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Nachtgastro als Ausnahme

29.05.2021 • 20:02 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
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Wallner über Maskenpflicht an Schulen und die Nachtgastronomie.

Es wird weiter geöffnet. Ist die Pandemie jetzt plötzlich vorbei?
Wallner:
Nein, das ist sie nicht. Das Impfen und Testen haben dazu beigetragen, dass die Pandemie eingebremst wurde, aber es ist noch nicht vorüber. Wir sind auf einem guten Weg.

Es wird jetzt schon verkündet, dass es ab 1. Juli einen normalen Sommer geben wird. Wenn man das jetzt schon weiß, wieso wird nicht schon ab dem 10. Juni alles geöffnet?
Wallner:
Das wäre noch etwas zu früh, und man muss sich vorsichtig vorantasten. In Vorarlberg haben wir bewiesen, dass mit kontrollierten Öffnungsschritten gute Ergebnisse erzielt werden. Mit Hilfe der 3G-Regel ist es aber möglich, ab 1. Juli weitere Öffnungen zu setzen.

Das Virus bleibt. Warum sind die großen Abstände wie beim Freizeitsport oder in der Gastronomie plötzlich nicht mehr nötig?
Wallner:
Es ist an mehreren Punkten festzumachen. Die Inzidenzzahlen gehen zurück. Weiter haben Inzidenzen und Intensivbetten überhaupt keinen Zusammenhang mehr. Die Bettenbelegungen in den Spitäler gehen außerdem zurück, und wir sind weit weg von einer überhöhten Belastung. Die Testkapazitäten sind vorhanden, die Absonderungsstrategie und Kontaktnachverfolgung sind digitalisiert. Das hat sich sehr verbessert. Die höhere Durchimpfung, die bald in Richtung 70 Prozent gehen wird, minimiert das Risiko einer Ansteckung stark.

Die Abstände in der Gastronimoe werden verringert. <span class="copyright">Hartinger</span>
Die Abstände in der Gastronimoe werden verringert. Hartinger

Gibt es Studien, die das belegen?
Wallner:
Vergleiche aus den USA besagen, dass bei einer Vollimmunisierung von 40 Prozent auch auf Abstandsregelungen und Masken verzichtet werden kann. Trotzdem muss man Vernunft walten lassen, denn Genaueres wissen wir noch nicht. Es ist ein Appell an die Vernunft, den Hausverstand nicht vollkommen auszuschalten.

Welchen virologischen Unterschied macht es, ob die Sperrstunde bei 24 Uhr oder 2 Uhr liegt? Für die Nachtgastronomie sind diese zwei Stunden nämlich durchaus entscheidend?
Wallner:
Stimmt, im Grunde besteht darin kein Unterschied, und daher besteht die Möglichkeit, ab 1. Juli de Sperrstunde völlig aufzuheben. Das bedeutet aber nicht, dass die Nachtgastronomie dann auch gänzlich öffnen kann. Das ist nochmals ein eigenes Kapitel. Es geht vor allem um die Diskotheken und die Bewegung, die dort stattfindet. Die Kontakte sind dort intensiver als in einem Speiserestaurant. Daher würde ich die Nachtgastronomie nochmals extra behandeln.

Landeshauptmann Markus Wallner. <span class="copyright">Hartinger</span>
Landeshauptmann Markus Wallner. Hartinger

Können Sie der Branche eine Perspektive geben?
Wallner:
Der derzeitige Plan ist es, spätestens Ende Juli auch in diesem Bereich Öffnungen vorzunehmen. Genau fixiert ist es noch nicht, weitere Gespräche stehen an. Entscheidend ist, dass auch in der Nachtgastronomie die 3G-Regel konsequent umgesetzt werden kann und dass wir eine höhere Durchimpfungsrate für die Jungen erreichen.

Für die Branche, die seit eineinhalb Jahren geschlossen hat, ist das sehr hart. Gibt es Überlegungen für weitere Unterstützungsmaßnahmen?
Wallner:
Der Bund bemüht sich sehr, und die Wirtschaftshilfen für diese Branche werden alle beibehalten, bis eine vollständige Öffnung möglich ist. Sobald es die Infektionslage zulässt, muss es zur Öffnung kommen. Aber dort sind wir noch nicht angekommen.

Was ist mit den Schulen? Müssen die Kinder weiter Masken tragen?
Wallner:
Ja, bis zum Schulschluss gibt es keine Änderung, und die Schülerinnen und Schüler werden weiter die Masken tragen müssen. Die Gruppe muss sich dreimal die Woche testen lassen und hatte bisher noch kein Impfangebot. Damit ist sie de facto am wenigsten geschützt. Das Impfangebot für die 12- bis 16-Jährigen kommt. Es gibt in etwa 16.800 Impfberechtigte in diesem Alter. 2000 haben sich für eine Impfung vormerken lassen. Ich gehe davon aus, dass wir vor Schulschluss noch ins Impfen kommen.

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Hartinger

Warum sollten sich Kinder im Alter zwischen 12 und 16 Jahren impfen lassen, wenn die Symptome der Krankheit bei ihnen nicht so deutlich zu spüren sind?
Wallner:
Eine Infektion bei Jugendlichen würde ich dennoch nicht unterschätzen. Zumal die Fragen zu Long Covid nicht geklärt sind. Es haben alle Bevölkerungsgruppen das Recht auf den Schutz ihrer Gesundheit, und wenn der Impfstoff zuge­lassen ist, sollten wir diese Möglichkeit einer Impfung auch eröffnen. Es ist eine Abklärung mit dem Kinderarzt aber sicherlich zu empfehlen.

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Warum dürfen Fußballer ohne Masken spielen, Tore feiern und in der Kabine zusammensitzen, aber Schüler in den Klassenzimmern nicht?
Wallner:
Es wurde der Empfehlung der Experten gefolgt. Zumal Schülerinnen und Schüler die Infektionen schnell weitertragen, selbst wenn ihre Symp­tome nicht sehr stark sind. Es ist weniger die Frage, ob sich die Kinder untereinander anstecken, als vielmehr, wie können wir das Schulsystem so sicher machen, dass es kein Ort der Weiterverbreitung ist.

Es wurden über viele Monate gratis Tests angeboten. Aber gratis sind sie schlussendlich ja nur auf dem Papier. Was kostet dieses Testangebot, und wer bezahlt das letztlich?
Wallner:
Die öffentlichen Ausgaben durch die Pandemie gehen in den zweistelligen Millionenbereich, insbesondere das Testangebot erzeugt hohe Kosten. Das wird auf die Steuerzahler zukommen. Allerdings ist das Testen für die Pandemiebekämpfung essenziell. Eine länger andauernde Pandemie wäre weitaus kostspieliger geworden. Weitere Lockdowns, Arbeitsplatzverluste und Wirtschaftshilfen hätten ein Vielfaches gekostet.

Der grüne Pass ist umstritten. Gegner sprechen von Impfzwang durch die Hintertür, wobei Sie immer betont haben, es wird keine Impfpflicht geben.
Wallner:
Das Impfen bleibt eine persönliche Entscheidung. Es muss auch jedem bewusst sein, dass er das Risiko einer Erkrankung eingeht. Die 3G-Regel ermöglicht es, dass Getestete und Genesene die gleichen Rechte haben wie Geimpfte. Man wird sich auch immer testen lassen können, allerdings wird es nicht bis in alle Ewigkeiten ein ­Angebot an Gratistests geben. Sobald genügend Impfstoff da ist, dass sich alle Impfberechtigten auch impfen lassen können, geht es in die Eigenverantwortung über.