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Pandemie: Drogenmarkt ließ sich nicht stören

09.06.2021 • 13:07 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Frachthafen in Kolumbien. Drogenhandel läuft zunehmend über kommerzielle Lieferketten
Frachthafen in Kolumbien. Drogenhandel läuft zunehmend über kommerzielle Lieferketten AFP

Während Corona florierte der Drogenhandel in Europa wie eh und je.

Der Kampf gegen den internationalen Drogenhandel ist für die Behörden ein ständiger Wettlauf; im Augenblick geht der Punkt gerade wieder an die Ermittler, es gelang mit der Operation „Trojan Shield“ ein massiver Schlag gegen das organisierte Verbrechen mit mehr als 800 Festnahmen.

Wie schwierig dieser Kampf ist, zeigt der soeben veröffentlichte „Europäische Drogenbericht 2021“ Der EU-Beobachtungsstelle (EMCDDA) in Lissabon. Die Daten dazu kommen aus den 27 EU-Ländern sowie aus Norwegen und der Türkei. Den Kriminellen gelang es offensichtlich, auch die Pandemie ohne gröbere Einschränkungen für ihre Geschäfte zu überstehen. Die Großdealer haben sich an Reisebeschränkungen und Grenzschließungen angepasst, der Schmuggel läuft immer öfter über intermodale Container und kommerzielle Lieferketten, immer weniger über menschliche Kuriere.

Zwar gebe es Hinweise darauf, dass in den frühen Lockdownphasen jene Substanzen weniger gefragt waren, die mit „Freizeitveranstaltungen“, also Parties, Clubs usw., in Verbindung stehen, aber aus den Abwasserproben der Städte lässt sich klar ablesen, dass der Drogenkonsum wieder zugelegt hat, nachdem es im Sommer 2020 weithin Lockerungen gab. Vom „Night life“ zum „Home life“, wie es im Bericht heißt. Obwohl die Straßenmärkte für den Drogeneinzelhandel während der frühen Lockdowns gestört wurden und einige lokale Engpässe gemeldet wurden, haben sich Drogenverkäufer und -käufer angepasst, indem sie verstärkt auf verschlüsselte Nachrichtendienste, Social-Media-Apps, Online-Quellen sowie Post- und Lieferdienste zurückgreifen. Dies werfe die Frage auf, ob eine langfristige Auswirkung der Pandemie die weitere Digitalisierung der Drogenmärkte sein könnte, heißt es weiter.

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Immer neue Designerdrogen

Besonderes Kopfzerbrechen machen den Behörden drei Punkte: Zum einen nehmen die Gesundheitsgefahren weiter zu. So stieg etwa der THC-Gehalt in Cannabisharz an, es wurde auch häufig mit hochpotenten synthetischen Cannabinoiden gestreckt. Zweitens wurden zwar Rekordmengen beschlagnahmt, was gleichzeitig aber auch als beunruhigendes Zeichen für den wachsenden Markt ist. 2018 wurden in der EU 177 Tonnen Kokain beschlagnahmt, 2019 waren es bereits 213 Tonnen. Drittens kommen ununterbrochen neue Designerdrogen auf den Markt, etwa besonders schädliche synthetische Cannabinoide und neue synthetische Opioide. Im Jahr 2020 wurden in Europa insgesamt 46 neue psychoaktive Substanzen (NPS) erstmals gemeldet, womit sich die von der EMCDDA überwachte Gesamtzahl auf 830 erhöhte. Das heißt, dass fast jede Woche eine neue Substanz auftaucht.

Dazu kommt auch noch, dass sich die Globalisierung auch im Drogenbereich ausmachen lässt. Europa wird oft als „Durchlaufstation“ genutzt, etwa zwischen Südamerika und Australien. Parallel dazu heben die Fahnder immer öfter innerhalb der EU Drogenlabore aus. 2019 wurden 370 solcher Labore ausgehoben, einige davon waren klar mexikanischen Drogenkartellen zuzurechnen.

„Der Europäische Drogenbericht 2021 macht deutlich, wie sehr sich die Drogensituation in den letzten 25 Jahren verändert hat, wobei Drogen jetzt ein weit verbreitetes Problem darstellen, das sich auf alle wichtigen Politikbereiche auswirkt. Wir erleben derzeit einen dynamischen und anpassungsfähigen Drogenmarkt, der den COVID-19-Beschränkungen standhält“, sagt dazu EMCDDA-Direktor Alexis Goosdeel. Er setzt Hoffnung in die neue EU-Drogenstrategie.

Ylva Johansson, EU-Kommissarin für Inneres, verweist ebenfalls darauf: „Ich bin besonders besorgt über die hochreinen und hochwirksamen Substanzen, die auf unseren Straßen und im Internet erhältlich sind, sowie über die 46 neuen Drogen, die allein im Jahr 2020 in der EU entdeckt wurden.“