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VLV sieht positive Entwicklung trügerisch

07.06.2021 • 19:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Spatenstich zum neuen VLV-Gebäude ist erfolgt.<span class="copyright">VLV</span>
Der Spatenstich zum neuen VLV-Gebäude ist erfolgt.VLV

Landesversicherung blickt auf „sehr gutes Geschäftsjahr 2020“ zurück.

Die Vorarlberger Landes-Versicherung VLV hat im Geschäftsjahr 2020 in der nichtversicherungstechnischen Rechnung ein Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) von 2,46 Millionen Euro erzielt. Das ist zwar ein Rückgang um etwa 38 Prozent gegenüber 2019, allerdings bewegt sich die VLV damit in Bezug auf die Schwankungen in der Größenordnung der vergangenen Jahre. Dazu kommt, dass 2019 für die VLV ein Rekordjahr war und das EGT in manchen Vorjahren auch schon deutlich geringer ausgefallen ist.

„Wir sind deshalb angesichts der wirtschaftlichen Begleitumstände mit 2020 sehr zufrieden“, so VLV-Direktor Robert Sturn im wpa-Gespräch. Die verrechneten Versicherungsbeiträge stiegen insgesamt um 3,2 Prozent auf 106,3 Millionen Euro.

Man sei froh darüber, dass bestimmte Befürchtungen in 2020 nicht eingetreten seien. So habe es zum Beispiel keine Kündigungswelle bei den Lebensversicherungen gegeben. „Da habe ich mich glücklicherweise getäuscht.“ Auch habe die VLV kaum Prämienstundungen gewähren müssen. Und schließlich habe sich die reduzierte Mobilität der Menschen im Coronajahr auf die Unfallstatistik ausgewirkt. Dadurch seien weniger Schadensfälle zur Abrechnung gekommen. Insgesamt wurden 68 Millionen Euro an Schadensleistungen erbracht.

Noch nicht ausgestanden

Trotzdem sei die Corona-Krise für den EGT-Rückgang verantwortlich, wenn auch nur indirekt, so Sturn. Denn die VLV ist gesetzlich dazu verpflichtet, die nicht benötigten Prämiengelder der Versicherungsnehmer sicher und ertragreich anzulegen. Das geschieht zumeist auf den internationalen Finanzmärkten. Diese haben im Frühling 2020 und in den Folgemonaten aber mitunter massiv unter den Pandemiebeschränkungen der Wirtschaft gelitten. „Der Rückgang im EGT ist deshalb vorrangig auf das Veranlagungsergebnis zurückzuführen. Zum Glück haben sich die Märkte zum Jahresende 2020 schon wieder erholt.“

Der sehr gute Verlauf des Geschäftsjahres 2020 dürfe allerdings nicht darüber hinweg täuschen, dass der wirtschaftliche Schaden der Pandemiebekämpfung noch nicht sichtbar sei.

„Eine zweite solche Wintersaison wird Vorarlbergs Tourismusbranche kaum überleben. Das gäbe eine Tragödie.“

Robert Sturn, VLV-Direktor

„Für Entwarnung ist es definitiv zu früh. Ich habe Sorge vor der weiteren Entwicklung und vor dem, was da wirtschaftlich noch kommt“, erklärt Sturn. Durch die Unterstützungsmaßnahmen würden viele Auswirkungen erst zeitverzögert auftreten. Die Zahl der Insolvenzen werde derzeit künstlich niedrig gehalten. Deshalb gehe die VLV davon aus, dass man die Auswirkungen der Krise in den kommenden Jahren noch deutlicher zu spüren bekommen werde. „Es trifft uns dann zwar nicht existenziell, aber doch deutlich“, so Sturn.

Nicht auszudenken ist seiner Ansicht nach, dass Vorarlbergs Tourismusbranche im kommenden Winter mit einer ähnlichen Situation wie 2020/21 konfrontiert wird. „Ich bin überzeugt davon: Eine zweite solche Wintersaison wird Vorarlbergs Tourismusbranche kaum überleben. Das gäbe eine Tragödie.“
Günther Bitschnau/wpa

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