein Mädchen aus armen Verhältnissen, aus einem abgelegenen Dorf, fällt beim Mangopflücken vom Baum und bricht sich die Beine.
Hätte das Mädchen zur Schule gehen dürfen, wäre es nicht vom Baum gefallen. Und wäre es nicht in Ghana, sondern in Österreich vom Baum gefallen, wäre es medizinisch bestens versorgt und hätte nicht unter lebenslangen Folgeschäden zu leiden – die ihr wiederum verunmöglichen, weiterhin Mangos zu pflücken.
Bildung, Gesundheit, Infrastruktur, Geschlechtergleichheit, keine Armut – die Ziele für nachhaltige Entwicklung greifen also ineinander.

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Stiplovsek

„Diskutieren öfters, was schiefläuft in der Welt“

Elf Kinder sind derzeit Kinderbotschafter der Caritas Auslandshilfe. Sie sind zwischen acht und zwölf Jahre alt. Eine von ihnen ist Leonie Thaler. Sie war an diesem Spätnachmittag zum ersten Mal dabei. Der Zwölfjährigen gefiel es „sehr gut, ich habe viel Neues gelernt. Ich möchte helfen, dass jeder Mensch fair und gleich behandelt wird“, erklärt sie ihr Interesse.
Viola Amann, ebenfalls zwölf Jahre alt, erzählt: „Wir diskutieren öfter zu Hause, was alles schiefläuft in der Welt. Es gibt viele Kinder, die unter schlechten Lebensbedingungen leiden. Da ist es für mich keine Option, nichts zu tun. Ich bin megafroh, dass es die KIBO gibt, denn ich möchte mich nicht ohnmächtig fühlen, sondern nützlich.“ Viola Amann hat das Projekt in ihrer Klasse vorgestellt und mit ihrer Begeisterung andere mitgerissen.

Elf Kinder sind derzeit Kinderbotschafter der Caritas.<br><span class="copyright">Nicole Kantner</span>
Elf Kinder sind derzeit Kinderbotschafter der Caritas.
Nicole Kantner

Pia Berghammer sagt, „Viola hat das Projekt in der Klasse vorgestellt, daher bin ich mit dabei. Wir fahren alle zusammen mit dem Zug von Feldkirch her und wieder zurück. Mir gefällt es sehr gut, zum Beispiel, dass wir den Brunnen gebaut haben und dass wir so viel lernen.“ Die ebenfalls zwölfjährige Paula Eller berichtet, „als Viola davon erzählt hat, hat mich das Thema gleich angesprungen. Hier brauche ich mich nicht zu verstellen, sondern kann sein, wie ich bin. Es geht locker zu, und wir können anderen helfen. Das Motto ,Laber net! Tua was!‘ gefällt mir. Es gibt Kinder, die haben jeden Tag Hunger, Durst, die haben ihre Eltern verloren … Später möchte ich Jugendbotschafterin werden.“
Jasper Horn ist ebenfalls in Violas Klasse. „Ich habe gleich gedacht: Das ist was für mich. Das Thema interessiert mich, ich finde es toll, etwas bewirken zu können.“ Mira Bickel, zwölf Jahre alt, findet: „Wir sind ein Teil der Erde. Wir müssen was verändern und junge Leute animieren, selbst mehr zu machen!“

Kinderrechte achten, schützen und fördern

Die Kinderbotschafter wollen sich für die Einhaltung der Kinderrechte stark machen, und dafür, dass die UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung umgesetzt werden. Die UN-Kinderrechtskonvention ist der einzige völkerrechtliche Vertrag, welcher von allen UN-Mitgliedsstaaten – mit Ausnahme der USA – ratifiziert wurde. Fast alle Länder haben sich verpflichtet, die 54 Artikel umzusetzen und die Rechte von Kindern zu achten, zu schützen und zu fördern.
Es gibt unter anderem folgende Kinderrechte: ein angeborenes Recht auf Leben, Spiel und Freizeit, das Recht auf Bildung und freie Meinungsäußerung, Schutz vor Gewalt im Krieg und auf der Flucht, das Recht auf ein Zuhause und Gleichbehandlung. Trotzdem werden diese Rechte in vielen Ländern nach wie vor verletzt. Armut ist einer der Hauptgründe für die Verletzung von Kinderrechten.

Armut ist einer der Hauptgründe für die Verletzung von Kinderrechten. <span class="copyright">Stiplovsek</span>
Armut ist einer der Hauptgründe für die Verletzung von Kinderrechten. Stiplovsek

Weiterer Schwerpunkt sind die Ziele für nachhaltige Entwicklung: Im Jahr 2015 wurde die lösungsorientierte Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung von der Generalversammlung der Vereinten Nationen von allen 193 Mitgliedstaaten verabschiedet. Diese enthält 17 soziale, ökologische und ökonomische Ziele, die weltweit bis zum Jahr 2030 umgesetzt werden sollen. Auch hier steht die Bekämpfung der Armut an erster Stelle.

Weitere Ziele sind unter anderem: kein Hunger, Gesundheit, hochwertige Bildung, Geschlechtergleichheit, sauberes Wasser, Zugang zu erneuerbarer Energie, Arbeit und Wirtschaftswachstum, Industrie, Innovation und Infrastruktur, weniger Ungleichheiten, nachhaltiger Konsum, Maßnahmen zum Klimaschutz, Schutz des Lebens unter Wasser und an Land, Frieden, Gerechtigkeit und Partnerschaften zur Erreichung der Ziele.