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Drei Promille in nur eineinhalb Stunden

17.05.2021 • 21:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Trotzdem sahen Richter keinen Nachweis für Alkoholisierung von Autofahrerin bei Kollision mit Passantin. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Trotzdem sahen Richter keinen Nachweis für Alkoholisierung von Autofahrerin bei Kollision mit Passantin. Klaus Hartinger

Eineinhalb Stunden nach Unfall maß Polizei 3,02 Promille.

Ein Vortest der Polizei eineinhalb Stunden nach dem Verkehrsunfall ergab bei der beschuldigten Autofahrerin eine Alkoholisierung von 3,02 Promille. Dennoch gingen die Strafrichter in erster und zweiter Instanz davon aus, dass die 40-Jährige zum Unfallzeitpunkt nicht alkoholisiert war.

Im Zweifel freigesprochen

Vom Vorwurf der Gefährdung der körperlichen Sicherheit wurde die Angeklagte auch in der Berufungsverhandlung am Montag am Landesgericht Feldkirch im Zweifel freigesprochen. Das Urteil ist rechtskräftig. Der Berufungssenat unter dem Vorsitz von Landesgerichtspräsidentin Angelika Prechtl-Marte bestätigte damit den am 18. August 2020 am Bezirksgericht Feldkirch ergangenen Freispruch.

Die 40-jährige Pkw-Lenkerin hatte am 1. Dezember 2019 gegen 13.45 Uhr in Altach eine Fußgängerin angefahren. Die Passantin blieb bei der Kollision glücklicherweise unverletzt.

Nach Unfall getrunken

Die Autofahrerin gab vor der Polizei an, sie habe vor dem Unfall keinen Alkohol getrunken gehabt. Erst nach dem Zusammenstoß mit der Fußgängerin habe sie in ihrer Aufregung reichlich Alkohol konsumiert.

Die Angaben der Beschuldigten waren nach Ansicht der Strafrichter nicht zu widerlegen. Zumal die Fußgängerin und ein weiterer Zeuge zu Protokoll gaben, sie hätten bei der Fahrzeuglenkerin keinen Alkoholgeruch wahrgenommen. Die angefahrene Passantin und die Autofahrerin hatten einander nach dem glimpflich verlaufenen Unfall erleichtert umarmt.

Nicht möglich

Der Schuldberufung der Staatsanwaltschaft wurde in der Berufungsverhandlung keine Folge gegeben. Der Leitende Staatsanwalt Wilfried Siegele hat am Montag in zweiter Instanz damit argumentiert, es sei nicht möglich, dass sich die Beschuldigte in eineinhalb Stunden 3,02 Promille angetrunken habe. Möglich gewesen wäre allenfalls ein Promille. Die Autofahrerin sei beim Unfall erheblich alkoholisiert gewesen und habe deswegen die Fußgängerin übersehen.

Aussagekraft beschränkt

Richterin Prechtl-Marte erwiderte in ihrer Urteilsbegründung, die Staatsanwaltschaft stütze ihre Schuldberufung nur auf die angebliche Alkoholisierung. Die Aussagekraft von Alkoholvortests sei aber eine beschränkte. Zudem sei der Autofahrerin, selbst wenn sie alkoholisiert gewesen sein sollte, kein Sorgfaltsverstoß etwa mit mangelnder Aufmerksamkeit und zu spätem Bremsen nachzuweisen. Zumal nicht feststellbar sei, in welcher Entfernung die Pkw-Lenkerin die Fußgängerin zum ersten Mal sehen musste.

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