Allgemein

Gaisch ist zurück an der Spitze

01.06.2021 • 12:25 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Alexander Gaisch ist seit 2012 stellvertretender Polizeidirektor der Steiermark
Alexander Gaisch ist seit 2012 stellvertretender Polizeidirektor der Steiermark Harry Stuhlhofer

Der steirische Polizei-Hofrat bekommt eine „zweite Chance“.

Die Führungskräfte in der Landespolizeidirektion Steiermark werden in der Früh in einer Videkonferenz informiert, alle anderen Mitarbeiter erhalten eine Mail. Darin erfahren sie offiziell: Alexander Gaisch ist ab heute wieder zurück in seiner Funktion als stellvertretender Landespolizeidirektor. Nach der „Notruf-Affäre“ Ende November 2019 drohte der Nummer zwei in der steirischen Polizeihierarchie das abrupte Karriereende, nun bekommt er „eine zweite Chance“, wie es heißt.

Das Telefonat, das die Affäre ausgelöst hatte, erlangte österreichweite Bekanntheit. Gaisch wollte im September 2019 ein illegales Feuerwerk nahe seines Privathauses südlich von Graz anzeigen, sein Anruf wurde in die Landesleitzentrale der Polizei umgeleitet. Der junge diensthabende Beamte erkannte seinen Vorgesetzten nicht gleich, Gaisch drohte, ihm „die Wadl’n vire zu richten.“ Erst drei Monate später wurde der Mitschnitt des Gesprächs an die Öffentlichkeit gespielt, der Polizei-Hofrat daraufhin von seiner Position abgezogen und zum Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl, Außenstelle Leoben, „strafversetzt“.

Steile Karriere

Alexander Gaisch wurde 1967 geboren, 1986 trat er in Graz in die Sicherheitswache ein.

Er war fünf Jahre lang Leiter des Landesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (LVT) Steiermark und wurde 2011 mit 43 Jahren Grazer Polizeidirektor.

Eineinhalb Jahre später wurde er stellvertretender Landespolizeidirektor der Steiermark.

Damit nicht genug. Die Staatsanwaltschaft Klagenfurt ermittelte wegen versuchter Nötigung gegen den Top-Beamten. Das Verfahren wurde aber gegen Bezahlung einer Diversion eingestellt, Gaisch nahm das Angebot (kolportierte Höhe: 6000 Euro) umgehend an. Das Disziplinarverfahren des Bundes gegen Alexander Gaisch endete im März ebenfalls mit einer Geldbuße – damit kam der 54-Jährige alles in allem relativ glimpflich davon.

Gaisch, Komericky, Ortner
Das Führungstrio der steirischen Polizei: Direktor Gerald Ortner (rechts) und seine Stellvertreter Manfred Komericky und Alexander GaischKleine Zeitung

Öffentlich war Gaisch seit der Affäre nicht mehr aufgetreten. Im Zuge der Diversion teilte er jedoch in einer schriftlichen Stellungnahme sein Bedauern mit: „Ich übernehme volle Verantwortung für mein Verhalten und möchte öffentlich alle Bürgerinnen und Bürger sowie den betroffenen Kollegen um Entschuldigung bitten.“

Schwierige Abwägung

Nun lag der Ball bei der Landespolizeidirektion Steiermark. Deren Chef Gerald Ortner musste entscheiden, wie er mit der heiklen Personalie weiter umgeht. Es wurden alle Aspekte abgewogen, die für oder gegen eine Rückkehr des Spitzenbeamten in seine alte Funktion sprechen. Seine 35-jährige Berufserfahrung, seine fachliche Eignung, seine persönlichen Fähigkeiten und eine „positive Zukunftsprognose“ sprachen letztlich für den Grazer. Sein schwerwiegendes Fehlverhalten und offensichtliche Defizite in der Mitarbeiter- und Menschenführung standen auf der anderen Seite. Gaisch habe sich aber mehrfach und aufrichtig sowohl beim betroffenen Mitarbeiter als auch bei Vorgesetzten und Kollegen entschuldigt und sei für seinen schweren Fehler eingestanden, heißt es.

Was noch als mildernder Umstand angerechnet wird: die öffentliche Schmähung. Der Tonmitschnitt mit den deftigen Worten hatte es in sämtliche Nachrichten- und Comedysendungen geschafft, die „Wadln“ wurden nahezu ikonisch.

Gaisch meldet sich zu Wort

In der steirischen Polizeispitze weiß man aber auch, dass man heute nicht einfach zur Tagesordnung übergehen kann. Gaisch werde sich sukzessive wieder in seine Tätigkeit einarbeiten (Geschäftsbereich B, Verfahren und Support), es werde auch „begleitende Maßnahmen“ geben. Einen weiteren Ausrutscher kann er sich jedenfalls nicht erlauben.

Der Polizei-Hofrat wird sich vermutlich heute erstmals öffentlich zu seinem Fall äußern. Die Landespolizeidirektion hat die Presse zu einem Gespräch geladen.