Allgemein

Altach: Kiesabbaupläne wirbeln viel Staub auf

07.06.2021 • 22:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Laut BH-Bescheid darf das Kieswerk Kopf für die Gemeinde Altach 1,5 Millionen Kubikmeter Kies abbauen.<span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Laut BH-Bescheid darf das Kieswerk Kopf für die Gemeinde Altach 1,5 Millionen Kubikmeter Kies abbauen.Klaus Hartinger

Opposition in Götzis wirft Bürgermeister Wählertäuschung vor.

Nach dem NEUE-Bericht über die aktuellen Entwicklungen beim geplanten Kiesabbau in Altach gehen die Wogen in der Götzner Gemeindepolitik hoch. Wie berichtet, verhandelt die Marktgemeinde als Grundeigentümerin der künftigen Abbaufläche mit der Standortgemeinde Altach über die Aufteilung der Erträge. Altach hatte 2019 bei der Bezirks­hauptmannschaft um eine Erweiterung ihrer ausgeschöpften Kiesgrube um eine 10,5 Hektar große Fläche auf Götzner Boden angesucht und bekam dafür eine Bewilligung.

Christian Loacker, Bürgermeister von Götzis <span class="copyright">NEUE</span>
Christian Loacker, Bürgermeister von Götzis NEUE

Weil sich der Götzner Bürgermeister Christian Loacker (ÖVP) klar für dieses Projekt ausspricht, obwohl der Abbau theoretisch auch mit einem Götzner Unternehmen beziehungsweise ohne Aufteilung der Erträge mit Altach möglich wäre, schlägt diesem nun heftige Kritik seitens der Opposition entgegen. Sie werfen Loacker Wählertäuschung und Freunderlwirtschaft vor. Der Bürgermeister hält freilich dagegen und spricht von einer „wichtigen und langfristigen Zusammenarbeit“ mit der Gemeinde Altach. Das Alternativprojekt bezeichnet er als „utopisch“.

ÖVP-Machenschaften?

In einer gemeinsamen Presseaussendung fordern die Oppositionsfraktionen der Bürger-Bewegung, SPÖ, Neos und FPÖ Bürgermeis­ter Loacker (ÖVP) auf, sich „um die Götzner Interessen zu kümmern, das Gemeindeeigentum zu schützen, Fairness vorzuleben und keine Gelder zu verschenken“. Loacker habe Anfragen zum Kiesabbau von anderen Unternehmen monatelang ignoriert und der Gemeindevertretung vorenthalten, so der Vorwurf. Zudem spricht die Opposition von „ÖVP-Machenschaften in Götzis und Altach“. Kritisiert wird etwa der Umstand, dass – wie die NEUE berichtete – der Geschäftsführer des Altacher Unternehmens Kies Kopf + Beton, Franz Kopf, nun wieder als Gemeindevertreter und Obmann des Wirtschaftsausschusses politisch aktiv ist, nachdem er im Vorfeld der Volksabstimmung über den Kiesabbau aus Befangenheitsgründen noch alle politischen Ämter zurückgelegt hatte.

Christoph Längle, Bürger-Bewegung <span class="copyright">NEUE</span>
Christoph Längle, Bürger-Bewegung NEUE

Zudem beanstandet die Opposition, dass mit Josef Loacker ein Cousin von Franz Kopf für die Götzner ÖVP in der „Arbeitsgruppe Kies“ sitze. Dort habe sich Josef Loacker „immer lautstark für die Abbauvariante mit Altach ausgesprochen und andere Argumente und Belange ignoriert“, heißt es in er Aussendung. Ebenso sei Josef Loacker ein langjähriger Abnehmer des Altacher Kiesunternehmens gewesen. Aber auch die ÖVP-Bürgermeisterpartei der Gemeinde Altrach bekommt ihr Fett ab. So wettert die Götzner Opposition, dass es Altach „bis heute nicht geschafft hat, ein offizielles Angebot vorzulegen und auch keine Verkehrslösung präsentieren kann“. Erschwerend komme hinzu, dass die ÖVP Altach mit eventuell zu erwartenden Erträgen aus dem Kiesabbau bereits Projekte und Vorhaben in Altach plane, heißt es in der Aussendung.

Christian Vögel, SPÖ <span class="copyright">NEUE</span>
Christian Vögel, SPÖ NEUE

“Nicht umsetzbar”

Bürgermeis­ter Christian Loacker weist auf NEUE-Anfrage sämtliche Vorwürfe zurück. Er stehe zu seiner Aussage, das Kiesabbauprojekt mit der Gemeinde Altach durchziehen zu wollen. „Natürlich braucht es auch eine faire Aufteilung der Erträge, aber es geht in erster Linie um eine längerfris­tige Zusammenarbeit mit der Nachbargemeinde Altach.“ Eine Finanzoptimierung zu Lasten einer anderen Kommune sei jedenfalls kein Thema, so Loacker.

Bernd Frankenhauser, NEOS <span class="copyright">NEUE</span>
Bernd Frankenhauser, NEOS NEUE

Das Alternativprojekt, bei welchem das Kies über ein Förderband nach Mäder und von dort auf das höherrangige Straßennetz transportiert werden soll, hält er schlichtweg für nicht umsetzbar. „Wir reden hier von einem zweiten Betriebsstandort in der Landesgrünzone. Und es wäre ein neues Verfahren einzuleiten.“ Der Bürgermeister hält eine Genehmigung in diesem Fall für nahezu unmöglich, da es sich dann um keine klassische Erweiterung einer bestehenden Kiesgrube mehr handeln würde. Die Anwürfe gegen das Götzner ÖVP-Mitglied Josef Loacker bezeichnet der Gemeindechef als „schäbig“. „Wir haben immer offen kommuniziert, wer für uns in der Arbeitsgruppe sitzt.“ Zudem sei die Arbeitsgruppe kein Entscheidungsgremium.

Andrea Buri, FPÖ <span class="copyright"> NEUE</span>
Andrea Buri, FPÖ NEUE

Du hast einen Tipp für die NEUE Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@neue.at.