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Viele Wünsche und ein konkretes Gesetz

07.06.2021 • 12:08 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Bei der Regenbogenparade 2019 herrschte dichtes Gedränge am Wiener Ring. Heuer wird er wohl etwas lockerer gefüllt sein.
Bei der Regenbogenparade 2019 herrschte dichtes Gedränge am Wiener Ring. Heuer wird er wohl etwas lockerer gefüllt sein. APA / Herbert Neubauer

Vienna Pride: SPÖ und Neos wollen Gesetz durchbringen.

Von 500.000 auf null in zwölf Monaten. Vor zwei Jahren füllten im Rahmen der EuroPride noch knapp eine halbe Million Menschen die Wiener Ringstraße, 2020 musste die Pride in Wien ersatzlos gestrichen werden. Heuer feiern die Veranstalter ein Comeback. Ab Montag wirbt die Vienna Pride wieder zwei Wochen lang für die Akzeptanz und die Stärkung der Rechte von LGBTIQ-Personen. Höhepunkt des Programms ist die Regenbogenparade am 19. Juni, die heuer als reine Fußgänger- und Fahrraddemo über den Ring zieht – nicht zuletzt der Pandemie wegen. Corona hat auch in der Community tiefe Spuren hinterlassen: “Vor allem Jugendliche haben gelitten. Es gab für sie kaum Beratungsstunden, sie konnten keine Gruppen mit Gleichgesinnten aufsuchen. Sie sollen nun sehen, dass sie nicht allein sind”, sagte Organisatorin Katharina Kacerovsky-Strobl bei der Programmpräsentation.

Für ein Ende von Konversionstherapien

Die Aufmerksamkeit für den Regenbogen möchten Mario Lindner (SPÖ) und Yannik Shetty (Neos) für ein Gesetz nutzen, das es eigentlich schon geben sollte. Die beiden Gleichbehandlungssprecher ihrer Parlamentsklubs versuchen einmal mehr, ein Verbot von sogenannten Konversionstherapien zur “Umpolung” von homosexuellen Jugendlichen zu erreichen. Solche Therapien würden Betroffenen einreden “ihre sexuelle Orientierung sei ‘krank’ und könne therapiert werden”, heißt es in einer Petition der Neos, die vergangene Woche an den Start ging. Das sei nicht nur “gänzlich falsch, sondern verursacht bei den Betroffenen oft lebenslanges Leid in Form von Depressionen, Selbsthass oder Selbstmordversuchen.”

Tatsächlich könnte dieses Verbot schon seit knapp zwei Jahren existieren. Mitten im koalitionsfreien Raum im Frühsommer 2019 forderte der Nationalrat die Bundesregierung einstimmig dazu auf, diesbezüglich eine Regierungsvorlage auszuarbeiten. Das Gesundheitsministerium unter der damaligen Ministerin Brigitte Zarfl reagierte mit einer “rechtlichen Information”, wonach solche Therapien eine “Berufspflichtverletzung” von Therapeuten darstellen würden und daher ohnehin verboten seien. Unter Zarfls Nachfolger Rudolf Anschober (Grüne) hat sich die Rechtsmeinung des Ministeriums nicht geändert, wie Anschober in einer Anfragebeantwortung im vergangenen Mai schrieb. Eine Anfrage zum Standpunkt des neuen Gesundheitsministers Wolfgang Mückstein blieb unbeantwortet.

Problem nicht im ärztlichen Bereich

Der SPÖ-Abgeordnete Lindner hat damals den entsprechenden Antrag ins Parlament eingebracht. Er ist mit dieser Lösung alles andere als zufrieden, denn das Problem liege woanders: “Wir wissen von Beratungsstellen in ganz Österreich, dass es gerade in der Pandemie in kirchennahen Vereinen zu solchen Therapien kommt“, sagt Lindner. Zu ähnlichen Schlüssen kommt auch Melanie Flisar. Die Sozialwissenschafterin forscht zu Konversionsmaßnahmen in Deutschland und Österreich und fasst zusammen, dass solche Therapien “in manchen erzkonservativen Religionsgemeinschaften eine wesentliche Rolle spielen.”

Seit Lindners Antrag 2019 haben er und Shetty einige fast wortgleiche Anträge ins Parlament eingebracht. Einer davon liegt derzeit wieder beim Gleichbehandlungsausschuss, wo er am Mittwoch wieder auf der Tagesordnung steht. Vielleicht kann die Community bei der Pride nicht nur für mehr Akzeptanz auf die Straße gehen, sondern auch einen weiteren kleinen Schritt in diese Richtung feiern.

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