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Unabhängigkeit bei Masken-Filtervlies

26.05.2021 • 20:06 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Im Millennium Park 15 wird das Vlies produziert werden. <span class="copyright">Hartinger</span>
Im Millennium Park 15 wird das Vlies produziert werden. Hartinger

Die Grabher Group nimmt 5,6 Millionen Euro teure Anlage in Betrieb.

Maschinen zur Herstellung von hochwertigem Filtervlies im sogenannten Meltblown-Verfahren, das unter anderem zur Produktion von OP-Masken sowie FFP2- und FFP3-Masken verwendet wird, gehören in Zeiten der Pandemie-Bekämpfung zu den wohl gefragtesten Anlagen. Das haben die massiven internationalen Engpässe bei Masken-Filtervlies im Frühjahr 2020 mit diversen Exportbeschränkungen gezeigt.
Ab Oktober 2021 wäre Österreich im erneuten Bedarfsfall diesbezüglich jedoch autonom. Denn zu diesem Zeitpunkt nimmt die Lustenauer Textilfirmengruppe Grabher Group die nach eigenen Angaben einzige diesbezügliche Produktionsanlage Österreichs im Millennium Park 15 in Betrieb. Wie international gefragt diese Anlagen seien, zeige die lange Lieferzeit. „Wir haben die Maschine vor über einem Jahr bestellt“, erklärt Grabher Group-Geschäftsführer Günter Grabher im wpa-Gespräch.

Österreichs Bedarf wäre gedeckt

Hergestellt und nach Lustenau geliefert wird die rund 5,6 Millionen Euro teure Anlage vom deutschen Maschinenbauer Reifenhäuser-Reicofil in Troisdorf (NRW). Nach Angaben von Grabher sei die Maschine 27 Meter lang, 24 Meter breit und elf Meter hoch. Aufbau und Installation vor Ort dauern rund zwei Monate. Die Anlage könne pro Stunde bis zu 60 Kilogramm Polypropylen (das zum Beispiel von Borealis aus Österreich geliefert wird) schmelzen, woraus in weiterer Folge ein 2500 Meter langes und 1,5 Meter breites Meltblown-Vlies hergestellt werde. „Pro Tag sind wir damit in der Lage, die benötigte Vlies-Menge für vier Millionen FFP2-Masken zu produzieren.“ Damit könne man den gesamten österreichischen Bedarf an Meltblown-Vlies für Masken mit unterschiedlicher Filterstufe problemlos abdecken. Bislang musste das Vlies aus Deutschland bezogen werden.

Hochwertige OP-Masken

Allerdings ist man sich auch bei der Grabher Group bewusst, dass der Bedarf an FFP2-Masken in naher Zukunft möglicherweise rückläufig ist. Deshalb konzentriere man sich einerseits vermehrt auf die Herstellung von medizinisch geprüften und hochwertigen OP-Masken, bei denen das gleiche Filtervlies verwendet wird. Dafür habe man auch schon die Bewilligung erhalten. Für diesen Zweck gebe es am neuen Standort im Millennium Park 15 dann auch zwei Anlagen zur eigentlichen Maskenproduktion, so Grabher.
Andererseits wolle man sich mit dem Meltblown-Filtervlies auch auf Luft- und Wasserfilter in unterschiedlichsten Anwendungsbereichen fokussieren. Dazu gehören etwa Luftreinigungsanlagen in Schulen oder an Veranstaltungsorten. „Diese Vliese können dort überall eingesetzt werden, gleich wie in den Lüftungsanlagen von Autos“, erläutert Grabher. Je mehr Lagen man übereinander gebe, desto höher falle die Filterleis­tung aus.

Neue Möglichkeiten

Abgesehen davon gebe es jedoch noch einen weiteren Beweggrund zur Anschaffung dieser Großanlage. „Wir sehen in der Kombination des Meltblown-Verfahrens und der Niederdruckplasma-Technologie, die wir schon einsetzen, die Möglichkeit, eine völlig neue Generation von Filtermaterial herzustellen.“ Dabei gehe es um eine höhere Haltbarkeit, einen höheren Filtergrad sowie eine länger anhaltende ­elektrostatische Aufladung der Vliese. Zudem könne man antibakterielle Schichten aufbringen.

Zur Bedienung der neuen Meltblown-Anlage wird die Grabher Günter Textilveredelungs GmbH, die zur Grabher Group gehört, ihren Personalstand von 17 auf beinahe 40 Mitarbeiter erhöhen. „Wir benötigen 20 Mitarbeiter unter anderem für die Produktion und das Labor, da Vliese und Masken aufwändig geprüft werden müssen.“ Zeitgleich werde auch die Firmenzentrale in den Millennium Park 15 verlegt, wo ein Bürotrakt an die Produktionshalle angeschlossen ist.

Günther Bitschnau/wpa

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