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Weite Blicke im Ried am Kumma

15.05.2021 • 14:00 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Der Ehbach, im Hintergrund die drei Schwes­tern, Pizol, Gonzen und Alvier.<br><span class="copyright">Hertha Glück</span>
Der Ehbach, im Hintergrund die drei Schwes­tern, Pizol, Gonzen und Alvier.
Hertha Glück

Hertha Glück wanderte von Koblach zum Plättele-Wasserfall.

Kurzbeschreibung

Besonderes: Weite, Gebirgshorizont, Schmetterlinge gaukeln, Enten quaken und die Wege führen durch naturnahe, ökologisch wertvolle Landschaftsräume. Kultur mit Natur im spannenden Gemeinschaftsbogen.

Anforderung und Gehzeit: In guten zwei Stunden werden geringe Höhenmeter überwunden.

Wichtig: Bitte nur auf den Wegen gehen. Hunde müssen an der Leine geführt werden.

Markierungen: Folgen Sie dem gelb-weißen Weg.

Charakter der Wege: Straße, Forst- und Uferwege

Tipp: bei jeder Witterung zu empfehlen

Kultur und Natur: Rhein als Grenzfluss, Kunstraum ZollART Koblach, Plättele-Wasserfall, Frutzauwald, Naturschutzgebiet Koblacher Ried

Anziehen und Mitnehmen: gutes Schuhwerk, Wetterkleidung

Einkehrmöglichkeiten: Koblach

Start und Ende: DorfMitte Koblach, Bushaltestelle 22

Mit dem Kummenberg, den Ausläufern des Sattelberges, dem Frutzauwald und dem Rheinvorland im Westen begrenzen großflächige, unverbaute Landschaftsräume das Gemeindegebiet. Über einen landschaftlich interessanten Umweg führt die Route schluss­endlich zum Koblacher Ried, das grüne Herz von Koblach und zugleich die geschichtliche Erinnerung an die Torfstecher (= Schollasteacher).

Ab der „DorfMitte“ wendet man sich gleich in Richtung Zollamt Koblach zum Rheindammweg und überschreitet die Kreuzung Harmonie (auf 418 Höhenmetern). Am rechten Straßenrand sticht ein typisches Rheintalhaus mit Holzschindeln, Flugsparrendreiecken und Klebdächern sowie kleinen Fens­tern ins Auge. In Bälde führen „Bei Steig“ die Straßenüberquerung und der Hanganstieg zum Zollamt, das heute einen Kunstraum (ZollART) für verschiedene Künstler bietet. Links ab übernimmt nun der geradlinige Rheindammweg in Richtung Frutzmündung/Zollamt Meiningen.
Man fühlt sich auf diesem Weg wie in der Tiefe eines Suppentellers, mit einem ansehnlichen Bergspitzenrand verziert. Denn weit blickt das Auge bis zum Alpstein mit Hohem Kasten (1794 m, CH), Alvier (2343 m, CH) in der Geraden und leicht linksseitig geschwungen die Drei Schwestern (2053 m, Grenzberg A, FL, CH). Weiter gegen den Uhrzeigersinn gedreht die Hohe Kugel (1645 m, am Rand des Rheintals) und zu guter Letzt der Kummenberg (Inselberg, 667 m, inmitten des Alpenrheintals).

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Hertha Glück

Blick in die Schweiz

Am Rheindamm zwischen Vorarlberg und der Schweiz (Montlingen) dahinschreitend, breiten sich Löwenzahnteppiche aus, Enten gaukeln auf dem breiten Grenzfluss und im Hintergrund leuchten die Schneeberge der Schweiz. Leicht links steigt man am Ehbach, dem Zufluss zum Rhein, zur Ehbachbrücke an. Gleich nach der Brücke bleibt man leicht links, dann geradeaus auf dem Forstweg, der leicht erhöht weit blicken lässt. Der Ehbach verschwindet rechtsseitig zwischen dichtem Gebüsch und gegenüber öffnet sich eine unglaubliche Weite, die nur Äcker oder große, mächtige Solitärbäume unterbrechen.

Wasserspiel

Dann wieder rücken Bäume, Sträucher samt Vogelgezwitscher näher und umschließen die Wanderung mit einem grünen Baldachin. Wenn man den schmalen, rechts abzweigenden Weg bemerkt, gelangt man rascher zum Plättele-Wasserfall, ansonsten zweigt man einfach bei der Forstweg-Kreuzung kurz rechts ab, um dem Wasserspiel näher zu kommen. Auch laden Bänke zu einer aussichtsreichen Rast ein. Jetzt lässt man den Wasserfall rechter Hand zurück und schreitet geradeaus, überquert die Straße, bleibt immer noch geradeaus und genießt am Klausbach blühende Sträucher, Salomonsiegel und besonders am Wegesrand das Gemeine Lauchkraut.

In Dürne-Klausbach angelangt, verlässt man den Frutzauwald und nimmt die Straße über Broma zur Ortsmitte Koblach. Es sind naturnahe 45 Minuten Rückweg, die direkt zur grünen Mitte der Kummenberggemeinde, dem Koblacher Ried führen. In Kürze weist ein grünes Fahrradschild links ab, man passiert Kopf Elektro und kommt somit gleich nach dem Straßenteil ins Naturschutzgebiet.
Am Rand der Weite zeigt sich der Kummenberg und leicht schon wieder die Kirchturmspitze der Pfarrkirche von Koblach. Aber noch genießt man eine Auenlandschaft, Streuobstwiesen, Kanäle und romantische kleine Waldhütten. In Broma hält man sich wieder hin nach Koblach (25 Minuten Gehzeit) und kommt zu einer Naturschutztafel, die den großen Flächenanteil von Streuwiesen und Wald im Koblacher Ried sowie die schützenswerte Fauna und Flora aufzeigt.

Sobald es wärmer wird, erblühen die prächtigsten Pflanzen der Streuwiesen, die Sibirische Schwertlilien, gleich einem blauen Blütenmeer. Ab der Flur Grund geht man nach dem Bauernhof links und findet nun leicht zurück zur Hauptstraße, mit seinen Bücken über den Aukanal ein naturnaher Abschluss einer flachen, gemütlichen Rundwanderung.

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Hertha Glück

Die Besonderheit der Moore

Insgesamt 300 registrierte Pflanzenarten gibt es im Koblacher Ried und davon sind 72 in Vorarl­berg oder Österreich gefährdet. Das Überleben zahlreicher Tierarten ist an den Schutz der Natur in den Streuwiesen gebunden.
Im Koblacher Ried sind über 90 Hektar Streuwiesen erhalten. Es sind die Reste der einst großen Rheintalmoore, die nach dem Ende der letzten Eiszeit vor 12.000 Jahren entstanden sind. Jahrzehntelang wurde Torf gestochen. Streuwiesen werden nicht gedüngt und erst im Herbst gemäht. Die Tierwelt profitiert von der Pflege. Schmetterlinge, Käfer und Wildbienen finden hier ausreichend Nektar. Junge Rehe und Hasen sind wie die Küken der Wiesenvögel darauf angewiesen, dass nicht zu früh gemäht wird. Besonders schützenswert sind Braunkehlchen, Neuntöter und die Wespenspinne sowie der Duftlauch, Sumpfgladiole, Gilbweiderich, Kleines Knabenkraut und Sibirische Schwertlilie.

Seit 2011 arbeiten die „Schollasteacher“ mit der Gruppe „Natur z’ Kobla“ zusammen für die Erhaltung, Entwicklung und Vermittlung der Natur- und Kulturwerte in Koblach. Etwa 140 Jahre lang wurde in Koblach zwischen Birken und Schlosswald, vom Kohlplatz über Broma bis zur Dürne Torf abgebaut. 1970 wurde das letzte Schollaloch geschlossen. Fünf Jahre später wurde die Faschingsgilde „Schollasteacher“ gegründet, die die Tradition aufrechterhält.
Die ruhige Lage am Südhang des Kummenberges und die landschaftliche Attraktivität zwischen Rhein und Götzis machen Koblach zu einer beliebten Wohngemeinde.

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Hertha Glück

Blumenkunde

Gemeines Lauchkraut, „Alliaria“ vom lat. allium = Knoblauch, ebenso wie der deutsche Name wegen des Geruchs lat. „petiolatus“ = mit gestieltem Blatt. Liebt Wald – und Gebüschsäume, Hecken, Zäune, beschattete Wegränder auf frischen, nährstoffreichen und lockeren Lehmböden. Auch in Astgabeln von Bäumen wachsend. Es ist eine alte Heil- und Salatpflanze der Bauerngärten. Die zerkleinerten Blätter eignen sich ebenso wie die Samen zum Würzen von Speisen.

Blumenkunde: Gemeines Lauchkrau <span class="copyright">Hertha Glück</span>
Blumenkunde: Gemeines Lauchkrau Hertha Glück

Quellen: koblach.at, Natur z’ Kobla, Taschenlexikon der Pflanzen, Ruprecht Düll/Herfried Kutzelnigg, Quelle & Meyer

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