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Die Psyche der Mitarbeiter im Blick

14.06.2021 • 22:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Aufgrund von Corona kippen viele Menschen in eine Sucht. <span class="copyright">Stiplovsek</span>
Aufgrund von Corona kippen viele Menschen in eine Sucht. Stiplovsek

Sucht- und Suizidpräventionsprojekt für Unternehmen und Beschäftigte.

Was tun, wenn ein Mitarbeiter sich mit Tabletten durch den Tag bringt, regelmäßig zu tief ins Glas schaut oder sich über nichts mehr freuen kann? Antworten auf diese Frage sollen heimische Unternehmen und deren Mitarbeiter künftig über eine neues Präventionsangebot erhalten. Die Initiative „Papageno“ wird von der Stiftung Maria Ebene, Arbeiterkammer, dem Land Vorarlberg und der Österreichischen Gesundheitskassa (ÖGK) Vorarlberg getragen. Als Namensgeber für das Hilfsangebot dient der Vogelfänger aus der Mozart- Oper „Die Zauberflöte“. „Auch er konnte mit Hilfe seiner Freunde eine tiefe persönliche Krise erfolgreich überwinden. Seine Geschichte dient als Metapher und Mut machendes Beispiel“, beschreibt Philipp Kloimstein, Primar der Stiftung Maria Ebene, den Hintergrund des Projekttitels.

Es ist uns wichtig, dass unsere Mitarbeiter auch psychisch gesund sind und bleiben.

Jürgen Reinalter, Getzner Werkstoffe

„Papageno“ wurde gezielt als Reaktion auf die vermehrten psychischen Belastungen in Folge der Corona-Pandemie initiiert. „Aus früheren Krisen wissen wir, dass nicht nur kurzfristig, sondern insbesondere mittel- bis langfristig vermehrt psychische Probleme wie Depressionen oder Abhängigkeiten entstehen können. Ein präventives Handeln ist daher jetzt besonders wichtig“, erläuterte Kloimstein beim offiziellen Auftakt in den Räumlichkeiten von Getzner Werkstoffe in Bürs. Der Primar wies zudem darauf hin, dass bereits vor der Krise psychische Erkrankungen „gesellschaftlich eine zunehmende Belastung darstellten“. Die Initiative zielt darauf ab, das Verantwortungsbewusstsein bei Führungskräften und Arbeitskollegen im Umgang mit psychisch belasteten Personen im Unternehmen zu stärken.

Gleichzeitig erhalten Betroffene konkrete Hilfsangebote und es werden ihnen unterschiedliche Unterstützungsmöglichkeiten aufgezeigt – etwa bei Beratungsgesprächen, mittels Informationsbroschüren oder auf der eigens dafür eingerichteten Webseite www.papageno.tips.

Weitere Partner

Landesrätin Martina Rüscher (VP) begrüßt die Initiative. Im vergangenen Jahr seien viele Aktionen gesetzt worden, um die wirtschaftlichen und körperlichen Folgen der Pandemie abzufangen, die Krise habe jedoch „auf die seelische und psychische Gesundheit der Menschen einen ebenso großen Einfluss gehabt“. sagte Rüscher. Die Landesrätin hofft, dass bald weitere Unternehmen dem Beispiel von Getzner folgen werden. Dass Getzner Werkstoffe neben dem Unternehmen Julius Blum als eines der ersten Unternehmen in Vorarlberg an diesem Projekt teilnehmen kann, freut wiederum Geschäftsführer Jürgen Rainalter. Er vergleicht das Projekt mit dem Schwingungsschutz – ein Bereich, in dem das Unternehmen weltweit als führender Spezialist gilt.

„Wir wissen, dass ständige Belastungen wie Vibrationen einem Gebäude oder einer Anlage schaden können. Und so ähnlich ist es auch mit anhaltenden psychischen Belastungen beziehungsweise negativen Schwingungen. So wie Schwingungsschutz vor Vibrationen schützt, kann dieses Projekt helfen, gerade in Zeiten der Corona-Krise gestiegene psychische Belastungen abzufangen.“ Laut Reinalter wird Getzner Werkstoffe nach einer ersten Informationsveranstaltung weitere Maßnahmen zur psychischen Ersten Hilfe über das Jahr hinwegsetzen.

Stigmatisiert

Auch bei der Arbeiterkammer Vorarlberg hält man es für notwendig, auf die psychischen Auswirkungen der Corona-Pandemie zu regieren. „Für die Arbeitnehmer ist es positiv zu sehen, wenn ihr Betrieb solche Maßnahmen unterstützt“, weiß Marcel Gilly, Mitinitiator des Projekts und Vorsitzender des Sozialausschusses der AK Vorarlberg. Psychische Erkrankungen wie Depressionen und Sucht seien immer noch gesellschaftlich stigmatisiert und viele trauten sich nicht, darüber zu sprechen.

Nach dem Auftakt bei Getzner Werkstoffe sollen Vorträge und Workshops für Führungskräfte, Personalverantwortliche, Betriebsräte, Lehrlingsbeauftragte, aber auch für Mitarbeiter angeboten werden. Unter dem Titel „Hinschauen und Handeln!“ werden etwa Handlungsempfehlungen gegeben sowie Hilfsangebote und konkrete Anlaufstellen vorgestellt.