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“Ein Anstieg wird sicher kommen”

04.06.2021 • 20:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
85 Prozent der Privatkonkurse im Land werden von der ifs-Schuldenberatung begleitet. <span class="copyright">Symbolbild apa</span>
85 Prozent der Privatkonkurse im Land werden von der ifs-Schuldenberatung begleitet. Symbolbild apa

Es kommt ein neues Insolvenzrecht mit verkürzter Laufzeit.

Bislang hat sich die Corona-Krise nicht als Konkursbeschleuniger gezeigt, auch wenn das seit Beginn der Pandemie immer wieder vermutet wurde – ganz im Gegenteil. Die diesbezüglichen Zahlen sind in den vergangenen knapp eineinhalb Jahren nicht nur bei Firmeninsolvenzen stark zurückgegangen, auch Privatkonkurse gab es in diesem Zeitraum bis dato deutlich weniger, auch hierzulande.

So schlitterten im Vorjahr in Vorarlberg 323 Menschen in eine Privatinsolvenz, im Jahr davor waren es noch 430. Im heurigen Jahr stiegen die Zahlen zwar von 68 im 1. Quartal 2020 auf 87 im 1. Quartal 2021. Diese höheren Zahlen 2021 lassen sich laut Simone Strehle-Hechenberger, Leiterin der ifs-Schuldenberatung, aber mit der besseren personellen Ausstattung der Schuldenberatung und den dadurch geringeren Wartezeiten erklären. Die Schuldenberatung des ifs begleitet 85 Prozent der Verfahren.

Maßnahmen der Regierung

Die Rückgänge seit Beginn der Pandemie führt Strehle-Hechenbeger auf die Maßnahmen der Regierung zurück – insbesondere die Kredit- und Mietstundungen sowie die Zahlungen aus diversen Hilfsmaßnahmen und die laufende Verlängerung von Kurzarbeit. Diesbezüglich war von Regina Nesensohn vom KSV1870 in Feldkirch vor einiger Zeit gegenüber der NEUE auch die Vermutung geäußert worden, dass die Leute einfach weniger Möglichkeiten hatten, Geld auszugeben, weil über lange Zeiträume alles geschlossen war.

Strehle-Hechenberger geht allerdings nur von einer Verzögerung aus – das sei auch die einhellige Meinung in der Fachwelt. Ein Anstieg werde sicher kommen, glaubt sie, klar sei allerdings noch nicht, wann.

Simone Strehle-Hechenberger.                          <span class="copyright">Neue-Archiv</span>
Simone Strehle-Hechenberger. Neue-Archiv

Ob der Anstieg schon im Herbst, Ende des Jahres oder erst Anfang nächsten Jahres erfolge, könne derzeit nicht seriös beantwortet werden, so die Schuldenberaterin. Viel hänge auch davon ab, welche Maßnahmen die Regierung zukünftig setzen werde. „Niemand hätte wahrscheinlich gedacht, dass die Kurzarbeit so lange geht“, stellt Strehle-Hechenberger fest. Erfahrungsgemäß steige die Nachfrage aber in Korrelation mit den Arbeitslosenzahlen – allerdings verzögert. Dass es noch zu einem Anstieg der Privatinsolvenzen komme werde, ist sie aber überzeugt: „Alles andere wäre sehr unwahrscheinlich.“

Gesetzesnovellen

Im Bereich des Insolvenzrechts wird es zudem ab Mitte Juli zu einer Änderung kommen. Grund dafür ist eine EU-Richtlinie, die eine Entschuldung für gescheiterte Unternehmer in drei Jahren vorschreibt. Diese soll in Österreich auch für private Schuldner zum Tragen kommen – derzeit sind es fünf Jahre, in denen eine Abschöpfung erfolgt..

Für Private soll das Gesetz allerdings vorerst nur auf fünf Jahre befristet gelten und dann evaluiert werden. Zudem gilt es für Privatpersonen nur unter besonderen Voraussetzungen. „Noch ist das Gesetz nicht beschlossen“, so Strehle-Hechenberger. Erst nach der endgültigen Ausformulierung und dem Beschluss könne man dazu etwas sagen. Und auch im Bereich des Exekutionsrechts gibt es eine neue rechtliche Entwicklung, informiert sie. Hier werde es künftig dazu kommen, dass nicht mehr das Rangprinzip gilt, also der erste betreibende Gläubiger bis zur Befriedigung seiner Forderungen alles erhält, sondern es werden alle Gläubiger zu gleichen Teilen befriedigt

Mai-Zahlen

Was die Privatinsolvenzen bundesweit im Mai betrifft, hat der Gläubigerschutzverband AKV Europa Alpenländische Kreditorenverband vor einigen Tagen eine diesbezügliche Aussendung verschickt. Der zufolge betrugen sie heuer in ganz Österreich 453. Im Mai des Vorjahres waren es mit 524 ein paar mehr. 2019 – also vor der Krise – lag die Zahl noch bei 879. Und damit fast doppelt so hoch wie im laufenden Jahr.

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