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Zwentendorf: Das Innere des Werkes

25.05.2021 • 14:02 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das Atomkraftwerk in Zwentendorf wurde zwar fertiggestellt, aber nie in Betrieb genommen
Das Atomkraftwerk in Zwentendorf wurde zwar fertiggestellt, aber nie in Betrieb genommen Juergen Fuchs

Die Inbetriebnahme des Atomkraftwerk wurde gerade noch verhindert.

Tick. Tack. Die Zeit läuft. 20 Minuten hätten Mitarbeiter in dem kleinen Raum im AKW Zwentendorf verbringen dürfen. Warum? Stefan Zach von der EVN deutet mit seinem rechten Zeigefinger nach oben. Direkt über dem Raum hätte sich der Reaktor befunden.

Gänsehaut steigt auf

Beinahe ehrfürchtig wandert der Blick von den Kabeln, Messgeräten und in Plastik eingeschweißten Kabeln hinauf zu einem Meer aus Rohren. Unweigerlich steigt die Gänsehaut auf. „Hier wäre es sehr heiß und sehr strahlenintensiv gewesen. Deshalb wäre der Raum auch unter Unterdruck gestanden“, erklärt er.

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Hinein und hinaus gelangt man nur durch zwei aufeinanderfolgende, bullaugenförmige Türen. Obwohl das Atomkraftwerk nie in Betrieb genommen wurde, ist die Strahlkraft der Geschichte deutlich spürbar. „Es ist ein Monument des permanenten österreichischen Scheiterns. Vieles, was geplant war, scheiterte, und das auch noch nach der bekannten Volksabstimmung“, erzählt Zach, während er die Stiegen hinaufgeht. Neben der Idee eines Freizeitparks, einem Museum löste sich auch der Vorschlag einer senkrechten Bestattung – man wollte Verstorbene in Glassäulen aufstellen – laut Zach in Luft auf. Ein Hollywoodfilmprojekt hätte ebenfalls teilweise hier gedreht werden sollen. Doch auch hier gab es kein Happy End, sondern einen Rechtsstreit.

Der Weg ist verwinkelt, kaltes Industrielicht fällt von den Decken. Überall Treppen, Abzweigungen, Türen, vereinzelt Stufen direkt in den Türstöcken. Es herrscht Totenstille. Zusammenbleiben und nicht verloren gehen ist laut Zach oberstes Gebot. Das Werk hat über 1050 Räume. „Im Inneren des Stahlbehälters muss sich übrigens auch der beste Handynetzanbieter geschlagen geben“, schmunzelt der Leiter für Information und Kommunikation der EVN.

In dem stählernen Irrgarten öffnet sich auf rund 39 Meter Höhe hinter einer Tür die Turbinenhalle. „Da unten wäre der Reaktor gewesen“, sagt Zach und deutet auf ein mehrere Meter tiefes Loch im Boden eines Beckens. Dahinter befindet sich ein kleineres Betonbecken, ähnlich einem ausgelassenen Sportbecken. Dort wären die verbrauchten Brennstäbe mehrere Jahre zwischengelagert worden, bis sie einen Strahlungswert aufgewiesen hätten, der es erlaubt hätte, sie in ein Lager zu transportieren. Ein teilweise geöffnetes Brennelement steht zur Veranschaulichung in der Halle. Langsam fährt Zach mit den Fingern über die darin eingebauten Brennstäbe. „49 solcher Brennstäbe befinden sich in einem Brennelement. Fingerdicke Uranpellets sind in einem Brennstab“, erklärt er und hält seinen Zeigefinger daneben.

“Das berühmte rote Telefon”

Ein paar Abzweigungen und Treppen weiter geht es zum Schaltraum. Die kalte Luft im Stahlgehäuse, Industrielicht, der Geruch von Metall und das teilweise skurrile Bild eines geschichtlichen Skeletts weichen Zimmertemperatur, Tageslicht, dem Geruch von altem Papier und einer Büroszenerie. Glasdeckel schützen die technischen Geräte, die Tastatur eines Computers wurde zur Vorsicht an den Tisch geklebt. Neben dem am größten angelegten Arbeitsplatz stehen vier Telefone. „Das hier ist das berühmte rote Telefon. Die direkte Verbindung zur Regierung, wenn es im Kraftwerk zu einem Notfall gekommen wäre“, erklärt Zach und hebt den Hörer, an dem bereits die Farbe abblättert, ab. Er dreht symbolisch die Wählscheibe. „In so einem Fall tickt die Uhr.“ Tick. Tack.

Daten und Fakten

Am 11. November 1969 wurde der Bau des Kraftwerks genehmigt. Projektbeginn war 1970. Der Plan: ein Siedewasserreaktor mit einer Nettoleistung von 692 Megawatt.
Kostenpunkt: 5,2 Milliarden Schilling.
Nach der Errichtung des Atomkraftwerks gab es am 5. November 1978 eine Volksabstimmung. Das Ergebnis: Mehrheitlich wurde die Inbetriebnahme abgelehnt.

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