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Über Verbindung von Kultur und Tourismus

08.06.2021 • 09:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Nicht nur die kulturellen Flaggschiffe wie die Festspiele sind wichtig für den Tourismus.  <span class="copyright">Sams</span>
Nicht nur die kulturellen Flaggschiffe wie die Festspiele sind wichtig für den Tourismus. Sams

Ein neues Kultur-Tourismus-Strategiepapier wurde präsentiert.

Im Jahr 2004 trafen erstmals Touristiker und Kulturschaffende in drei Workshops aufeinander. „Es gab Vorbehalte von beiden Seiten“, erinnert sich die Sozialwissenschaftlerin Eva Häfele, die damals den Auftrag hatte, ein Strategiepapier für die Verbindung von Tourismus und Kultur zu erarbeiten. Zahlreiche Fragen seien aufgetaucht – und viele davon konnten im Laufe der Zeit zur Zufriedenheit aller beantwortet werden, erzählt sie. „Es gab eine Annäherung zwischen Tourismus und Kultur“, so ihre Erfahrungen.

Umfangreiche Befragung

Häfele wurde in der Folge vor einiger Zeit erneut von Vorarlberg Tourismus und der Kulturabteilung des Landes beauftragt, eine Aktualisierung der damaligen „Kulturtourismusstrategie Vorarlberg 2010+“ vorzunehmen. Dafür wurde auch das schon vorliegende Papier durchforstet und auf Umsetzung und Potenzial überprüft. Dazu kam eine umfangreiche Befragung, aus der knapp 90 ausgefüllte Fragebogen von Tourismus- und Kultur-Akteuren hervorgingen, erzählt Häfele. Ergänzend dazu gab es auch intensive Fachgespräche, unter anderem auch mit Verantwortlichen der Tourismusschulen.

Barbara Schöbi-Fink, Eva Häfele und Christian Gantner (v.l) haben das Papier präsentiert. <span class="copyright">VLK/Hofmeister</span>
Barbara Schöbi-Fink, Eva Häfele und Christian Gantner (v.l) haben das Papier präsentiert. VLK/Hofmeister

Ganz wichtig sei es, betonte Häfele, dass die Menschen, die hier leben sich auch als Gastgeber verstehen. Das unterscheide Vorarlberg von anderen Destinationen, weil es in nahezu jedem Ort zumindest ein kleines spannendes Kulturangebot gebe. „Wir sind ein Kulturraum“ und das wolle man weiterentwickeln bzw. die Zusammenarbeit zwischen Tourismus und Kultur weiter verstärken.

“Kulturraum Vorarlberg 2025+”

Das soll anhand verschiedener Handlungsfelder erfolgen, die im nun vorliegenden Strategiepapier „Kulturraum Vorarlberg 2025+“ angeführt sind. So sei etwa ein Punkt, dass die Menschen, die nach Vorarlberg kommen, Kultur teilweise nicht nur passiv konsumieren wollen, sondern auch mitmachen. „Das ist ein wichtiger Aspekt im zukünftigen Kulturtourismus“, sagte Häfele. Ein weiterer Punkt sei die Digitalisierung, mit dem Ziel, die Kommunikation noch mehr zu stärken und die Vielfalt sichtbar zu machen.

Der Skyspace ist nur eines der Kulturprojekte, das in Lech entstanden ist.   <span class="copyright">Stiplovsek</span>
Der Skyspace ist nur eines der Kulturprojekte, das in Lech entstanden ist. Stiplovsek

Als Beispiel führte die Sozialwissenschaftlerin dann noch Lech bzw. den Arlberg an. In dieser vormals ausgewiesenen Winterdestination seien im Laufe der vergangenen Jahre eine ganze Reihe an kulturellen Veranstaltungen entstanden: von „Horizon Field“ über den Skyspace zum Philosphicum und Literaricum. Derart könnten auch klassische Tourismusdestinationen mit Kultur ihr Angebot ausbauen und zu einer Ganzjahresdestination werden, erklärte Häfele. Und noch etwas betonte sie: „Kultur ist Teil des Kulturraums und nicht explizit des touristischen Angebots.“

“Tolle Kooperationsformate”

Tourismuslandesrat Christian Gantner sprach in Hinblick auf die Verbindung von Kultur und Tourismus von einer „Win-Win-Situation“. In den vergangenen Jahren seien „tolle Kooperationsformate“ entwickelt worden, so Gantner. Kultur sei „raus aus den Kunsthäusern und rein in die Region und zu den Menschen gekommen“, meinte er. Das mache „uns unverwechselbar und authentisch“.

Befragungen hätten weiters ergeben, dass 40 Prozent der Gäste in ihrem Urlaub auch kulturelle Einrichtungen oder Veranstaltungen besuchen, informierte Gantner. Zehn Prozent kämen eigens wegen der Kultur – Tendenz steigend. Er hob hervor, dass es neben den bekannten Leuchttürmen wie Bregenzer Festspiele oder Schubertiade auch viele kleine „Geheimtipps“ in den Regionen gebe. Die Alpinale oder die Montafoner Resonanzen zählte er da auf.

Auch in den Talschaften wie hier im Montafon gibt es ein vielfältiges Kulturangebot.  <span class="copyright">Säly</span>
Auch in den Talschaften wie hier im Montafon gibt es ein vielfältiges Kulturangebot. Säly

Die Strategie orientiere sich nicht an dem, was von außen kommt, betonte auch Kulturlandesrätin Barbara Schöbi-Fink. Vielmehr gehe es darum, wie der Kulturraum nach innen entwickelt werden soll – für die Menschen, die hier leben. Schon im ersten Strategiepapier sei daher der Fokus nicht nur auf den kulturellen Flaggschiffen gelegen. Daneben hätten sich nämlich in den Regionen und Talschaften des Landes zahlreiche Kulturprojekte entwickelt, wie auch sie feststellte.