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Eine Branche steht vor dem Kollaps

04.06.2021 • 20:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Taxi-Unternehmer leiden schwer unter der Pandemie und deren Folgen. <span class="copyright">Hartinger</span>
Die Taxi-Unternehmer leiden schwer unter der Pandemie und deren Folgen. Hartinger

Die Taxibranche leidet unter der Corona-Pandemie und ihren Folgen.

Der Taxibranche geht es schlecht, das kann sofort merken, wer in der Branche rundruft. Bei Taxi Bregenz – dem „besten und freundlichsten Taxi in Bregenz, stets pünktlich und immer nett, auch wenn die Fahrer mal Stress haben“ – nimmt keiner ab. Hier haben die Fahrer oder ehemaligen Fahrer vermutlich doch Stress. Bei Taxi Leitner in Dornbirn heißt es, man habe Leute entlassen müssen, und in dieser unsicheren Situation sei es schwierig, verlässlich zu planen. Wie läuft das Geschäft im Zuge verschiedener Öffnungsschritte an? „Schleppend, sehr schleppend“, ist die Aussage bei Taxi Schwendinger. Es sei aber gerade Kundschaft im Auto – immerhin. Taxi Schwendinger ist immerhin schon seit 15 Jahren am Markt, bringt also einiges an Erfahrung mit.

Mario Sapper von Bodensee-Taxi und Kleintransporte Erna Sapper hat das Unternehmen 20 Jahre lang geführt und vor zwei Jahren auf seine Frau übertragen. Er spricht Klartext. „Am Tag haben wir schon genug Fahrgäste. Das Nachtgeschäft hingegen ist kaputt gegangen. Wenn die Gaststätten und Bars um 22 Uhr zusperren und Diskos und Lokale wie die Hämmerle Bar oder das Conrad Sohm nicht offen haben, liegt das Nachtgeschäft einfach darnieder.“

Mangelnde Perspektive

Eine Perspektive sei nicht absehbar – im Gegenteil. Solange das Nachtleben nicht wieder hochgefahren werde, bleibe die Lage für Taxiunternehmen schwierig.
„Im Moment haben wir vier bis fünf Autos im Einsatz. Das fünfte Auto steht gerade mit einem Motorschaden in der Werkstatt, das wird sicher auch nochmal 7000 Euro kosten in einer solchen Situation. In der Nacht – gerade dann, wenn eigentlich der höchste Tarif verrechnet werden kann –, fahren im Moment nur meine Frau und ich Taxi. Dazu kommt, dass auch das Flughafentransfergeschäft weggefallen ist. Die Tagfahrten sind häufig Krankentransporte, da können wir laut Vereinbarung mit den Krankenkassen nur die Hälfte des üblichen Tarifs verrechnen“, beschreibt Sapper.

Drastisch zurückgefahren wurden auch die Fahrten für die Lebenshilfe, die in ihrem Etat einen wichtigen Stellenwert eingenommen hätten. Teilweise hätten Eltern Bedenken, dass ihre Kinder sich in den Werkstätten, zu denen die Taxis sie üblicherweise gebracht haben, anstecken könnten, beziehungsweise fänden, dass die Kinder auf den Fahrten zu eng zusammensitzen würden.

Zu hohe Kosten

Eines der behindertengerechten Rollstuhlfahrzeuge müssen Sappers nun verkaufen. „Allein an Versicherung kostet so ein Auto 1400 Euro im Monat. Und das kostet es, egal, ob es im Einsatz ist oder nicht“, sagt Sapper. Für Versicherungen muss das Ehepaar überhaupt eine hohe Summe aufbringen, sie ist um einiges höher als bei anders genutzten Autos. „Wir können nur hoffen, dass alles wieder aufmacht. Wenn im Sommer das Virus wieder fast verschwunden ist, können wir vielleicht ein bisschen was wieder reinholen. Wenn nicht alles wieder aufsperrt, wird es problematisch. Und sollte ein nächster Lockdown kommen, wäre das eine riesige Katastrophe, auch für uns.“

Natürlich müssen Sappers als Geschäftsleute kalkulieren. Der hauptsächliche Kostenfaktor sind auch für sie die Personalkos­ten. Zurzeit haben sie ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt. Sollte diese Möglichkeit wegfallen, zusammen mit der Option, Krankenkassenbeiträge und Finanzamtszahlungen zu stunden, dann müssten wohl auch sie Mitarbeiter entlassen. Aber was wäre, wenn dann geöffnet würde, und sie bräuchten wieder Personal? „Das wäre dann das nächste Problem“, sagt Sapper.

Dabei hat er noch Glück: Er sei bei dem Gelbe-Seiten-Anbieter Herold „top gereiht“, sagt er, weshalb viele sein Unternehmen anrufen, wenn sie ein Taxi brauchen. Trotzdem ist klar, die Branche hat schwer gelitten und eine Aussicht auf Besserung gibt es zumindest derzeit noch nicht. Landeshauptmann Markus Wallner kündigte erst für Ende Juli erste Öffnungen für die Nachtgastronomie an. Wie diese aussehen, ist noch unbekannt.