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Der Kulturherbst in den Bergen

11.06.2021 • 20:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das nach Eigendefinition „steilste Festival in den ­Bergen“: der Walserherbst.   <span class="copyright">Elmar Bertsch</span>.
Das nach Eigendefinition „steilste Festival in den ­Bergen“: der Walserherbst. Elmar Bertsch.

Der im Vorjahr verschobene ­Walserherbst wird nun stattfinden.

Eigentlich hätte der neunte Walserherbst schon im vorigen Jahr stattfinden sollen. Dem hat – wie so vielem – Corona einen Strich durch die Rechnung gemacht. Somit wird das biennal stattfindende Festival heuer über die Bühne gehen.

Dietmar Nigsch, Gründer des Walserherbsts und gemeinsam mit Eugen Fulterer Leiter, ist zuversichtlich, das vorliegende Programm auch durchführen zu können: „Ich bin optimistisch, dass sich die Situation nicht verschlechtert.“ Man habe genug Platz, vieles spiele sich im Freien ab und teils seien die Veranstaltungen auch eher klein, zählt er einige Argumente für ein gutes Gelingen auf.

Einbindung der Region

Der diesjährige Walserherbst zeichnet sich einmal mehr durch ein vielfältiges Angebot aus, das, so scheint es, für nahezu jeden und jede etwas parat hat. Einige Details müssen noch fixiert werden, erklärt Nigsch, der auch in Wien lebt. Dafür wird er nächste Woche nach Vorarlberg kommen. Besonders stark werden heuer die Walser Bevölkerung beziehungsweise Kunstschaffende aus der Region eingebunden, weist er auf einen der Schwerpunkte hin. „Nach dieser Zeit will man ja wieder zusammenkommen.“

Zentrale Orte für die Veranstaltungen werden in diesem Jahr Blons und Raggal sein. In Blons wird auch ein Kaffeehaus als Veranstaltungsort errichtet. Zu Beginn des ­dreiwöchigen Festivals wird eine Reihe von Ausstellungen – insgesamt sind es heuer sieben – eröffnet, darunter eine mit Porträts von Nikolaus Walter von Walsern in Blons. Zum ers­ten Mal wird es heuer auch Tanz geben und zwar mit Simon Mayer – ein „nackter Tänzer im Walsertal“, sagt Nigsch mit einem Grinsen.

Das Bläserensemble Federspiel ist am Eröffnungswochenende dabei. <span class="copyright">Maria Frodl</span>
Das Bläserensemble Federspiel ist am Eröffnungswochenende dabei. Maria Frodl

Kindertheater, Konzerte in Kirchen, die schon traditionelle (und bereits ausgebuchte) Radix-Musikwerkstatt oder Lesungen mit Maria Hofstätter und Martina Spitzer sind weitere Programmpunkte. Fredi Murers Film „Höhenfeuer“ über einen Inzest in den Bergen ist zu sehen.

Ein weiterer Schwerpunkt widmet sich dem Thema Mobilität im Tal. Zwei Tage lang wird es dazu Diskurse zum Thema Verkehr geben. Zudem werden an fünf Orten Mitfahrbänkle errichtet und ein Bus wird nach dem Ende der Veranstaltungen noch fahren. Geplant ist auch ein Projekt mit Streetart-Künstler Domingo Mattle, der mit anderen ein Straßenstück in Blons bemalen wird. „Der Wal­serherbst ist auch ein gutes Festival, um Impulse zu setzen, die weiterentwickelt werden sollen“, sagt Nigsch zum Mobilitäts-Schwerpunkt.

Ein Konzert gibt es mit dem Trio Ritter-Lechner-Coleman.  <span class="copyright">Lukas Beck</span>
Ein Konzert gibt es mit dem Trio Ritter-Lechner-Coleman. Lukas Beck

Eine Wanderung auf die Brandalpe in Damüls, wo eine ganze Reihe mittlerweile restaurierter Walserhütten stehen, und Kulinarik mit dem Schwerpunkt Wurzel sind weiters im Angebot. Die Möwen der Künstlerin May-Britt Nyberg-Chromy werden sich zudem in einem alten verlassenen Gebäude in Blons einnisten. Und ganz zum Schluss gibt es laut Nigsch noch Musik und einen Trödelmarkt.

Befragt nach der Entwicklung des Festivals seit 2004, als es das erste Mal stattfand, meint der Festivalgründer und -leiter: „Es sind doch einige angestoßene Dinge nachhaltig weitergegangen.“ Er weist diesbezüglich etwa auf den Kulturpavillon bei der Ruine Blumenegg hin oder das Schwefelbad, das nach wie vor in Betrieb ist. Zudem hat er den Eindruck, dass durchaus ein Bewusstsein im Tal entstanden sei, dass Zentren, Kommunikationsräume mehr Platz brauchen. „Umgesetzt ist es halt noch nicht“, fügt er hinzu, „aber das Wissen darüber ist da.“ Zudem sei das Festival einfach auch jedes Mal „ein Fest und Zusammenkunft“.


https://walserherbst.at

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