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Tankstellen sind nach wie vor am Kämpfen

26.05.2021 • 20:16 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
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Hartinger

Pandemie setzt Tankstellenbesitzern zu. Nun hofft man auf den Sommer.


Mitte November hatte die NEUE bei Tankstellenbetreibern im Land nachgefragt, um herauszufinden, wie es der Branche im Lockdown geht. Damals sprachen Spartenobfrau Petra Girardi, Obfrau der Garagen-, Tankstellen- und Serviceunternehmungen und Fachgruppengeschäftsführer der Wirtschaftskammer der Sparte, Gerhard Amann, von einer exis­tenzbedrohenden Situa­tion. Heute sagt Girardi: „Wir denken positiv und hoffen auf einen guten Sommer. Bei vielen Betreibern ist die Stimmung aber nach wie vor gedrückt, das ändert sich nicht von heute auf morgen. Unsere Umsatzeinbußen liegen bei rund 40 Prozent im Vergleich zu vor Corona. Selbstverständlich ist nichts mehr, längerfristig zu planen traue ich mich zum Beispiel nicht mehr. Wir werden es eben aussitzen müssen.“

Keine spontanen Fahrten

Girardi betreibt die Jet-Tankstelle in Dornbirn, und bei der Arbeit spricht sie viel mit ihren Kunden. Der Mensch sei ein Gewohnheitstier, schlussfolgert sie: Sie höre von vielen, dass sie inzwischen gewohnheitsmäßig nach der Arbeit nach Hause fah­ren, keine Ausflüge oder spontane Fahrten in die Stadt mehr unternehmen. Das macht sich auch bei der Tankfüllstandsanzeige bemerkbar. Es werde Zeit brauchen, bis die Bevölkerung sich umgestellt habe.
„Am Muttertag hatten wir schönes Wetter, auch das schlägt für uns gleich im positiven Sinne zu Buche, dann machen die Menschen viel mehr Ausflüge und Besuche. Für Pfingsten hatten wir uns ähnliches erhofft – leider war da das Wetter nicht gut.“ Noch seien die Menschen insgesamt sehr zurückhaltend, auch an den Zapfsäulen.

Petra Girardi besitzt die Jet-Tankstelle in Dornbirn. <span class="copyright">Hartinger</span>
Petra Girardi besitzt die Jet-Tankstelle in Dornbirn. Hartinger

„Besonders schlimm ist die Situation an den grenznahen Tankstellen, vor allem an der Grenze zu Deutschland. Wir haben dort normalerweise viele Tanktouristen, weil der Kraftstoff im Vergleich bis zu 30 Cent pro Liter günstiger ist. Den grenznahen Tankstellen ist bis zu 90 Prozent ihres Umsatzes weggebrochen.“ Trotzdem, einen Konkurs eines Tankstellenpächters gebe es in Vorarlberg bisher noch nicht.
Der eingebrochene Tourismus bleibt jedoch ein Problem für die Betreiber. Hinzu kommen neue Verträge vonseiten der Tankstellen-Konzerne. „Es wird intern sehr viel umstrukturiert, wir bekommen neue Verträge, die unsere sowieso schon geringen Margen weiter schmälern“, erklärt Girardi. Angespannt ist die Situation also nach wie vor – auch für die Mitarbeiter. Sie könne nicht einfach Mitarbeitern kündigen, die dann, wenn das Geschäft anläuft und sie diese dringend braucht, nicht mehr verfügbar seien. Und Kurzarbeit bedeute etwa für Alleinerziehende oder junge Frauen gerade das Geld weniger, das sie dringend bräuchten, um rumzukommen.

Grenznahe Tankstellen haben es besonders schwer. <span class="copyright">Hartinger</span>
Grenznahe Tankstellen haben es besonders schwer. Hartinger

Verdacht der Schikane

Zu ihr kommen umgekehrt aber auch Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aus dem Gastronomiebereich, denen die reine Hoffnung auf offene Gasthäuser mittlerweile zu wenig Perspektive ist und die diese unter anderem als Angestellte in den Tankstellen-Shops suchen.
„Wir hoffen insgesamt auf die wärmere Jahreszeit, die ja auch Reisezeit ist. Dass die Menschen da unterwegs sein können ohne größere Bürokratie.“ A propos Bürokratie: Den Leuten würde die Zettelwirtschaft inzwischen auf die Nerven gehen. Einmal hat die Tankstellenbetreiberin erlebt, dass ein deutscher Autolenker zu ihr tanken fahren wollte, er aber von Ordnungshütern verfolgt worden sei bis zur Zapfsäule. Seine Papiere wollten sie sehen. „Wenn unsere Polizei nichts anderes zu tun hat, als derartige Personen- und Pkw-Kontrollen durchzuführen, dann reden wir da nicht mehr über eine Pandemie, sondern über Schikane“, ärgert sich die Spartenobfrau.
Immerhin, „von oben“ kam auch Gutes. Im November und Dezember haben die Betreiber Umsatzrückvergütungen bekommen, also das erstattet, was ihnen an Umsätzen durch die Lappen gegangen war. „Aber als Tankstellen sind wir System­erhalter und müssen offenhalten. Mancher Kollege hätte lieber zugesperrt, weil sich das Offenhalten nicht rentiert hat. Besonders die Abendstunden sind in unserem Bereich immer noch zäh, und es ist mühsam, sich zurückzukämpfen.“ Aber Petra Girardi und auch ihre Kolleginnen und Kollegen hoffen darauf, dass die Situation sich ab Juni deutlich entspannt und so etwas wie Normalität zurückkehren kann.

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