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Die verklebte Welt von Marco Spitzar

11.06.2021 • 11:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Marco Spitzar mit einem seiner Werke. <span class="copyright">Marc Rogenmoser</span>
Marco Spitzar mit einem seiner Werke. Marc Rogenmoser

Marco Spitzar zeigt derzeit in Bregenz ältere und ganz neue Werkserien.

Die Welt von Marco Spitzar ist verklebt. Seit Jahren arbeitet der Künstler in seinen Werken mit Uhu – eigentlich schon seit der Schulzeit, wie er erzählt. Spitzar, 1964 in Deutschland geboren und 1977 nach Bludenz umgezogen, hat an der Akademie der bildenden Künste in Wien Bildhauerei bei Bruno Gironcoli studiert.

Die klassische Bildhauerei und deren Materialien waren ihm aber immer zu groß, zu mächtig, sagt er. Nach dem Studium wechselte er die Branche („die Kunst war mir zu kommerziell“) und war viele Jahre in der Werbung tätig, in beschränkterem Maß ist er es auch heute noch. Seit einigen Jahren steht aber wieder die Kunst im Mittelpunkt seines Schaffens, wobei er über all die Jahre immer nebenbei künstlerisch tätig war, erzählt er.

Blick in die Ausstellung.    <span class="copyright">Rogenmoser</span>
Blick in die Ausstellung. Rogenmoser

Aktuell ist eine Ausstellung des Künstlers in der Galerie 9und20 in Bregenz zu sehen. „Uhu rigid“ ist der Titel der Schau, in der verschiedene Werkserien zu sehen sind. Da gibt es auf altem Papier, Pappe oder der Innenseite alter Buchrücken gezeichnete Figuren: schwarze Männer mit gelber Kleidung, wobei Letztere mit Acryl gemalt wurde.

Die Figuren sind mit Uhu überzogen und jede hält eine „Flinke Flasche“, ein Produkt aus dem Uhu-Sortiment, in der Hand. Die „Flinke Flasche“ taucht auch immer wieder in anderen Werken des Künstlers auf. Sie habe er quasi in seinen Kanon aufgenommen, so der Künstler, der auch beim Gespräch eine dabei hat.

Afrika-Erfahrungen

Die aufgetragene Uhu-Schicht gibt den Arbeiten einen nahezu reliefartigen und plastischen Charakter. Dass die Männer schwarz sind, sei einfach „passiert“, sagt Spitzar – ganz zufällig aber wohl nicht. Der Künstler war vor Jahren eine Zeitlang im Senegal. Vieles was er damals erlebt und erfahren hat, beschäftigt ihn noch heute und fließt in seine Arbeiten ein.

Schwarze Männer sind auch auf großformatigeren Arbeiten auf Naturleinwand zu sehen – wobei seine Figuren teils androgyne Züge aufweisen. „Frauen darzustellen tu ich mich schwerer“, so der Künstler, „für mich steht der Mensch im Vordergrund“. Auch eine kleine, sich drehende Skulptur steht in diesem Raum, ein „kleines Planetarium“, das aus einer Acrylfarbenflasche, die mit Swarovski-Kristallen beklebt wurde, und einem Pinsel besteht. Anderswo trifft man dann noch auf eine Skizze zu dieser Plastik.

Auch ganz neue Arbeiten sind zu sehen.   <span class="copyright">Rogenmoser</span>
Auch ganz neue Arbeiten sind zu sehen. Rogenmoser

Verklebung, Reinigung, Lösung, Spiegelung sind die übergeordneten Themen, um die sich Spitzars Werk dreht – eine künstlerische Suche, um mit den Verklebungen der ­eigenen Biographie, der ­Gesellschaft umzugehen und sie auch immer wieder neu zu variieren.

Verklebt sind auch rund 25 Jahre alte Arbeiten – Zeichnungen – auf denen dann doch auch Frauenfiguren auftauchen. Ausgeschnittene Holzpappe-Figuren hat Spitzar auf schwarzem Samt drapiert. Männer in rosa Kleidung, mit denen er die Ärzte im Senegal assoziiert, und andere Figuren in dunkler Kleidung sind auf weiteren Bildern zu sehen. Sie sind alle mit Uhu überzogen, mit zahlreichen sichtbaren Luftbläschen und aufgetragenen Partikeln von Neon-Buntstiften.

Bis 25. Juni. Galerie 9und20, Kirchstraße 29, Bregenz. Mittwoch bis Freitag, 16 bis 19 Uhr, Samstag, 11 bis 15 Uhr. www.galerie9und20.at, www.marcospitzar.com

In einem Raum in der Galerie sind dann noch ganz neue Arbeiten ausgestellt – astronautenähnliche Figuren, die ohne Acrylfarbe auskommen und bei denen sich die Farbnuancen nahezu gänzlich durch den Uhu ergeben. Diese Figuren weisen aber noch einen Unterschied auf. Die Körper sind nicht komplett mit dem Klebstoff ausgefüllt. Sie sind brüchig, lösen sich auf – Spitzars Blick in eine unsichere, ungewisse Zukunft.

Ein Motiv, das er schon in früheren Arbeiten verwendet hat – Köpfe in Schalen – taucht auch hier wieder auf. Insgesamt sind Spitzars Werke stets eine Weiterentwicklung seiner bestehenden Arbeiten, die sich auf kleine Änderungen beschränkt. „Ich bewege mich in meiner eigenen Welt“, sagt der Künstler – und die verklebt er weiter.