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Warten auf PVE

15.05.2021 • 12:36 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Im Kernteam einer Primärversorgungseinheit arbeiten mindestens drei Ärzte der Allgemeinmedizin mit Angehörigen der Diplomierten Gesundheits- und Krankenpflege zusammen.<br><span class="copyright">Shutterstock</span>
Im Kernteam einer Primärversorgungseinheit arbeiten mindestens drei Ärzte der Allgemeinmedizin mit Angehörigen der Diplomierten Gesundheits- und Krankenpflege zusammen.
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Aus den Primärversorgungseinheiten wird vorerst nichts.

Primärversorgungseinheiten (PVE) sollen in Zukunft mit Ärzten und Angehörigen anderer Gesundheitsberufe einen Teil der medizinischen Versorgung übernehmen und Spitalsambulanzen entlasten. Ursprünglich waren österreichweit 75 Einrichtungen geplant, doch die Umsetzung geht äußerst schleppend voran. Am Ende gab es nur 23 Zentren. Neben Tirol, Salzburg und Kärnten ist Vorarlberg eines jener Bundesländer, in denen noch kein PVE umgesetzt werden konnte. Dabei hatten Ärztekammer und die Landesstelle der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) im Sommer des vergangenen Jahres mitgeteilt, drei Standorte fixiert zu haben, die bis Ende 2021 in Betrieb gehen sollen. Geplant gewesen wären die Zentren in Bludenz, Kleinwalsertal und im Bregenzerwald, in letzterem Fall war die Rede von einem sogenannten PVE-Netzwerk.

Einigung in Sicht?

Die Sache wird sich nun aber weiter hinziehen. Wie ÖGK-Landesvorsitzender Jürgen Kessler auf NEUE-Anfrage mitteilt, werden derzeit die regionalen Honorierungsregelungen für die ärztlichen Leistungen in den PVE und die Rahmenbedingungen für die Ausschreibungen der Standorte mit der Ärztekammer vereinbart. „Wir sind zuversichtlich, hier im Lauf, der kommenden Monate eine Einigung zu erzielen und die Ausschreibung der Standorte vornehmen zu können.“ Die Ärzteschaft, so Kessler weiter, sei von Kammer und Kasse umfassend über die PVE informiert und auch schon zu gemeinsamen Informationsveranstaltungen eingeladen worden.

ÖGK-Landesvorsitzender Jürgen Kessler (o.) und Burkhard Walla, Vizepräsident der Ärztekammer, können beim Thema PVE noch keine Erfolge vorweisen.<span class="copyright"> Neue Archiv</span>
ÖGK-Landesvorsitzender Jürgen Kessler (o.) und Burkhard Walla, Vizepräsident der Ärztekammer, können beim Thema PVE noch keine Erfolge vorweisen. Neue Archiv

Etliche Ärzte hätten diese Angebote gerne angenommen. „Mit einigen Interessenten wurden auch bereits vertiefende Gespräche über konkrete Möglichkeiten der Beteiligung geführt“, teilt Kessler mit. Bei der Ärztekammer gab man sich auf Anfrage äußerst wortkarg. So teilte Pressesprecher Matthias Ortner nach Rücksprache dem Präsidium mit, dass es „bedingt durch die Corona-Pandemie und die damit verbundene sehr hohe Arbeitsbelastung für die niedergelassene Ärzteschaft und die Ärztekammer derzeit keine neuen Entwicklungen“ gebe. Sowohl Ärztekammer als auch ÖGK seien bemüht, die Etablierung der PVE im Jahr 2022 weiter voranzutreiben. Landesrätin Martina Rüscher (ÖVP) teilte auf Anfrage mit, dass bei einem kürzlichen Treffen mit der Ärztekammer auch das Thema PVE auf der Agenda stand. Sie hofft, dass es nun bald zu einer Ausschreibung kommt und sich genügend Ärzte melden.

Burkhard Walla, Vizepräsident der Ärztekammer <span class="copyright">Hartinger</span>
Burkhard Walla, Vizepräsident der Ärztekammer Hartinger

Kritik

Neos-Gesundheitssprecher Johannes Gasser, der im letzten Jahr eine Landtags-Anfrage zum Umsetzungsstand eingebracht hatte, zeigt sich überrascht über die Verzögerung. „Seit mittlerweile einem Jahr ist klar, wo die Primärversorgungseinheiten entstehen sollen. Es wurde auch vor einem Jahr angekündigt, rasch die letzten offenen Detailfragen zu klären. Es scheint, als wäre seitdem wenig weitergegangen und es wird wohl bis Ende des Jahres dauern, bis die Ausschreibungen starten.“ Gasser fordert eine Attraktivierung der Rahmenbedingungen. „Es fehlt beispielsweise an einem Gesamtvertrag für alle Gesundheitsberufe, die in PVE tätig sind. Diese Unsicherheiten und noch immer bestehenden Unklarheiten tragen nicht zur Planungssicherheit für Bewerber bei.“
Gefragt ist hier vor allem der neue Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein. Der Hausarzt war im Jahr 2015 Mitbegründer der ersten Primärversorgungseinheit Wiens.

“Der neue Gesundheitsminister muss für eine Attraktivierung sorgen. Ansonsten werden die Primärversorgungseinheiten zu einem Rohrkrepierer.“

Johannes Gasser, Landtagsabgeordneter Neos
Johannes Gasser, NEOS-Sozialsprecher im Vorarlberger Landtag<span class="copyright"> SERRA</span>
Johannes Gasser, NEOS-Sozialsprecher im Vorarlberger Landtag SERRA