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„Man kann die Kinder ja nicht anbinden“

01.06.2021 • 20:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
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SYMBOLBILD/SHUTTERSTOCK

Prozess gegen Stadt. Bub soll im Kindergarten Mädchen verletzt haben.

“Man kann die Kinder ja nicht anbinden”, sagte Beklagtenvertreter Christian Hopp während der Verhandlung am Dienstag am Bezirksgericht Feldkirch. Damit reagierte der Anwalt der beklagten Stadt Feldkirch auf Vorwürfe von Klagsvertreter Clemens Achammer, die Kindergärtnerinnen seien ihrer Aufsichtspflicht nicht nachgekommen.

Achammer ist der Anwalt der minderjährigen Klägerin, die in dem anhängigen Zivilprozess von der Stadt Feldkirch 7650 Euro Schadenersatz und die Haftung für allfällige künftige Schäden fordert. Denn die damals vierjährige Klägerin soll im September 2018 in einem städtischen Kindergarten in Feldkirch von einem fünfjährigen Buben geschlagen, gewürgt und gekratzt und dabei körperlich und seelisch verletzt worden sein.

Mehrere Mütter im Zeugenstand

In der Klage wird die Stadt als Betreiberin des Kindergartens für den Vorfall verantwortlich gemacht: Die Kindergärtnerinnen hätten ihre Aufsichtspflicht verletzt. Denn die Pädagoginnen hätten nichts unternommen, obwohl der Bub im Kindergarten bereits zuvor aggressiv gegenüber anderen Kindern gewesen sei. Die beklagte Stadt bestreitet die Vorwürfe: Die Kindergärtnerinnen hätten im Rahmen ihrer Möglichkeiten Maßnahmen gesetzt.

Bezirksrichterin Katharina Spiß hat in dem Zivilprozess noch kein Urteil gefällt. In der Verhandlung am Dienstag sagten mehrere Mütter aus, deren Töchter den betroffenen Kindergarten besucht haben. Die Zeuginnen gaben zu Protokoll, der Bub der Kindergartengruppe habe sich vor und nach dem in der Klage beschriebenen Vorfall auch gegen ihre kleinen Töchter gewalttätig verhalten. Er habe sie geschlagen, gewürgt, festgehalten und gegen ihren Willen geküsst. Kindergärtnerinnen seien darüber informiert gewesen.
Eine Zeugin sagte vor Gericht, ihre Tochter habe ihr berichtet, der Bub habe ein anderes Mädchen so geschlagen, dass es tot sei. Das Mädchen sei aber nicht tot gewesen, sondern verletzt.