Allgemein

Wahrer Nationalheld

10.06.2021 • 20:21 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Seit 2015 läuft der 37-Jährige für Genua CFC auf.  <span class="copyright">AP</span>
Seit 2015 läuft der 37-Jährige für Genua CFC auf. AP

Der alte Mann und das Tor: Goran Pandev traf schon den FC Bayern mitten ins Herz.

Star, Ikone, Nationalheld: Goran Pandev ist für Nordmazedonien viel mehr als nur der beste Fußballer des Landes. „Man kann Alexander den Großen infrage stellen – aber nicht Goran den Großen“, sagt Trainer Igor Angelovski über den Kapitän, Rekord-Nationalspieler und besten Torschützen der kleinen Balkanrepublik. Der quirlige Stürmer traf einst schon den großen FC Bayern mitten ins Herz. Mit Inter Mailand gewann Pandev 2010 im Finale gegen den deutschen Rekordmeis­ter die Champions League; bei der Neuauflage des Endspiels im März 2011 bedeutete sein später 3:2-Siegtreffer im Achtelfinal-Rückspiel das Aus für die Münchner. Doch das wichtigste Profitor erzielte der 37-Jährige im vergangenen November: Das goldene 1:0 im Play-off-Finale der EM-Qualifikation in Georgien brachte Nordmazedonien erstmals zu einem großen Turnier. „Gott hat mich dafür ausersehen“, sagte Pandev anschließend.

Mit Inter gewann Pandev die Champions League 2010 gegen die Bayern. <span class="copyright">AP</span>
Mit Inter gewann Pandev die Champions League 2010 gegen die Bayern. AP

Heiliges Nationalteam-Trikot

In der Heimat tanzten Zehntausende der zwei Millionen Einwohner ausgelassen auf den Straßen, auch in Pandevs Cafe „19“ (nach seiner Rückennummer im Klub) in seiner Geburtsstadt Strumica war die Hölle los – trotz Corona. „Strumica war außer Rand und Band, wie das ganze Land“, sagt Pandev stolz. Bei der Rückkehr in die Heimat wurden die Helden von Ministerpräsident Zoran Zaev empfangen, der stilecht das rote Nationaltrikot mit der Nummer „10“ und dem Namen „Pandev“ auf dem Rücken trug. Pandev wurde zum „Sportler des Jahres“ gewählt, die Zeitung „Sport“ nannte ihn „unsere Ikone“.
Doch dem sind Allüren fremd. „Ich habe mich nie als Star gefühlt“, meine Tore sind mir nicht wichtig, ich möchte nur helfen“, sagte er. Seine Heimatliebe ist auch nach 20 Kicker-Jahren in Italien, inzwischen beim FC Genua, ungebrochen. In Strumica hat er ein Sportcenter finanziert und mit Akademija Pandev einen eigenen Klub gegründet, in dem sein Bruder Sashko spielt.
Vier Jahre nach der Vereinsgründung stieg Akademija überhaupt erst mit einer Mannschaft in eine Liga ein. Damals drittklassig. Die Konkurrenz in Nordmazedonien ist jedoch klein, der Weg nach oben kurz und drei Jahre später war Akademija auf einmal in der höchsten Spielklasse angekommen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Klubs des Landes verfügt Akademija über ein modernes Trainingszentrum mit hervorragenden Trainingsplätzen.

Gegen Georgien erzielte Pandev das Goldtor, womit Nordmazedonien bei der Euro ist.<span class="copyright"> AP</span>
Gegen Georgien erzielte Pandev das Goldtor, womit Nordmazedonien bei der Euro ist. AP

Nicht auf Anhieb

Bereits mit 17 Jahren gelang Pandev der Sprung in die nordmazedonische Nationalmannschaft. Am 6. Juni 2001 kam er unter Trainer Srecko Katanec gegen die Türkei zum ersten Mal zum Einsatz und absolvierte 24 Minuten beim 3:3 Remis. Die Zukunft brachte jedoch noch einige Einsatzminuten mehr.
Auf Vereinsebene wechselte Pandev 2001 nach Italien zu Inter Mailand, wo seine lange Karriere in Italien begann. Doch der Durchbruch gelang ihm ebenso wie in der Nationalmannschaft von Nordmazedonien nicht auf Anhieb.
Nach Pandevs Wechsel zu Inter Mailand musste sich der Nordmazedonier noch etwas gedulden, bis er erstmals Luft in der Serie A schnuppern durfte. Inter verlieh den Stürmer in die Serie C zu Spezia Calcio, wo er erstmals auf italienischem Boden Erfahrung sammeln konnte. In der Saison 2003/04 wurde er dann nach Ancona in die Serie A verliehen, wo er umgehend zum Stammkader gehörte. Dennoch konnte er den Abstieg seines Teams nicht verhindern und so suchte er sich am Ende der Saison wieder einen neuen Verein.

Mit dem Wechsel zu Lazio Rom hatte es Goran Pandev mit damals 21 Jahren geschafft. Er war bei einem namhaften italienischen Serie-A-Verein untergekommen und konnte sich dort beweisen. Insgesamt fünf Saisonen und 192 Spiele absolvierte Pandev für Lazio Rom. Dabei schoss er nicht weniger als 64 Tore. Als der Nordmazedonier 2009 seinen Wechselwunsch trotz laufendem Vertrag äußerte, kam es zum Streit mit der Vereinsführung und Pandev absolvierte kein Spiel mehr für den italienischen Hauptstadtverein.
Auf die neuerliche Zwischenstation bei Inter Mailand folgte die einjährige Leihe an Napoli. 2012 zahlten die Süditaliener 7,5 Millionen Euro Ablöse und stattete den Nordmazedonier mit einem Dreijahresvertrag bis 2015 aus. In der Saison 2013/14 gewann er zum insgesamt fünften Mal die Coppa Italia und verabschiedete sich dann für eine Million Euro Ablöse zu Galatasaray Istanbul, wo er türkischer Meister und abermals Pokalsieger wurde. In der Türkei verbrachte der 37-jährige Nordmazedonier jedoch nur ein Jahr. Seit 2015 steht Pandev bei Genua unter Vertrag.

Goran Pandev war gleich für mehrere italienische Top-Klubs aktiv.<span class="copyright"> AP</span>
Goran Pandev war gleich für mehrere italienische Top-Klubs aktiv. AP

Das kleine Land

Für Nordmazedonien wartet mit der Europameisterschaft 2021 ein wahres Highlight auf die Balkan-Nation. Es ist der größte Erfolg, ja sogar die große Geschichte für das kleine Land aber gleichzeitig wird man in jedem Spiel klarer Außenseiter sein. Natürlich ist Pandev nicht mehr der Jüngste und zählt mit seinen 37 Jahren auf jeden Fall zu den ältesten Spielern des Turniers. Er agierte im Nationalteam zuletzt als Mittelstürmer, Rechtsaußen oder als hängende Spitze.

Strumica

Rund 35.000 Menschen wohnen in Strumica, am südöstlichen Zipfel von Nordmazedonien, unweit der Grenzen zu Griechenland und Bulgarien. Bekannt ist die Stadt neben ihren landwirtschaftlichen vor allem für ihre fußballerischen Erzeugnisse. Nicht nur Pandev stammt aus Strumica, sondern beispielsweise auch Goran Popov und Goran Maznov. Sie machten Karriere im Ausland und spielten lange für die Nationalmannschaft. Der Größte von allen ist und bleibt aber Pandev – vermutlich wird er auch für immer der Größte bleiben.
Seit 2019 ist er mit Nadica Skerleva verheiratet. Das Ehepaar hat zusammen drei Kinder.