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Erbstreit mit Rangelei: Neffe gegen Tante

24.05.2021 • 21:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Erbstreit mit Rangelei: Neffe gegen Tante

Freispruch in zweiter Instanz, weil unklar blieb, wer damit angefangen hat.

Ein Verlassenschaftsverfahren im Bezirk Bregenz eskalierte im Juni 2019 bei einer Befundaufnahme mit einem Vermögen schätzenden Gutachter auf einem Bauernhof. Es kam nach den gerichtlichen Feststellungen nicht nur zu einer verbalen, sondern letztlich auch zu einer körperlichen Auseinandersetzung zwischen dem Neffen und seiner um 17 Jahre älteren Tante. Bei dem Handgemenge wurden sowohl der Sohn des Verstorbenen als auch die Schwester des Erblassers leicht verletzt.

Teilbedingte Geldstrafe

Die beiden Verwandten wurden wegen wechselseitiger Körperverletzung angeklagt. Dafür wurden die Angeklagten bei der Strafverhandlung am Bezirksgericht Bezau jeweils zu einer teilbedingten Geldstrafe von 80 Tagessätzen verurteilt. Für den gut verdienenden Erstangeklagten betrug die Geldstrafe 1680 Euro (80 Tagessätze zu je 21 Euro), davon 840 Euro unbedingt, für die Zweitangeklagte 320 Euro (80 Tagessätze à 4 Euro), davon 160 Euro unbedingt. Zudem beschloss das Bezirksgericht, der heute 45-jährige Neffe müsse seiner 62-jährigen Tante als Schmerzengeld 1500 Euro zukommen lassen und sie ihm 100 Euro.

Ersturteil aufgehoben

Die von Christina Lindner und Chris­toph Eberle verteidigten Angeklagten bekämpften das erstinstanzliche Urteil, mit Erfolg. Bei der Berufungsverhandlung am Landesgericht Feldkirch wurden die beiden Angeklagten jetzt im Zweifel rechtskräftig freigesprochen. Ihren Schuldberufungen wurde Folge gegeben. Das Ersturteil wurde aufgehoben.

Es lasse sich nicht feststellen, wer den anderen bei der Rangelei zuerst angegriffen habe, sagte Richterin Angelika Prechtl-Marte als Vorsitzende des Berufungssenats in ihrer Urteilsbegründung. Deshalb sei auch nicht feststellbar, wer sich in angemessener Notwehr verteidigt habe. Jeder der beiden Angeklagten berief sich auf Notwehr und behauptete, der jeweils andere habe mit den Handgreiflichkeiten begonnen. Jede der beiden Versionen sei möglich, aber nicht miteinander vereinbar, merkte Landesgerichtspräsidentin Prechtl-Marte an.

Keine objektive Aussage

Einer Zeugin sei deshalb keine erhöhte Glaubwürdigkeit zugekommen, weil sie die Lebensgefährtin des Erstangeklagten sei. Der wahrscheinlich einzige objektive Zeuge habe zur Wahrheitsfindung nichts beigetragen. Dabei handelt es sich um den von den Verteidigern kritisierten Sachverständigen, der als Zeuge an­gab, er sei zwar vor Ort gewesen, habe die Rangelei zwischen den Verwandten aber dennoch nicht mitbekommen.

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