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Hättest du Zeit für einen Kaffee, liebes Universum?

05.06.2021 • 16:33 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Neue Kopfkino Salmhofer Kolumne
Neue Kopfkino Salmhofer Kolumne

Heidi Salmhofer mit ihrer Sonntags-Kolumne in der Neue am Sonntag.

Durch die tägliche Auseinandersetzung mit diesem verflixten Virus und seiner Unberechenbarkeit bin ich unweigerlich mit unserer Verletzlichkeit konfrontiert worden. Daraus resultierend schweife ich immer wieder in höchst philosophische Gedanken über unser Sein, die Natur, meinen Glauben und die womögliche Existenz einer vierten Dimension ab.

Man redet ja gerne von der Perfektion der Schöpfung – oder ich nenne es des Universums. Aber ich frage mich schon, warum zum Beispiel eine Fliege nie ohne Hilfe den Weg aus meiner Wohnung hinausfindet, permanent gegen mein Fenster knallt, weil sie innert einer Tausendstel­sekunde vergessen hat, dass sie da nicht durchgekommen ist. Niemals aber prallen und surren Fliegen von außen gegen meine Scheiben, sondern schaffen es mit einem gezielten Einkehrschwung in meine Küche. Was genau hat sich das Universum dabei gedacht und wieso? Das wäre wirklich zu klären.

Aber ein viel wesentlicherer Punkt, der für mich Erklärungsbedarf hat, und den ich sicher, sobald ich in die vierte Dimension übergehe, zur Diskussion bringen werde: Wieso werden Menschen und Tiere krank? Was – zefix – macht das überhaupt für einen Sinn? Die darwinistische Erklärung dazu ist ja jene, dass die Natur für Gleichgewicht sorgt. Liebe Natur, was für ein Blödsinn ist dir da eingefallen? Ehrlich! Es wäre doch wesentlich einfacher, freundlicher, leid- und schmerzfreier gewesen, hättest du sämtlichen Lebewesen ein Anti-Überbevölkerungsgen eingepflanzt. Sobald eine Spezies dazu neigt, Überhand auf der Welt zu nehmen, soll sie einfach ganz von sich aus die Lust an der Fortpflanzung verlieren. Mal ein paar Jährchen weniger Bock zu haben, wäre eine wesentlich bessere Lösung.

Wir Menschen könnten stattdessen ein paar gute Bücher mehr lesen und die eine oder andere philosophische Abhandlung führen. Was für eine Bereicherung! Ich wage sogar zu behaupten, dass die wiederkehrende Drosselung der allgemeinen Libido zu weniger Krieg und Herrschaftsgedanken führen könnte. Ist das mit der Bevölkerung dann wieder geregelt, steigt die Lust und Freude an der gemeinsamen Paarung wieder.

Diesen ganzen furchtbaren Blödsinn an Pandemien hätten wir nie kennengelernt. Einzig, neue Partnergespräche gäbe es. „Schatz, tut mir leid. Heute nicht. Mein Gen ist aktiv. Vorarlberg hat die 500.000er-Marke überschritten.“ Die einzige Gefahr, die ich im Moment an dieser Idee sehe ist, dass Netflix womöglich die Weltherrschaft übernimmt. Dieses Problem ließe sich aber sicher politisch lösen. Liebes Universum, wenn du mal Zeit für einen Kaffee hast, könnten wir über meinen Vorschlag reden?

Heidi Salmhofer ist Theatermacherin und Journalis­tin. Sie lebt mit ihren Töchtern in Hohenems.